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Der erste Akt an der Carolabrücke

Im Sommer wird das unterirdische Wehr fertig und die Umleitung beendet. Dann folgt die Brücken-Sanierung.

Blick in die Baugrube.
Blick in die Baugrube. © René Meinig

Schon ein Dreivierteljahr wird an der Carolabrücke gebaut. Auf dem Rathenauplatz arbeiten Bagger, müssen Autos auf Umleitungen die bunt gestalteten Bauzäune umfahren. Die Stadtentwässerung errichtet dort ein unterirdisches Wehr in einem sogenannten Trenn- und Steuerbauwerk, damit bei Starkregen kaum noch Abwasser ungereinigt in die Elbe überläuft. Die Bauleute müssen sich sputen. Denn die Carolabrücke soll saniert werden. Die Stadt will damit im Herbst beginnen.

Das Großprojekt: 15 Meter langes Wehr direkt unter dem Rathenauplatz

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Unter dem Rathenauplatz verläuft ein 2,8 Meter hoher Kanal, durch den das Abwasser aus einem großen Einzugsgebiet kommt, das von der Südvorstadt bis Mockritz reicht, erläutert Ralf Strothteicher, Geschäftsführer der Stadtentwässerung. Im Normalfall fließt es durch ein kleineres Rohr zum großen Altstädter Abfangkanal am Terrassenufer und darin weiter Richtung Klärwerk. Bei Starkregen floss das überschüssige verdünnte Abwasser bisher über ein kleines seitliches Wehr durch einen Überlaufkanal zur Elbe. In den mündet auch der Kaitzbach durch einen alten unterirdischen Zufluss ein.

Weitgehend ausgehoben ist jetzt eine Baugrube, deren Wände mit neun Meter langen Beton-Bohrpfählen gesichert sind. Die wurden statt der ursprünglich geplanten stählernen Spundwände eingebaut, da dies ohne große Erschütterungen möglich ist. Schließlich stehen im Umfeld sensible Gebäude wie die Synagoge, erklärt Strothteicher das Vorgehen. Errichtet wird jetzt ein 15 Meter langes und bis zu 2,5 Meter hohes Wehr, das teils beweglich ist. „Durch dieses Trenn- und Steuerbauwerk können bei Starkregen 4 100 Kubikmeter Abwasser in dem großen Kanal gestaut werden“, sagt er. Somit wird das Kanalsystem vor einer Überlastung geschützt.


Das Ziel: Bei Starkregen fließt kaum noch Schmutzwasser in die Elbe über

Vor dem großen Wehr befindet sich noch ein neun Meter langes rundes Sieb. In dessen Trommel werden mit einer langen Stahlschnecke grobe Verunreinigungen wie Feuchttücher oder andere Hygieneartikel aus dem Abwasser geholt. Durch dieses neue, höhere Wehr läuft im Extremfall viel weniger verdünntes Abwasser in die Elbe über, das zudem durch das Sieb noch grob gereinigt wird. Im Mischwasser-System der Stadtentwässerung gibt es zahlreiche solche oder ähnliche Anlagen, die das Klärwerk bei Starkregen vor Überlastung und die Gewässer vor übermäßiger Verschmutzung schützen.

Der Zeitplan: Umleitung wird vor der Brückensperrung enden

Wegen des aufwendigen Einbaus der Bohrpfähle gibt es jetzt einen kleinen Bauverzug. Strothteicher zeigt sich aber optimistisch, dass der wieder ausgeglichen werden kann. Gearbeitet wird nun im Zweischicht-System. Außerdem werden Betonfertigteile eingebaut, damit der Bau zügiger vorangeht, beispielsweise bei der Unterkonstruktion der Decke über dem neuen Wehr.

Im Juli soll das Bauwerk fertig werden. Danach wird die Straße Richtung Pirnaischer Platz wieder in ihrem ursprünglichen Verlauf hergestellt. Offen sei aber noch, ob die Linksabbiegespur zur Pillnitzer Straße in Richtung Striesen dann wieder freigegeben werden kann. Das werde derzeit mit der Stadt abgestimmt.

Auf der Verkehrsinsel soll dann noch bis Januar 2020 ein Einstiegsbauwerk errichtet werden, durch das Monteure für Wartungsarbeiten zu dem Wehr kommen.

Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig © René Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Ralf Strothteicher-technischer Leiter der Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Ralf Strothteicher-technischer Leiter der Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig © René Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Heiko Nytsch (46) Projektleiter, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Heiko Nytsch (46) Projektleiter, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig © René Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig © René Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig
Kanalbau Rathenauplatz Stadtentwässerung, Baustelleneinrichtung Rathenauplatz, hinter Carolabrücke, Foto: Rene Meinig © René Meinig

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Das VIDEO, das aus der Grube kommt 

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Die Stadtentwässerung Dresden errichtet ein unterirdisches Wehr, um bei Starkregen die Elbe zu schonen.

Doch die nächste Sperrung wird nicht lange auf sich warten lassen. Als nächster Akt ist die Sanierung der 1971 fertiggestellten Carolabrücke geplant. Im September sollen die Arbeiten am elbaufwärts liegenden Brückenzug beginnen, der dann gesperrt wird. Dann steht auf der Brücke nur noch eine Fahrspur in jede Richtung zur Verfügung. Das Bauwerk soll bis Oktober 2020 saniert werden. Danach kommt der mittlere Brückenzug bis Ende 2021 an die Reihe.