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Der bunte Kiez im Hechtviertel

Die Rudolf-Leonhard-Straße wird immer belebter. Das zeigt sich auch in der größer werdenden Vielfalt verschiedener Restaurants.

© André Wirsig

Von Sarah Grundmann

Wenn Mutaz Abu Faza in der Küche die Mischung für seine Falafel anrührt, darf außer seiner Frau Maram niemand zusehen. „Das ist ein geheimes Familienrezept von meiner Schwiegermutter“, sagt der 43-Jährige. Die Bällchen aus Kichererbsen sind die Spezialität im „Memo“. Mitte März hat das kleine Restaurant in der Rudolf-Leonhard-Straße 16 eröffnet.

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Dort ist es nicht allein. Die Zahl der Läden und Restaurants wird immer größer. Sie wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Straße bunter wird. Abu Faza nennt sie den Kiez im Hechtviertel. Viel Platz gibt es in dem neongrün gestrichenen Bistro nicht. Gerade mal 35 Gäste können in und vor dem Lokal sitzen. „Ich nenne es Kleinrestaurant“, sagt der Existenzgründer lachend. Das Wort Bistro hört er nicht gerne. Denn damit verbindet er eine kleine Karte mit schnellen Gerichten. „Das gibt es bei uns aber nicht. Meine Frau bereitet alles frisch zu – da muss auch mal kurz gewartet werden“, erklärt der Gastronom.

Noch verrät weder die Einrichtung noch der Name des Restaurants, was dort gekocht wird. Wo es bis vor Kurzem Nudeln gab, können Gäste nun arabisch essen. Der Kauf war so spontan, dass Abu Faza die Ausstattung einfach übernommen hat. „Wir werden aber noch eine arabische Note einbringen“, erklärt er.

Auch zum Namen des Lokals gibt es eine Geschichte. „Wir wollten, dass er ganz individuell ist“, so der Gastronom. Alle arabischen Namen, die ihm gefielen, waren aber schon an andere Restaurants vergeben. Da kam dem Jordanier die Idee, seine Frau zu überraschen. „Memo ist ihr Spitzname“, erklärt der Existenzgründer. „Als meine Frau aus einem Urlaub in Jordanien zurückkam, war der Name schon angebracht. Das war für sie eine Riesenüberraschung.“

Den Standort hat der Restaurantbesitzer ganz bewusst ausgesucht. „Ich wollte unbedingt in die Neustadt – am liebsten ins Hechtviertel“, sagt er. Und das, obwohl der zweifache Vater mit seiner Familie in der Altstadt wohnt. „Mein Konzept passt einfach besser in dieses Multi-Kulti-Viertel.“ Viele der typisch arabischen Gerichte auf der Speisekarte sind vegetarisch oder vegan. „Das wird hier besser angenommen“, so der Gastronom.

Bäcker, Zooladen, Kneipen, Möbelläden, Geschenkeshops, Tätowierer, multi-kulturelle Restaurants und vieles mehr finden Dresdner dicht an dicht in der Rudolf-Leonhard-Straße. Und, es werden immer mehr. Seit Kurzem kommen dort auch Veganer und Indien-Liebhaber auf ihre Kosten. Denn unweit der Fritz-Reuter-Straße haben die Lokale „Falscher Hase“ und „Shanti“ aufgemacht.

Auch als Wohnort wird das Viertel immer beliebter. Lebten dort 2002 nur 3 025 Dresdner, waren es 2011 schon 4 285. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Hechtviertel eines der neun Sanierungsgebiete der Stadt Dresden ist. Seit 1991 hat sie etwa 20 Millionen Euro in die Erneuerung von Straßen, Spielplätzen, Kitas und Gebäuden gesteckt. Schon über die Hälfte der Bauwerke wurden saniert. Bis 2016 sollen noch einmal rund zwei Millionen Euro investiert werden, bevor die Sanierung abgeschlossen wird. Auch in der Rudolf-Leonhard-Straße hat sich viel getan.

Eines der Schlüsselprojekte war die Modernisierung der St.-Pauli-Ruine. Seit 2012 können dort Interessierte wieder Konzertklängen lauschen oder Theateraufführungen sehen. Davon profitieren auch die Händler und Gastronomen in der Rudolf-Leonhard-Straße. Deswegen wird die Straße als Standort immer beliebter. „In den sechs Jahren, die ich mein Geschäft habe, hat die Anzahl der Läden deutlich zugenommen“, sagt Kristin Schellbach. Sie besitzt dort einen Spielzeugladen. Und ihr fällt ein weiterer Grund für den Zuwachs ein. „Das Verhältnis der Händler ist sehr eng – wir sind wie eine Familie.“