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Der Bratwurstkönig

Rene Chrobok will in Oberau die Gaststätte im Waldbad wieder öffnen. Doch er hat noch viel mehr vor.

Von Jürgen Müller

Endlich was Festes. Rene Chrobok ist gerade dabei, sich einen langjährigen Wunsch zu erfüllen. Seit zwölf Jahren zieht er mit drei Imbisswagen durch die Lande. Steht am Toom-Baumarkt in Meißen, am Dehner in Brockwitz, auf dem Wochenmarkt in Coswig. Der Bratwurstkönig wird er genannt, weil Thüringer Roster seine Spezialität sind. „Eine eigene Gaststätte zu haben, das wollte ich schon immer“, sagt der 38-Jährige. Jetzt hat er eine. Die im Waldbad in Oberau. Der vorherige Pächter hatte aufgehört, im vergangenen Jahr stand die Gaststätte leer. Nun hat die Gemeinde Niederau einen neuen Betreiber gefunden.

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Drei Bewerber gab es. Ein älteres Ehepaar sagte ab, ihm war die Pacht zu hoch. Ein Meißner hingegen wollte in der Gaststätte zahlreiche Veranstaltungen machen. Das hätte nicht nur die Badegäste, sondern vor allem die Dauercamper genervt. Ein, zwei Mal im Jahr ist ja in Ordnung, aber jede Woche Remmidemmi, das ist den Leuten nicht zuzumuten, befand auch Bürgermeister Steffen Sang (parteilos). So blieb der gebürtige Niederauer Steffen Chrobok übrig. Der möchte am liebsten gleich loslegen, doch das geht nicht. Erstmal hat er zwischen Gastraum und Küche eine Trennwand eingebaut. Die Küche wird derzeit installiert, die Gaststube gestrichen und eingerichtet. Spätestens zur Saisoneröffnung im Mai soll auch die Gaststätte aufmachen. „Am liebsten aber wäre mir schon zu Ostern“, sagt Chrobok.

Seine Firma, den Grill- und Imbissbetrieb, hat er sozusagen aus Mitleid gegründet. Zuvor arbeitete er im Imbissbetrieb seiner Mutter. „Als die aufhörte, tat es mir leid, die Imbisswagen zu verkaufen“, sagt er. Also legte er selbst los. Zwei Angestellte hat er, die mit ihm die nunmehr drei Imbisswagen betreiben. Das ist aber eher ein Saisongeschäft. Im Winter bei hohen Minusgraden lohnt sich das nicht.

Kamin und Miniladen

Mit der Gaststätte soll nun alles anders werden. Ob die auch über den Winter öffnet, ist zwar noch nicht entschieden, doch entsprechende Pläne hat der Niederauer. So möchte er zum Beispiel in die Gaststube einen Kamin einbauen, der nicht nur bei Familienfeiern für gemütliche Atmosphäre sorgen soll. Auch eine Bar ist geplant. 40 Leute werden in der Gaststätte Platz haben, etwa 20 weitere auf der Terrasse.

Mit Bratwurst und Pommes allein können natürlich weder Badegäste noch Camper und erst recht nicht Leute, die Familienfeiern in der Gaststätte ausrichten wollen, zufriedengestellt werden. „Wer Gourmet-Gastronomie, einen gehobenen Restaurant-Standard erwartet, wird enttäuscht, aber es wird deutlich mehr geben als nur ein Imbissangebot“, sagt der gelernte Betonwerker und zählt auf: Pfannen- und Nudelgerichte wird es geben, ebenso wie Chili con Carne, aber auch Kesselgulasch und Bratkartoffeln, deftige deutsche Hausmannskost eben. Auch Eis will er anbieten, ebenso Kaffee und Kuchen. Und er plant noch mehr.

Im Backshop soll es ab 8 Uhr schon frische Brötchen für die Camper geben. Auch an die Einrichtung eines Mini-Ladens denkt der Gastwirt. Hier sollen Badegäste vor allem Dinge kaufen können, die sie vergessen haben, mal einen Wasserball, eine Badehose, Spielzeug.

Die Gaststätte wird sieben Tage die Woche von 10 bis 19 Uhr geöffnet haben, aber gerade das ist auch das Problem von Rene Chrobok. „Ich brauche mindestens noch zwei Leute, einen dritten für den Laden. Aber es ist schwer, Personal zu finden, das am Wochenende und abends arbeitet“, sagt er. Auf die Arbeitsagentur setzt er da nicht, da hat er so seine Erfahrungen gemacht. Chrobok will sich seine Leute lieber selbst aussuchen.

Ob die Waldbad-Gaststätte ein Erfolg wird, der Niederauer hofft es, weiß er natürlich nicht. Optimistisch ist er jedenfalls. Er hat mit der Gemeinde einen Drei-Jahres-Pachtvertrag abgeschlossen mit einer Verlängerungsoption. Viel Hoffnung macht er sich wegen des Gäste-Tickets, dass der Gemeinderat beschlossen hat. Für einen Euro können Gäste, die nicht baden, sondern nur in die Gaststätte gehen wollen, jetzt das Waldbad betreten. „Dieser eine Euro wird bei der Bestellung mit verrechnet“, verspricht Rene Chrobok.

Er mutet sich ein bisschen viel auf einmal zu, will kochen, kellnern, muss sich aber auch um den Einkauf kümmern, damit es Campern, Badegästen und Urlaubern gut geht. Wann macht er eigentlich selbst Urlaub. Chrobok lächelt müde: „Den letzten hab´ ich vor zehn Jahren gemacht. “