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Der einzige Ausländer in Bretnig

Ab morgen läuft im Kino ein besonderer Dokumentarfilm. Er handelt von Kambodscha – zeigt aber auch Szenen aus der Oberlausitz.

© privat

Madeleine Siegl-Mickisch

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Auf diesen Moment hat Marina Kem lange gewartet. Morgen kommt ihr Dokumentarfilm „Bonne niut Papa“ (Gute Nacht, Papa) in die Kinos. Zunächst in Berlin, später auch in Leipzig und Magdeburg wird er zu sehen sein. In Bautzen wird es im März eine Vorstellung im Steinhaus-Kino geben. Denn in dem Film gibt es auch Szenen aus der Oberlausitz – obwohl es darin zu großen Teilen um Kambodscha geht. Aber wo ist die Verbindung zwischen Südostasien und Ostsachsen?

Bewegende Lebensgeschichte

Es ist die Lebensgeschichte von Dr. Ottara Kem, Marina Kems Vater. Er kommt 1965 aus Kambodscha nach Dresden, um an der Technischen Universität Maschinenbau zu studieren. Eigentlich will er danach in sein Heimatland zurückkehren. Aber nachdem in den 1970er-Jahren die Roten Khmer an die Macht gekommen sind, ist dort nichts mehr so, wie es vor seinem Weggang war. Der Schreckensherrschaft der Roten Khmer fallen Millionen Menschen zum Opfer, auch fast alle Verwandten von Ottara Kem. Er bleibt in der DDR und arbeitet als Entwicklungsingenieur im Landmaschinen-Kombinat Fortschritt. Er heiratet und wird Vater von drei Töchtern. Die Familie lebt in Bretnig, wo Kem der einzige Ausländer im Ort ist.

Ein fernes unbekanntes Land

Er ist nach außen gut integriert, aber durch den Verlust seiner Heimat und seiner Wurzeln auch sehr einsam. „Mein Vater hat nie über seine Heimat gesprochen“, sagt Marina Kem. Kambodscha sei daher viele Jahre für sie ein fernes unbekanntes Land wie viele andere auch gewesen. Erst Ende der 1990er-Jahre – Marina ist inzwischen erwachsen und journalistisch tätig – beginnt sie sich für die Vergangenheit ihres Vaters zu interessieren. 34 Jahre, nachdem er Kambodscha verlassen hat, reist er mit ihr in sein Heimatland.

Doch es bleibt ihm fremd. Er kehrt zurück nach Dresden, wo er nach der Scheidung von seiner Frau lebt. Erst auf dem Sterbebett – er ist an Lungenkrebs erkrankt – bittet er seine Töchter darum, in Kambodscha begraben zu werden. Sie bringen die Urne in sein Heimatdorf, wo Ottara Kem nach buddhistischer Zeremonie in der Stupa, der Begräbnisstätte der Familie, seine letzte Ruhe findet.

Ein Herzensprojekt

14 Jahre lang hat Marina Kem Material für den Film gesammelt und um ihn schließlich produzieren zu können, zusammen mit zwei Partnern in Hamburg eine eigene Filmproduktionsfirma gegründet. Neben Kambodscha und Dresden spielt darin auch die Oberlausitz eine Rolle – und Marina Kems Mutter, die in Cossern bei Gaußig lebt und selbst erst vor wenigen Jahren das erste Mal in Kambodscha war. Auch viele Dokumente, vor allem Fotos, erinnern in dem Film an die Zeit, in der Ottara Kem in der Oberlausitz gelebt und gearbeitet hat.

Für Marina Kem ist es eine besondere Freude, dass die Jury der Deutschen Film- und Medienbewertung ihrem Herzensprojekt im vorigen Jahr das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen hat – und dass sie einen Filmverleih gefunden hat, der den Streifen nun in die Kinos bringt. Parallel dazu ist in Bautzen derzeit in der Filiale der Kreissparkasse am Kornmarkt eine Ausstellung mit Bildern und Textpassagen aus dem Film zu sehen.

www.bonnenuitpapa.de

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