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Der Dresdner Orgelkönig hat Geburtstag

Johann Gottlob Schneider wäre am Sonntag 150 Jahre geworden. Auch mit den Orgeln Silbermanns war er vertraut.

Von Uta Scheffel

Der Vater des Dresdner Orgelkönigs, Johann Gottlob wurde 1753 in Alt-Waltersdorf geboren und starb 1840 in Alt-Gersdorf. Er betrieb zunächst in Alt-Waltersdorf das Handwerk der Zwillichweberei, wie auch schon seine Vorfahren. Doch den jungen Mann zog es mit aller Macht zum Orgelspiel. Er nahm es auf sich, zwei Jahre lang zweimal in der Woche nach Zittau zu wandern, um das Orgelspiel gründlich zu lernen. 1774 legte er die Orgelprüfung ab und fünf Jahre später erfolgte die Anstellung als Unterschullehrer in Waltersdorf. 1782 heiratete er Anna Rosine Hänisch, eine der Töchter des Begründers der Bleichkolonie Hänischmühe.

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Ostern 1787 verließ die Familie Schneider Waltersdorf. Vater Schneider hatte eine Anstellung als Unterschullehrer und Organist in Alt-Gersdorf erhalten. Nachdem Friedrich 1787 noch in Alt-Waltersdorf geboren wurde, kam Bruder Johann Gottlob am 29. Oktober 1789 in Alt-Gersdorf zur Welt, der dritte, Johann Gottlieb Schneider, am 19. Juli 1797. Alle drei Söhne erhielten vom Vater eine strenge Ausbildung im musikalischen wie auch im wissenschaftlichen Bereich. So beherrschte Johann Gottlob schon in jungen Jahren neben dem Klavierspiel alle Orchesterinstrumente. Cello und Orgel wurden seine Lieblinge.

Im Jahr 1801 folgte er Bruder Friedrich in das Zittauer Gymnasium, wo er Kantor Schönfelder mit seinem besonderen Sopran begeisterte, bei Organist Unger vervollständigte er sein Orgelkönnen. 1811 verließ Johann das Zittauer Gymnasium, um an der Leipziger Universität Jura zu studieren. Bruder Friedrich und dessen Leipziger Freunde rieten ihm ab, sodass Johann zunächst als Gesangslehrer an der Ratsfreischule, dann als Organist der Universitätskirche arbeitete. 1812 verließ er schon wieder Leipzig, in Görlitz hatte er eine Anstellung als Organist an der Peter - und Paulkirche gefunden. In Görlitz begann er, sich intensiv mit der Orgelbautechnik zu befassen, wurde mit den Jahren ein weit über die Oberlausitz berühmter Orgelexperte.

So verpflichtete ihn der sächsische König zur Prüfung der Silbermannorgeln in den Dresdner Hofkirchen. Sein Vorspiel gefiel dem sächsischen Hof so, dass der König dem evangelischen Organisten, die frei gewordene Organistenstelle an der katholischen Hofkirche anbieten ließ. Doch Johann kehrte nach Görlitz zurück, hatte er doch hier inzwischen das Bürgerrecht erhalten und war Mitglied einer Freimaurerloge. Schon Bruder Friedrich hatte eine ähnliche Interessenlage, dass er sich auf der einen Seite intensiv mit kirchlicher Musik befasste, anderseits die Ideen der Freimaurer auf sich wirken ließ.

Johann gründete mit Kantor Blüher eine Singakademie. Gemeinsam führten sie bis 1825 alle bedeutenden Chorwerke auf, darunter 1821 das Oratorium „Das Weltgericht“ – komponiert von Bruder Friedrich.

1825, nach dem Tod des evangelischen Hoforganisten Kirsten, berief der sächsische König Johann Schneider nach Dresden und jetzt war dieser auch bereit, Görlitz zu verlassen. Die Görlitzer Musikfreunde bedauerten diesen Wechsel sehr. Reich beschenkt verließ Johann die Stadt.

Orgelkonzerte gab er nun in der evangelischen Hofkirche und der Kreuzkirche. Es war wohl seine Art und Weise, die Orgel zu spielen, die ihm den Ruf als „Orgelkönig“ einbrachte. So interpretierte er die schwer zu spielenden Orgelfugen Bachs oder Händels „Messias“ neu und erntete damit nicht nur Beifall der Musikfreunde, sondern auch die Anerkennung von Musikerkollegen, wie Robert Schumann oder Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Ab 1830 leitete er die Dreyßig’sche Singakademie; mit der viele der großen Choraufführungen realisiert wurden. Auch den Kapellknaben der katholischen Hofkirche verhalf Johann zu neuem Ansehen. 1833 ging Johann Schneider mit dem Kölner Männergesangverein nach London, um dort in zwei Konzerten in der Exeter-Hall die Gesangspausen mit seinem Orgelspiel zu füllen. Dieser Auftritt brachte ihm europaweite Anerkennung und Schüler aus den verschiedensten Regionen, die bei ihm ihr Orgelspiel vervollkommnen wollten.

Als im Mai 1840 der Vater starb, verabredeten die drei Brüder, eine Ehrung des Hänisch-Großvaters in die Wege zu leiten. 30 Jahre zuvor war der Gründer der Bleichkolonie zwischen Jonsdorf und Bertsdorf, gestorben. Die Enkel beantragten beim sächsischen Innenministerium, der bisher namenlosen Bleichkolonie den Namen des Gründers zu verleihen. Unter mehreren Namensvorschlägen, entschied sich das Ministerium für „Hänischmühe“ und im September 1840 erfolgte die feierliche Namengebung, bei der auch alle drei Enkel anwesend waren.

Johann Gottlob Schneider starb am 13. April 1864, beerdigt wurde er auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof.

Quelle: CWB, Wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Altbestand