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Der Erlpeter auf dem OP-Tisch

Die Brunnenfigur, die das beliebte Kaffeewasser spendiert, wird saniert. Der Steinmetz braucht mehr als Handwerk.

Von Alexander Müller

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Der Erlenpeter bin ich genannt, armen Leuten wohl bekannt. Wer nicht Geld hat in seiner Tasche, der trinkt mit mir aus meiner Flasche.“ Wenn der Erlpeter wirklich reden könnte, dann dürfte er seinen berühmten Spruch derzeit nicht vollenden. Denn die bekannte Pirnaer Brunnenfigur spendet kein Wasser mehr. Der kleine Junge liegt stattdessen – wie es sich für einen wirklich kranken Patienten gehört – darnieder und wartet auf die richtigen chirurgischen Ein- und Handgriffe.

Die nimmt aber kein Arzt vor, sondern einer, der auf seinem Gebiet mindestens ebenso viel Geschick und Können vorweisen kann: Gabriel Heimann. Der Steinmetzmeister aus Pirna hat sich den angegriffenen Knaben in seine Werkstatt am – wie passend – Steinplatz geholt. Der Jüngling erhält hier nun eine Frischekur. Die ist auch bitter nötig. Die Figur, die normalerweise an einem Gebäude am Kirchplatz steht, war marode und versagte immer wieder ihren Dienst. An Brunnen und Figur werden deshalb nun im Trockeneisverfahren sämtliche nichtmineralischen Verschmutzungen sowie organische Substanzen beseitigt. Steinmetz Gabriel Heimann bessert nach der Reinigung die bereits vorhandenen Ersatzstücke aus Sandstein im Arm und im Flaschenbereich des Erlpeters aus. Ebenso werden Fugen, Risse und abgeplatzte Schadstellen am Brunnenbecken wieder in Ordnung gebracht.

Einfach ist das nicht, und damit ist nicht nur das Gewicht der Figur gemeint. Die Flasche des Knaben hat der Steinmetz inzwischen neu gemacht. Ihr frisches Hellgelb hebt sich deutlich vom restlichen Körper des Erlpeters ab. Damit die neue Flasche auch wirklich passt, musste Gabriel Heimann sie detailgenau vom Original kopieren. Dafür hat der Meister ein Punktiergerät. Das Werkzeug wirkt mit seinem Gestänge und der langen Nadel für einen Laien recht abenteuerlich. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die neue Flasche des Jünglings passt, zumindest mechanisch. Damit sie auch optisch mit dem Rest der Figur harmoniert, hat der Steinmetz noch viel Arbeit vor sich. „Es gibt jede Menge Kalkablagerungen.“ Jeder kennt das von seiner Kaffeemaschine oder seinem Wasserkocher. Und ein Loch für die Wasserleitung braucht die steinerne Flasche natürlich auch noch. Die Sanierungsarbeiten beschränken sich aber nicht nur auf die Figur selbst. Während des „Kuraufenthaltes“ des Erlpeters will die Pirnaer Stadtverwaltung die Wasserzufuhr reparieren. Aufsteigende Nässe im Gemäuer lässt nämlich vermuten, dass auch Schäden an den Zuleitungen eingetreten sind. Diese sollen durch Fachleute beseitigt werden.

Allerdings drängt inzwischen langsam die Zeit. Ab dem Frühjahr soll wieder frisches klares Wasser aus dem Brunnen sprudeln. Nun ist ja Frühjahr ein relativ weitgefasster Zeitraum. Der Verband der Selbstständigen Pirna hat da schon konkretere Vorstellungen. „Wir wollen den Erlpeter zu Ostern bereits neu einweihen und schmücken“, erklärt dessen Vorsitzender Tilo Kalkreiber. Der Verband der Selbstständigen unterstützt das Projekt zusammen mit der Volksbank Pirna. 7 000 Euro stehen als Gesamtkosten bereits zu Buche, es wird aber nach weiteren Finanzen gesucht. So soll zum Beispiel auch der Sockel des Brunnens ebenso erstrahlen wie der Erlpeter selbst.

Darüber hinaus möchte der Verband der Selbstständigen auch gern eine neue Plakette anfertigen und installieren lassen, welche über die aktuelle Sanierung und deren Hintergründe informiert. Sie soll im Stil des neuen Designs aller Pirnaer Hinweistafeln an der Wand des Hauses angebracht werden, an der auch der Erlpeter steht. Außerdem sollen noch mehrere metallene Ösen an der Wand angebracht werden, damit der spendable Knabe auch wie gewohnt ordentlich geschmückt und österlich gekrönt werden kann. Das Haus, um das es geht, ist allerdings in Privatbesitz. Einfach so etwas anbringen darf man da also nicht, egal, wie gut das gemeint ist. Das Pirnaer Rathaus hat aber zugesagt, sich darum zu kümmern und gibt sich optimistisch. Stadtsprecher Thomas Gockel verspricht: „Das klären wir.“

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