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Der Eismann macht Winterpause

Seit 20 Jahren verkaufen die Cunewalder Günter und Heidi Kern im Ebersbacher Wohngebiet am Hofeweg selbst gemachtes Eis. Dort sind sie oft auch Seelentröster für manche Stammkunden. Die müssen sich jetzt erst einmal gedulden. Denn jetzt gehen die Eisverkäufer in die Winterpause.

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Von Steffi Schubert

Es ist ungemütlich draußen, vier Grad über Null – gerade sieben Grad wärmer als das Eis in den Waffeln. „Das ist doch nicht kalt“, meint Günter Kern verschmitzt. Der „Eismann“ aus dem Oberland hat seinen Kiosk am Hofeweg wie jedes Jahr noch immer geöffnet – es ist einer der letzten Tage vor der Winterpause. Trotz der niedrigen Temperaturen wollen die Leute sein selbst gemachtes Eis.Mindestens fünf Sorten hat er noch im Angebot. „Schade, dass du zumachst, dann sehen wir uns erst im Frühjahr wieder“, sagen die Kunden. Denn der „Eismann“, wie er vor allem von der jungen Kundschaft genannt wird, ist für viele Oberlausitzer, darunter Stammkunden bis aus Zittau, zu einem Anlaufpunkt nach Feierabend oder am Wochenende geworden. „Sonst ist doch hier nichts weiter los“, meint ein Häufchen älterer Damen, die am Tisch Kaffee trinken. Mittlerweile seit 20 Jahren verkauft Günter Kern (52) gemeinsam mit seiner Frau Heidi (51) Eis und allerlei andere Leckereien, jedes Jahr von Mitte Februar bis Mitte November, „von der ersten Sonne, bis es schneit“, wie sie sagen. Sieben Tage die Woche, egal ob Feiertag oder Wochenende.Ruhetage oder Urlaub kennen Kerns nicht. „Auch bei Krankheit liegen wir mitunter hier“, lacht der 52-Jährige. Die meisten kennt das „Eispaar“ mit Namen und Eis-Vorlieben, und viele auch mit Geburtstag und Lebensgeschichte. „Für viele sind wir auch Seelentröster“, so Heidi Kern. „Kinder zeigen uns ihre Zeugnisse, Erwachsene erzählen von Problemen. Sogar Arbeitsvermittler haben wir schon gespielt.“ Das belastet die Kerns nicht, im Gegenteil: „Wenn es nicht so wäre, würde uns was fehlen.“Sie freuen sich, wenn Leute, die vor zehn Jahren als Kinder bei ihnen Eis gegessen haben, jetzt ihre eigenen Kinder mitbringen. Oder wenn Ebersbacher, die schon lange woanders arbeiten, nach Jahren wissen wollen, wie es dem „Eismann“ geht.Da liegt aber auch ein Problem: „Es tut uns sehr weh, dass die Jugend zunehmend abwandert. Sonst war hier immer von um fünf bis halb sieben Jugendtreffpunkt, aber da ist nicht mehr viel.“ Umso mehr freuen sich die Kerns über die verschiedenen Urlaubskarten von Kunden, die ankommen, obwohl der Eiskiosk gar keine eigene Hausnummer hat. „An den Eismann“, steht dann drauf, und: „Hofeweg neben der Apotheke.“ Neben der menschlichen Seite zählt für die Kerns in erster Linie Qualität: „Wir machen 64 Sorten Eis selbst, darunter auch eigene Kreationen wie Apfelstrudel- oder Lebkucheneis, und 25 Geschmacksrichtungen Softeis. Und wir legen viel Wert darauf, dass die jährlichen Eisprüfungen durch die Hygiene immer in Ordnung sind.“ Ob ihr Eis gut ist, testen sie jeden Tag selbst – übergekriegt haben sie es in den ganzen Jahren noch nicht. „Im Gegenteil, es wird uns wieder fehlen in der Winterpause“, meint die „Eisfrau“. Urlaub wird es auch dieses Jahr nicht geben, dafür aber Besuche bei Oma und Tochter.Außerdem ist zu Hause in Cunewalde viel liegen geblieben über den ereignisreichen „Sommer 2003“. Doch schon jetzt sagen die beiden: „Wir freuen uns auf Februar, vor allem auf unsere treuen Kunden.“