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Der Eule verfallen

Die Vögel sind nach wie vor beliebt. Und immer mehr Görlitzer entdecken spezielle Arten für sich.

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Von Jenny Thümmler und Nikolai Schmidt (Fotos)

Schuuhuu. Eulen, überall Eulen. Große Augen an ovalem Körper. Als Kuscheltier, Fensterbild, Mütze, Türstopper, Deko. Auf Tüchern, T-Shirts, Tischdecken, Taschen. Aus Wolle, Filz, Styropor, Ton. Eulen sind im Trend. Weil sie etwas Geheimnisvolles haben. Sagen zumindest die Fans.

Immer mehr Görlitzer entdecken die Vögel für sich. Im Internet häufen sich Fotos selbst gebastelter Eulen. Kinder werden zur Eulenliebe verführt – zum Beispiel beim Ganztagsangebot des ASB in Rauschwalde. Mehrere Wochen lang wurden mit den Schülern dort Eulen zu Schlüsselanhängern, Kuscheltieren oder Kissen. „Das ist bei den Kindern sehr gut angekommen“, sagt Christina Kloppe. Die größeren haben fast allein gebastelt, bei den Erst- und Zweitklässlern wurde etwas mehr geholfen. Kreativität und Motorikschulung an der Eule – für alle. „Auch die Jungs haben mit viel Freude mitgemacht“, berichtet Christina Kloppe.

Kinder und Jugendliche sind wohl die größten Fans des Vogels. Sophie Hartmann zum Beispiel hat ihr Zimmer damit gepflastert. Bei der Elfjährigen stehen sie auf dem Fensterbrett, hängen an der Wand, liegen im Bett. Ihr Liebling ist eine Schnee-Eule als Kuscheltier. „Die sind einfach niedlich. Mir gefallen sie schon seit Langem.“ Schuld daran ist Mama. Romy Hartmann hat eines Tages T-Shirts mit Eulendruck gekauft. Zufällig. Und die Tochter war begeistert. So fing es an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Beim Tierparkbesuch gehört ein Stopp am Eulenkäfig fest dazu: Schnee-Eule „Hedwig“ besuchen. Inzwischen näht Sophie sogar selbst Eulen. Für Freundinnen oder ihren kleinen Bruder. „Das ist doch leicht.“ Nur zehn bis 15 Minuten braucht sie mittlerweile noch für so einen kleinen Vogel. Aber auch junge Frauen sind der Eule verfallen. Die 33-jährige Franziska Weinhold näht seit zwei, drei Jahren Eulen aus Filz, die je nach Größe zu Kissen oder Schlüsselanhängern werden. Wie viele es insgesamt geworden sind, kann sie gar nicht mehr sagen. „Mein Sohn findet die gut, weil sie einfach niedlich sind“, sagt sie.

Geschichten, die Karin Bock nahezu täglich hört. In „Karins Kinderstübchen“ verkauft sie Wolle, Stoffe und Garn – häufig auch für Eulen. „Ich freue mich, dass junge Frauen wieder mehr selbst für ihre Kinder nähen. Und Eulen sind dabei nach wie vor beliebt“, sagt sie und zeigt gleich mehrere Stoffe mit Eulendruck. Sie selbst hat jahrelang Eulen gesammelt und zu Hause ein ganzes Regal voll. Kein Wunder, dass auch fertige Vögel bei ihr zu haben sind. Schon für ein paar Euro kann man zum Eulenbesitzer werden. Und für die, die es selbst versuchen wollen, kramt Karin Bock ein Buch mit Tipps heraus. „Eulen sind ja relativ einfach. Ovale Form, zwei große Augen dran, fertig“, sagt sie fröhlich. Deutlich schwieriger haben es sich die Frauen in den Kreativzirkeln des Demokratischen Frauenbunds neulich gemacht. In Styropor-Eier haben sie Perlen zu Ketten gesteckt, bis die typische Federzeichnung der Vogelart erkennbar war. „Damit hätten wir uns fast übernommen“, sagt Elke Walli. „Jede Perle musste einzeln angesteckt werden.“ Jetzt sind die Ergebnisse Dekoration im Regal oder in der Blumenvase. Jutta Adam hat Kuscheleulen genäht, die bei Kindern super ankommen. Karin Haber hat gleich fünf Eulen nacheinander gebastelt. Und Erstaunliches an sich beobachtet. „Jetzt reicht’s langsam. Ich mag keine Eulen mehr sehen.“

Geht der Schuuhuu-Trend zu Ende? Auch Karin Bock beobachtet in ihrem Kinderstübchen eine wachsende Beliebtheit von Stoffen mit Waldtieren. Und eine Näherin von Kinderkleidung sagt gar: „Ich sag’s euch: Füchse sind die neuen Eulen.“