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Meißen

Der brave Rebell

Der Superstar der wilden 50er, Peter Kraus, kommt mit seiner Jubiläumsshow auch ins Elbland – mit 80 Jahren und mit viel Rock ’n’ Roll.

Entertainer Peter Kraus ist bald in Dresden zu erleben. Der in München geborene Österreicher bereitet sich derzeit auf seine nächste große Tour vor.
Entertainer Peter Kraus ist bald in Dresden zu erleben. Der in München geborene Österreicher bereitet sich derzeit auf seine nächste große Tour vor. © Foto: AP/PR, Privatarchiv/SZ-Repro

Als Peter Kraus seine erste Platte rausbrachte, war Mick Jagger gerade mal 13, Paul McCartney 14 Jahre alt. Das war 1956 mit der deutschsprachigen Version von Little Richards „Tutti Frutti“. Im März feierte der brave Rebell von einst seinen 80. Geburtstag. 

Die SZ sprach mit dem „deutschen Elvis“ über seine wilde Zeit, warum er den King of Rock ’n’ Roll nicht persönlich kennenlernen durfte und über seine große Jubiläumstour „Schön war die Zeit“.

Herr Kraus, mit 80 starten Sie noch einmal durch, gehen im Oktober auf Tour. Und das, obwohl Sie nach Ihrer im Jahr 2014 deklarierten Abschiedstournee kürzer treten wollten. Offensichtlich können Sie nicht ohne die Bühne.

Man lässt mich nicht aufhören. (lacht) Und meine Fitness auch nicht. Aber ganz im Ernst: Mit dieser außergewöhnlichen Tour erfülle ich mir selbst einen großen Herzenswunsch.

Und der lautet?

Die musikalische Zeit der 50er- und 60er- Jahre wieder aufleben lassen – wenn auch nur für zwei bis drei Stunden. Eine Show präsentieren, kreiert als Hommage an jene aufregende, schöne, wilde Zeit und ihre unvergesslichen Helden. Denn ich habe mich entschlossen, ein Programm zusammenzustellen, das nicht nur meine eigenen Hits, sondern auch meine Lieblingssongs aus den wilden 50er-Jahren beinhaltet. So unter anderem von Rocco Granata, Bill Ramsey, Vico Torriani, Peter Alexander ..., natürlich auch von Elvis, das ist klar. 

Ich werde viele Lieder singen, die auf den B-Seiten der Platten waren. Alles ebenfalls wunderbare Songs, die aber seltener oder gar nicht gespielt wurden, weil die A-Seite einfach der Hit war. Ich verspreche, dass es recht unterhaltsam wird, denn ich erzähle, wie ich für mich den Rock ’n’ Roll entdeckt habe, wie er geliebt, aber auch gehasst und verschmäht wurde. Ich denke, mit 80 Jahren ist jetzt ein guter Moment dafür, einmal nostalgisch zu werden, sich vor dieser Zeit und seinen Musikern zu verbeugen.

Wer begleitet Sie auf der Tour?

Meine alte Band wird dabei sein sowie einige Sängerinnen. Wir versuchen, die Atmosphäre, wie sie in den 50ern/60ern war, auf die Bühne zubringen. Alles recht sparsam: keine Lichteffekte, kein Lärm, keine Bläser, erst recht keine Synthesizer. Wir präsentieren live gefühlvolle, natürliche Töne. Da erklingen Mandolinen, Hammondorgel und Mundharmonika. Denn im Verhältnis zu heute war die Musik der 50er nicht so laut.

Was genau war so schön, so wild?

Das Wilde war schön. Es war die Euphorie, die Zeit des Aufbruchs und der unbändigen Lebensfreude im Deutschland der Nachkriegszeit. Rock ’n’ Roll als neues Lebensgefühl eroberte Europa. Es war ein Novum, dass die Jugend ihre eigene Musik hatte und die Eltern dagegen waren. Es war eine Art Revolution. Da taucht plötzlich eine Musikrichtung auf, die geliebt und gehasst wurde. 

Mein Produzent erwarb damals die Rechte an hitverdächtigen US-Songs, um sie, mit einem deutschen Text versehen, mit mir zu produzieren. Lieder beispielsweise von Fats Domino, Little Richard oder Chuck Berry, meinem Lieblingssänger, spielte man dort nicht, es war Musik, gesungen von Schwarzen. Da hatten es Sänger wie Elvis Presley, Bill Haley oder Pat Boon wesentlich leichter.

Sie wurden damals als der deutsche Elvis bezeichnet. War das Fluch oder Segen?

Am Anfang war ich schon sehr stolz darauf. Ich war ja schließlich der Erste, der den Rock ’n’ Roll nach Deutschland importiert hat. Ich kam aus Österreich und da war dieser Beiname schon gut und hilfreich bei Konzert- oder Radioankündigungen. Die Leute wussten sofort, welche Musik sie erwarten konnten. Später habe ich viel ausprobiert und es gelang mir zunehmend, meinen eigenen Stil zu finden ...

... und den eigenen Hüftschwung?

Genau. Das Publikum will den Hüftschwung sehen, egal in welchem Alter. Und ich habe ihn noch immer drauf.

Haben Sie Elvis persönlich kennengelernt?

Leider nein. Denn als Elvis später nach Deutschland kam, hatte es die Plattenfirma abgelehnt, dass wir ein gemeinsames Foto machen. Das Original und die Coverversion – das ging gar nicht. Ich sollte hier in Deutschland der Mann im Vordergrund sein und nicht Presley. Es ist schade und traurig zugleich. Zu diesem Zeitpunkt konnte ja keiner wissen, dass er so zeitig stirbt.

Wie sieht Ihr Bühnen-Outfit aus? Anzug oder Jeans?

Mit Sicherheit trete ich in Lederjacke und Jeans auf, halt 50er-Jahre-Look. Aber ich habe auch Anzüge.

Sind Sie eitel?

Mein Beruf verpflichtet mich zu einer gewissen Eitelkeit. Ich würde auch heute noch sofort etwas tun, wenn ich einen Bauchansatz bekäme.

Haben Sie ein Geheimrezept, wie Sie sich so schlank und konditionell fit halten?

Ja, man muss schon dafür etwas tun, die Gene allein sind es nicht: eiserne Disziplin, gesundes Essen, Sport, ausreichend Schlaf ... und meine Frau. Aber keine Bange, es gibt Momente, da spüre auch ich das Alter. Früher bin ich oft nach meinen Musikern ins Bett, mittlerweile verschwinde ich längst vor ihnen. Rock ’n’ Roll nach der Show, das war einmal.

Es heißt, als Teenager-Idol waren Sie ein bisschen frech, aber immer anständig, keine Eskapaden. Stimmt das?

Sagen wir es so: Ich war seit meiner frühesten Jugend ein Intensiv-Kavalier. Was mir natürlich als Frauenschwarm sehr leicht fiel. Ich habe ja nichts weiter gemacht, sondern bin als Musikstar und Schauspieler umworben worden, habe deren Wünsche erfüllt. Bis ich mich verliebt, die richtige Partnerin gefunden und geheiratet habe. 

Da war ich dann konsequent, sagte mir: Jetzt beginnt ein anderes Leben. Und daran habe ich mich auch gehalten. Ich glaube, der Wille dafür war und ist das Ausschlaggebende. Inzwischen ist es so wunderschön, mit Ehefrau Ingrid einen Menschen an seiner Seite zu wissen, der dich durch und durch kennt. Wir verschönern uns das Leben gegenseitig, feiern am 1. Oktober unseren 50. Hochzeitstag.

Sie haben einmal gesagt: Mein Leben ist wie eine Kugel, sie rollt und rollt. Bedeutet das auch nach der Tour 2019 kein Abschied von der Bühne?

Doch, doch. Ich werde noch einmal ein Hitfeuerwerk abfackeln und danach ist definitiv Schluss. Dann genieße ich das, was ich mir erarbeitet habe: das Haus am Luganer See in der Schweiz, den Bauernhof samt Weingut in Gamlitz in der Steiermark sowie den Oldtimer-Fuhrpark. Und dies alles gemeinsam mit Ehefrau Ingrid und Sohn Michael.

Apropos Oldtimer. Wie viele und welche Prachtstücke haben Sie?

Viele, und davon rollt zumindest immer einer. Ich bin ja ein großer Fan von klassischen Rennfahrzeugen und betätige mich gelegentlich noch als Hobbyrennfahrer.

Diesel oder Super?

Diesel. Ich wohne ja in der Schweiz, und da haben wir Gott sei dank dieses Diesel-Dilemma nicht. Die modernen Autos sind inzwischen so perfekt geworden. Doch alles, was dazu an Novität kommt, brauche ich nicht, diesen ganzen elektronischen Schnickschnack. Da bleibe ich lieber bei meinem BMW X5. Fahre ihn, so lange er durchhält. Immerhin hat er schon 200.000 Kilometer runter.

Sie erwähnten Ihr Weingut. Sind Sie jetzt auch noch Winzer?

Nein, nein. Ich trinke zwar gern einen guten Wein, aber ein Spezialist auf diesem Gebiet bin ich nicht. Ich habe den Wein nicht eigenhändig angebaut, sondern probiere als Unternehmer etwas Neues aus. Es war ja eigentlich so, dass ich vor fünf Jahren gesagt habe: Jetzt mache ich keine Tourneen mehr, brauche aber eine neue Aufgabe. Und das ist so eine neue Herausforderung.

Damals sagten Sie auch, dass Sie sich wieder mehr Zeit fürs Malen nehmen möchten. Was ist daraus geworden?

Oh ja, doch leider habe ich das nicht gemacht beziehungsweise bin ich nicht dazu gekommen. Allerdings habe ich die Ruhe in der Weihnachtszeit genutzt und mit dem Malen wieder angefangen. Geplant ist sogar eine Ausstellung im Oktober – in Hamburg. Bei Galerist Christoph Walentowski. Dort, wo auch Udo Lindenberg und andere Künstlerkollegen ihre Werke präsentieren.

Peter Kraus – Die große Jubiläumstour live 2019: 30. Oktober in Leipzig (Gewandhaus), 31. Oktober in Dresden (Kulturpalast) und 7. November in Chemnitz (Stadthalle).

Karten gibt es u. a. in allen SZ-Treffpunkten.

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