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Der Eiscafé-Chef und seine Marianne

Michael Mütze eröffnete das neue Lokal in Pulsnitz. Rollstuhlfahrern macht er das Verweilen besonders leicht.

Von Reiner Hanke

Die Sonne steht gegen Mittag hoch über der Schlossklinik in Pulsnitz. Durch die Glasfront flutet sie auch in das neue Café, das Café „Marianne“ von Michael Mütze in Pulsnitz an der Wittgensteiner Straße. Das reicht dem Chef der Pension Klinikblick noch nicht. Er öffnet die Glastüren zur Terrasse und lässt den Frühling in den Gastraum. Der ist mit einem blühenden Apfelzweig geschmückt.

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Licht ist Michael Mütze in seinem neu eröffneten Café wichtig. Das strömt auch durch Lichtkuppeln in den Flachbau. Farbe ist die zweite Komponente in seinem Konzept: „Das Café liegt direkt neben der Klinik, und in der Pension haben wir auch oft Angehörige von Klinik-Patienten.“ Mit seinen Gästen komme er natürlich auch ins Gespräch. Viele Patienten habe ein Schlaganfall aus dem Leben gerissen. Die Angehörigen seien durch die Krankheit ihrer Ehepartner, ihrer Eltern, Kinder oder Verwandten psychisch sehr belastet. Eine solche Situation sei nicht leicht zu meistern: „Wer Probleme zu bewältigen hat, der braucht keine gedrückte Atmosphäre, sondern Licht und Farbe“, sagt Michael Mütze. Das Prinzip setzt er konsequent um. Auffällig bunt bemalte Säulen mit grünen, gelben und orangefarbenen Ringen – Farbtöne aus der Natur – lenken die Besucher von der Wittgensteiner Straße zum Caféhaus in kräftigem Orangeton. Seine Frau Anette habe solche Ideen, wie die mit den Säulen, er setzte sie um, sagt der Chef.

Im Gebäude werden die Farben aufgenommen, zum Beispiel von der Polsterbank – ebenfalls orangefarben. Dabei ist Michael Mütze kein gelernter Handwerker, sondern Autodidakt. 90 Prozent aller Arbeiten an dem Café habe er selbst erledigt. Sogar die marmorierten Platten der Caféhaus-Tische sind Marke Eigenbau, ebenso wie die Theke. Michael Mütze hat gefliest und Steine gesetzt. Dabei hat er auch viel vom vorhandenen Material wiederverwendet. Denn die Grundsubstanz war vorhanden. Um das zu erklären, ist ein kleiner Exkurs in die Geschichte nötig. Das Grundstück mit dem schmucken Gründerzeithaus an der Robert-Koch-Straße ist seit jeher im Familienbesitz, seit etwa 15 Jahren in dem der Mützes. So geht auch der Name „Marianne“ auf eine frühere Eigentümerin aus der Verwandtschaft zurück. Im Erdgeschoss war früher eine Drogerie. Im neuen Caféhaus hinter dem Hauptgebäude befanden sich das Waschhaus, die Werkstatt und das Lager der Drogerie. Hier wurden aus Fässern Drogerie-Produkte für den Verkauf abgefüllt. Der Granitboten aus dem Waschhaus ziert jetzt die Terrasse vor dem Café.

Natürlich kann auch ein geübter Autodidakt nicht alles selber erledigen. Dafür gibt es schließlich Handwerker in der näheren Umgebung, sagt der Bauherr. So stammen die Polster vom Fachmann gleich nebenan. Die schmiedeeisernen Gestelle für die Bänke kommen vom Schlosser. Die Falttüren und die Elektroanlage haben Fachbetriebe montiert. Aus der Region zwischen Pulsnitz, Dresden und Meißen stammen auch die Produkte vom Wein bis zum Eis. Das bezieht er aus der Eismanufaktur Keyl in Dresden. Ein zweiter wichtiger Punkt seines Konzeptes ist „die Barrierefreiheit“, sagt Michael Mütze. In die hat er in den vergangenen Wochen viel Arbeit investiert. Sanft steigt der Weg mit gesägtem Granitpflaster zum Café an. Hier hat der Eiscafé-Chef die Tische so angeordnet, dass fünf Rollstühle gleichzeitig bequem Platz haben. Nirgends sind hier Stufen zu finden – Gastraum, Terrasse und Toilette, alles barrierefrei. Das gilt auch für die Räume im Erdgeschoss der Pension mit ihren sechs Zimmern. Die gibt es seit 2007.

In den vergangenen 15 Jahren habe er das Gebäude schrittweise saniert: „Von oben nach unten und von vorn nach hinten.“ Dort sind in den letzten Monaten die Räume mit dem Eiscafé entstanden. Dass er nicht der einzige Eisanbieter in der Umgebung ist, das sei für ihn kein Problem: Konkurrenz belebe das Geschäft, so Michael Mütze: „Ich habe mir bestimmt hundert Cafés im In- und Ausland angesehen, Anregungen geholt, bis mein Konzept gereift war.“ Jetzt fehlen nur noch ein paar Schilder. Und die Terrasse wolle er noch überdachen. Damit die Gäste auch bei einem Schauer gut geschützt verweilen können.