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Der bittere Beigeschmack des Mindestlohns

Die Folgen in der Gastronomie sind bereits jetzt spürbar. Selbst das Bastei-Hotel denkt über Einschränkungen nach.

Von Heike Wendt

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Kritiker warnten vor Stellenabbau und steigenden Preisen, Wenigverdiener freuen sich auf die erste Lohntüte mit mehr Geld. Wie berechtigt ist die Freude über den Mindestlohn?

Spurlos geht die Gesetzesänderung an fast keinem vorüber. Dabei steht der Vorteil guter Bezahlung außer Zweifel. „Ich habe schon vor zehn Jahren die Meinung vertreten, dass unsere Branche unterbezahlt ist“, sagt Hotelier Dieter Schröter. Ein Befürworter des Mindestlohnes ist der Betreiber des Berghotels Bastei und Eigentümer des Parkhotels in Bad Schandau dennoch nicht. „Das Gesetz wurde beschlossen, ohne auf Details einzugehen. Vorschläge, die wir im Vorfeld an Verbände unterbreitet haben, blieben leider unbeachtet“, kritisiert er. Die Einführung des Mindestlohnes ist seiner Meinung nach eine gigantische Luftblase. Konkret hat er im Berghotel Bastei Verantwortung für 140 Mitarbeiter. Würde er die Mehrkosten aus dem Mindestlohn komplett auf die Preise umlegen, stünden Preiserhöhungen von 12 bis 18 Prozent an. „Das ist keinem Gast vermittelbar“, sagt Schröter. Eine so extreme Erhöhung widerspricht zudem seiner Firmenphilosophie. Jedes Jahr Investitionen ins Haus und jedes Jahr ein bisschen Service mehr rechtfertigen eine moderate Anhebung der Preise – in diesem Jahr konkret um etwa sieben Prozent.

Ganz genau lassen sich die Mehrkosten noch nicht ausrechnen. „Wir bekommen seit Jahresanfang von unseren Lieferanten Post, in denen deren Preiserhöhungen angekündigt werden“, erklärt er. Bäcker, Fleischer oder Reinigungsfirmen sind von der Gesetzesänderung genauso betroffen.

Mehr in der Lohntüte haben im Basteihotel die Zimmerfrauen. „Das gönne ich ihnen auch, sie machen eine schwere Arbeit“, sagt Schröter. Allerdings müssen seine Mitarbeiter auch verzichten. „Bestimmte Zuschläge kann ich nicht mehr zahlen“, sagt er. Denn jede Mehrausgabe muss zuvor erwirtschaftet werden.

„Für die Branche ist es ein heftiger Einschnitt“, bestätigt Gunter Claus, Geschäftsführer des Regionalverbandes Sächsische Schweiz des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Es treffe vor allem kleine und mittlere Betriebe. In der Konsequenz werden Inhaber selber mehr arbeiten, wenn das Stundenbudget der Mitarbeiter aufgebraucht ist – und das für deutlich weniger als 8,50 Euro, befürchtet Gunter Claus. Oder sogar schließen. Seit diesem Jahr sind das kleine Landhotel in Rathewalde und die Wachbergbaude geschlossen, die Betreiber begründen das unter anderem mit dem Mindestlohn.

Im nahen Kurort Rathen versorgt Thomas Karsch Einwohner und Feriengäste in seinem Lebensmittelgeschäft mit Dingen des täglichen Bedarfs. Er hat bereits Konsequenzen gezogen. Das Geschäft hat seit diesem Jahr von Montag bis Sonnabend nur noch 8 bis 11 Uhr geöffnet. „Wir gewährleisten die Grundversorgung im Ort“, betont er. Noch vor einem Winter konnte man auch nachmittags bei ihm einkaufen. Gerechnet hat sich das nicht. „Wenn ich nachmittags öffnen würde, reichten die Einnahmen nicht einmal mehr fürs Stromgeld“, sagt er nüchtern. Seit fast hundert Jahren wissen Anwohner den kurzen Weg zum Laden zu schätzen. Unternehmerisch ist es eine Gratwanderung. Seine Angestellten konnte Karsch zwar behalten. „Aber die Stunden mussten wir reduzieren.“