merken
PLUS

Dippoldiswalde

Wo der Corona-Krisenstab eingreifen muss

Alle Kommunen müssen wegen der Corona-Krise eigene Stäbe aufbauen. Die haben gut zu tun, wie das Beispiel Dippoldiswalde zeigt.

Besorgt blickt die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). Als Chefin des städtischen Krisenstabs trägt sie eine große Verantwortung.
Besorgt blickt die Dippoldiswalder Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). Als Chefin des städtischen Krisenstabs trägt sie eine große Verantwortung. © Egbert Kamprath

Landrat Michael Geisler (CDU) hat die Städte, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge angewiesen, Krisenstäbe aufzubauen, offiziell werden sie Kommunalstäbe genannt. 22 haben die Arbeit aufgenommen, darunter auch einer in der Stadtverwaltung Dippoldiswalde. Hier steht Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) an der Spitze, eine Frau, die dafür einschlägige Erfahrung mitbringt. Hat sie doch vor ihrer Wahl in Dippoldiswalde bis Juni 2019 im Landratsamt die Abteilung für Gesundheits- und Verbraucherschutz geleitet.

Das Landratsamt hat die Betreuung der Quarantänefälle und der Menschen, die sich mit dem Coronavirus angestreckt haben, an die einzelnen Kommunen abgegeben. Diese müssen ihre Mitbürger, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen dürfen, täglich anrufen, ihren Gesundheitszustand abfragen und sich gegebenenfalls kümmern, falls diese Unterstützung benötigen beispielsweise beim Einkaufen. Der Dippoldiswalder Stab ist weiter verantwortlich für die öffentliche Ordnung. Und da hat er zu tun.

Wir helfen Händlern in Dresden
Wir helfen Händlern in Dresden

Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Dresdner Händler und Gewerbetreibende. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Dresdner an der Malter bestraft

Massen von Menschen, die an der Malter oder in der Dippser Heide unterwegs sind, beunruhigen die Verantwortlichen. Wenn sie hier Dresdner antreffen, greifen die Ordnungshüter ein. Ebenso, wenn jemand, der nicht in Dippoldiswalde wohnt und an seinem Wohnort eine Einkaufsmöglichkeit hat, mit Bus oder Auto in die große Kreisstadt zum Einkaufen fährt. Man darf sich ja in seinem näheren Umfeld im Freien bewegen. „Aber diese Beispiele fallen nicht mehr darunter“, teilt Linda Knetsch mit, die Büroleiterin der Oberbürgermeisterin. Die Stadt Dippoldiswalde sperrt deswegen die Besucherparkplätze an der Talsperre Malter und in der Heide. 

Dabei kommt es aber auch vor, dass manche handgreiflich oder beleidigend gegenüber den Mitarbeitern vom Ordnungsamt werden. „Dies wird definitiv geahndet.“ In Dippoldiswalde hat sich in den letzten Tagen das Blatt gewendet. Waren erst Jugendliche uneinsichtig gegenüber den Ausgangsbeschränkungen, halten die sich jetzt weitgehend an die Anordnungen. „Wir beobachten jetzt viele ältere Bürger, die sich in Gruppen finden“, schreibt Knetsch. Sie appelliert an alle, solche Treffen zu unterlassen. Es geht ja gerade darum, dass ältere Menschen vor dem Virus geschützt werden. 

Solche Informationen werden auf den Lagebesprechungen des Stabs ausgewertet. Derzeit finden täglich um 8 Uhr, 12 Uhr und 16 Uhr solche Abstimmungen statt. In Bereitschaft sind die Mitglieder von 8 bis 22 Uhr. Allerdings halten sich die Stabsangehörigen nicht durchgehend im Rathaus auf, sondern gehen ab 18 Uhr nach Hause, wo sie im Homeoffice erreichbar bleiben. „Wir sind aber auch darauf eingestellt, auf Dreischichtbetrieb zu erweitern, wenn sich das als notwendig erweisen sollte“, sagt Körner. So gucken die Stabsmitglieder immer auf die neuesten Ansagen aus Berlin, Dresden und Pirna. Sie halten sich aber auch über die Situation vor Ort auf dem Laufenden. Beispielsweise informieren sie sich laufend darüber, wie die Feuerwehren im Gemeindegebiet einsatzbereit sind.

Falls die Chefin ausfällt

Oberbürgermeisterin Körner hat auch Vorsorge getroffen für den Fall, dass es ihr erginge wie der Bundeskanzlerin und sie selbst zu Hause bleiben müsste. Normalerweise müsste dann der Beigeordnete einspringen, doch der ist derzeit im Krankenstand, was aber nichts mit Corona zu tun hat. Dann wäre die stellvertretende Bürgermeisterin Kathrin Fröhlich (Freie Wähler) gefragt. Sie ist jetzt bereits regelmäßig bei der Stabsarbeit dabei und hält sich auf dem Laufenden. Sie könnte also die Verantwortung nahtlos übernehmen, wenn die Chefin ausfiele.

Der Stab in Dippoldiswalde hat schon Anfang März mit der Arbeit begonnen, als es noch keine Anweisung von oben gab. „Als ich erfahren habe, dass wir in Dippoldiswalde einen Corona-Fall haben, bin ich aktiv geworden“, sagt Körner. Seit 16. März ist er voll einsatzfähig. Im Stab sind Mitarbeiter der Stadtverwaltung vertreten, sowie Michael Ebert, der Stadtwehrleiter. Jeden Donnerstag findet eine große Abstimmungsrunde statt mit Vertretern des Krankenhauses, von Pflegeheimen, dem Deutschen Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk, der Feuerwehr und Ärzten. Sie tragen die Informationen aus ihren Bereichen zusammen.

Bauhofleiter Thomas Quinger (v.l.), Feuerwehrchef Michael Ebert, Oberbürgermeisterin Kerstin Körner, Büroleiterin Linda Knetsch und Ordnungsamtsleiterin Judy Zornsch bei einer Stabsberatung im Dippser Rathaus. 
Bauhofleiter Thomas Quinger (v.l.), Feuerwehrchef Michael Ebert, Oberbürgermeisterin Kerstin Körner, Büroleiterin Linda Knetsch und Ordnungsamtsleiterin Judy Zornsch bei einer Stabsberatung im Dippser Rathaus.  © Stadtverwaltung Dippoldiswalde

„Die Herausforderung besteht darin, aus der Flut von Informationen die zu erfassen, die aktuell gelten und für unsere Einwohner wichtig sind“, teilt Linda Knetsch weiter mit. Verwirrung gab es beispielsweise darum, welche Geschäfte schließen müssen. Da kamen von Wirtschaftsverbänden und der Staatsregierung unterschiedliche Informationen. Wenn das Ordnungsamt oder die Polizei hier eingreifen sollen, brauchen sie aber Klarheit.

Viele Hinweise auf Verstöße gegen die Einschränkungen kommen auch von den Bürgern. Wer Derartiges zu berichten weiß oder Fragen hat, kann sich an das Bürgerbüro im Dippser Rathaus wenden. Dessen Öffnungszeiten werden erweitert. Von kommenden Montag an wird in Dippoldiswalde das Bürgerbüro von Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr erreichbar sein, am Freitag ist es von 8 bis 12 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr besetzt. Telefonisch ist es unter 03504 64990 zu erreichen. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde