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Der Dreschflegel ist kein ungezogener Junge

„Das kann man doch nicht alles wegwerfen, das muss man der Nachwelt erhalten“, hat sich Manfred Lotze vor etwa 35 Jahren gesagt und begonnen, landwirtschaftliche Geräte und Maschinen zu sammeln. Wirtschafts- und Haushaltsgegenstände inbegriffen.

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Von Jan Bernhardt

„Das kann man doch nicht alles wegwerfen, das muss man der Nachwelt erhalten“, hat sich Manfred Lotze vor etwa 35 Jahren gesagt und begonnen, landwirtschaftliche Geräte und Maschinen zu sammeln. Wirtschafts- und Haushaltsgegenstände inbegriffen. Den nötigen Platz für seine Sammlung fand er zunächst in der nicht mehr genutzten Scheune des Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Dreiseitenhofes in Liebenau. Der Bauernhof ist Familienbesitz und Landwirt Lotze von der Pike auf mit der Landwirtschaft vertraut. Der heute 69-jährige kennt die einzelbäuerliche Wirtschaft ebenso wie die Arbeit in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG).

„Bauernmuseum“ ist am Scheunengiebel weithin sichtbar zu lesen. Nach der Wende vergrößerte Lotze die Ausstellungsfläche um eine weitere Halle. Auch im Freigelände sind landwirtschaftliche Geräte zu bestaunen. Und da zu einem Bauernhof auch Tiere gehören, gibt es auch die. Hühner, Schafe und Kaninchen erobern schnell das Interesse der jüngeren Besucher. 2000 bis 3000 Gäste finden jährlich zwischen Mai und Oktober den Weg in das Museum. „Einen Großteil der Besucher machen Schulklassen aus“, verrät Manfred Lotze. Projektunterricht bekommt im Museum lebendige Züge. „Der Dreschflegel, wie Kinder sich vielleicht zunächst vorstellen, ist alles andere als ein sich ständig raufender, ungezogener Junge“, so Lotze. Wie ging es früher auf einem Bauernhof zu? Wie sahen die Vorgänger heute nicht mehr wegzudenkender landwirtschaftlicher Maschinen aus. Wie wurde aus Milch Butter oder Käse hergestellt? - Das sind nur einige von vielen Fragen, die Lotze anschaulich beantworten kann. Leinenverarbeitung wird ebenso dokumentiert wie die Kaffeeersatz-Herstellung aus Getreide. Der gewaltige „Fuhrpark“ reicht von Traktoren bis zum Fortschritt-Mähdrescher und schließt auch gleich noch alte Feuerwehrtechnik und motorisierte Zweiräder mit ein. Auch Kutschen unterschiedlichster Verwendungszwecke kann Manfred Lotze präsentieren. „Vieles ist in dem Zustand, wie es gebraucht wurde oder wie ich es fand - also authentisch und nicht blank geputzt, neu lackiert“, so Lotze. Eigentlich platzt das Museum fast aus den Nähten doch Manfred Lotze hängt an jedem Stück Geschichte. „Von der Halde, aus alten Höfen und aus Leihgaben rekrutiert sich die Sammlung“, sagt er. Kaufen könne und wolle er nichts. So manches Dorffest, so mancher Festumzug konnte mit Exponaten des Museums Akzente setzen. Bauernregeln, Lehrmaterial der früheren bäuerlichen Ausbildung und auch Wissenswertes aus der Geschichte des zur Gemeinde Geising gehörigen Ortes fehlen nicht. „Viele Interessengebiete können bedient werden“, beschreibt Landwirt Lotze das Museum.

Jetzt neugierig Gewordene müssen sich allerdings sputen oder bis zum 1. Mai 2004 gedulden. In den Wintermonaten ist das Liebenauer Bauernmuseum geschlossen.

Bauernmuseum Liebenau, Hauptstr. 4, 01778 Geising OT Liebenau, Tel.: 035054 / 2 56 19; Geöffnet: Mai bis Oktober freitags bis sonntags 10 bis 17 Uhr (außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich; Eintritt: Erwachsene 2 Euro, Ermäßigt 1 Euro