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Der Boss sitzt jetzt auf der Anklagebank

Bernie Ecclestone muss sich wegen einer Millionenzahlung an einen Banker verantworten.

© dpa

Von Daniela Wiegmann

In München steht wenige Wochen nach Uli Hoeneß erneut ein prominenter Sport-Manager vor Gericht: Bernie Ecclestone. Morgen beginnt der Bestechungsprozess gegen den 83 Jahre alten Geschäftsführer der Formel 1. Die SZ stellt die wichtigsten Fragen und Antworten zum Strafverfahren in einer Übersicht vor.

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Was wirft die Staatsanwaltschaft Ecclestone vor?

Ecclestone muss sich wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vor Gericht verantworten. Er soll dem ehemaligen Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt und sich einen Großteil davon in Form einer Beraterprovision von der BayernLB zurückgeholt haben. Der BayernLB ist dadurch laut Anklage ein Schaden von umgerechnet knapp 35 Millionen Euro entstanden.

Woher kannte Ecclestone den Banker Gribkowsky?

Die beiden Männer haben sich getroffen, als die bayerische Landesbank ihre Mehrheit an der Formel 1 verkaufen wollte. Die Anteile an der Rennserie waren ihr als Pfand für die Pleite der Kirch-Gruppe zugefallen. Weil die Bank nicht viel damit anfangen konnte, sollte Gribkowsky die Beteiligung zu Geld machen. Dabei traf er sich 2006 immer wieder mit Ecclestone.

Warum hat Ecclestone Gribkowsky 44 Millionen Dollar gezahlt?

Aus Angst vor einem Machtverlust bei der Formel 1, meint die Staatsanwaltschaft. Wie aus der Anklage hervorgeht, wollte Ecclestone Einfluss auf die Auswahl des Käufers der Formel 1 nehmen und zahlte deshalb Millionen an Gribkowsky, damit er den britischen Investor CVC aussucht. So hatte es auch Gribkowsky in seinem Prozess vor Gericht erzählt und wurde deshalb im Sommer 2012 zu achteinhalb Jahren wegen Bestechlichkeit verurteilt. Ecclestone stellte die Zahlung als eine Art Schweigegeld dar: Er habe befürchtet, dass Gribkowsky ihn bei den britischen Steuerbehörden anzeige und ihn deshalb „friedlich, freundlich und ruhig“ habe halten wollen. „Die behauptete Bestechung gab es nicht“, erklärten Ecclestones Anwälte.

Muss Ecclestone immer persönlich zu dem Prozess kommen?

Ja, als Angeklagter in einem Strafprozess muss der 83-Jährige an allen Tagen persönlich vor Gericht erscheinen. „Die Hauptverhandlung hat stets in Anwesenheit des Angeklagten stattzufinden“, sagt eine Gerichtssprecherin. Notfalls könne das Erscheinen per Haftbefehl erzwungen werden. Das hätte aber zur Folge, dass Ecclestone nicht mehr aus seinem Heimatland England ausreisen und somit zu keinem Rennen im Ausland mehr fliegen könnte. Deshalb rechnet niemand damit, dass er unentschuldigt fehlen wird. Eine Entschuldigung kann eine Krankheit sein, die von einem Amtsarzt attestiert wird. Nach Einschätzung der Münchner Richter wird sich Ecclestone dem Verfahren aber stellen und zum Prozess kommen. Auch er selbst hatte signalisiert, dass er Interesse daran hat, die Vorwürfe klarzustellen.

Muss Ecclestone am Ende ins Gefängnis, so wie Uli Hoeneß?

Das gilt als unwahrscheinlich. In Justizkreisen wird nicht mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung für den 83-Jährigen gerechnet. Falls Ecclestone verurteilt wird, hängt das Strafmaß aber auch von seinem Verhalten vor Gericht ab. Ein Geständnis wirkt sich normalerweise strafmildernd aus, weil es einen langen und aufwendigen Prozess erspart. Bei Gribkowsky kam das Geständnis nach acht Monaten Verhandlungsdauer mit unzähligen Zeugen allerdings so spät, dass es die Höhe der Haftstrafe nicht mehr stark beeinflusste. Die Richter stellen sich deshalb erst mal auf einen langen Prozess gegen Ecclestone ein: Bis Mitte September sind mehr als 20 Verhandlungstage eingeplant. (dpa)