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Dippoldiswalde

Der europaweit gesuchte Schornsteinfeger

Die Landesdirektion hat großen Aufwand betrieben, um einen Schornsteinfeger für den Kehrbezirk Lauenstein zu finden. Nun ist sie im Landkreis fündig geworden.

Falco Gretschel sitzt auf einem alten Essi-Moped vor dem Uhrenmuseum in Glashütte. Er ist von jetzt an für den Kehrbezirk Lauenstein zuständig.
Falco Gretschel sitzt auf einem alten Essi-Moped vor dem Uhrenmuseum in Glashütte. Er ist von jetzt an für den Kehrbezirk Lauenstein zuständig. © Egbert Kamprath

Das wäre auch mit weniger Aufwand gegangen. Europaweit hat die Landesdirektion Sachsen nach einem neuen Schornsteinfeger für den Kehrbezirk Lauenstein gesucht. Fünf Ausschreibungsrunden sind gelaufen. Seit März war der Bezirk sogar verwaist und provisorisch von den Nachbarmeistern mit betreut worden, weil Gottfried Hardelt, der frühere Kehrbezirkschef, in Ruhestand gegangen ist.

Nun hat zum 1. Juni Falco Gretschel den Bezirk für sieben Jahre übertragen bekommen. Der ist Europäer, aber nicht von weither, sonder ein waschechter Sachse, und er stammt sogar aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er ist in Langburkersdorf bei Neustadt aufgewachsen und wohnt dort im Moment noch. Er kennt auch das Osterzgebirge schon. Kretschel hat bereits als Geselle für Altenberger und Lauensteiner Schornsteinfeger gearbeitet. „Hier in Glashütte war ich wohl schon in jedem Haus“, sagt der 34-Jährige.

Er ist dabei, nach Glashütte zu ziehen. Momentan sitzt er noch in einer fast leeren Genossenschaftswohnung in der Prießnitztalstraße. Neben ihm steht ein Karton, gefüllt mit Papierbündeln. „Alles Arbeitsaufträge“, sagt er. Was in den letzten Wochen in seinem Kehrbezirk alles liegengeblieben ist, muss er jetzt nachholen. Da er schon einmal für seinen Vorgänger Gottfried Hardelt gearbeitet hat, klappte die Übergabe problemlos. „Er hat mir alle Daten übergeben“, sagt Gretschel.

Dem neuen Bezirksschornsteinfegermeister stehen jetzt anstrengende Wochen bevor. Die nächsten Tage will er Briefe an alle Hausbesitzer in Lauenstein und Umgebung sowie in Glashütte herausschicken, in dem er sich vorstellt. Dann muss er Termine absprechen und schnellstens auf die Dächer und in die Heizkeller seines Bezirks, um seine Aufgaben abzuarbeiten. Der Kehrbezirk heißt zwar Lauenstein, er umfasst aber das mittlere und obere Müglitztal von Schlottwitz hoch bis Gottgetreu an der tschechischen Grenze mit fast dem gesamten Stadtgebiet von Glashütte und den Altenberger Ortsteilen Bärenstein, Lauenstein, Müglitz, Gottgetreu und Löwenhain.

Zugleich organisiert Gretschel seinen privaten Umzug und richtet sich sein Büro neu ein. Für diesen Zweck hat er im selben Haus ebenfalls von der Glashütter Wohnungsgenossenschaft Räume gemietet. Dafür sucht er noch eine Mitarbeiterin. Er will auch ausbilden und sieht sich nach einem Lehrling um. Ein weiterer Mitarbeiter wird im September bei ihm anfangen.

Er selbst ist mit der Berufsentscheidung einer Familientradition gefolgt. „Ursprünglich wollte ich ja zur Berufsfeuerwehr. Mein Großvater hat dort gearbeitet und auch direkt neben dem Feuerwehrhaus gewohnt“, erzählt Gretschel. Er hatte aber auch seinen Patenonkel, der in Sebnitz als Schornsteinfeger arbeitete. Der hat ihn dann von diesem Beruf überzeugt. Bei der Feuerwehr ist Gretschel dennoch aktiv und er will künftig auch in Glashütte dort mitmachen.

Für seine Ausbildung zum Schornsteinfeger ging Falco Gretschel nach Wilhelmshaven an die Nordsee. „Dort habe ich auch die Fregatte Sachsen gekehrt, wenn die im Trockendock war“, erzählt er. Niedersachsen hat ihn durchaus in seinen Bann gezogen. Auch die Meisterprüfung hat er in Hannover absolviert.

Doch in die Heimat ist er der Liebe wegen zurückgegangen, auch wenn die Ehe inzwischen in die Brüche gegangen ist. Nach der Rückkehr hat er in verschiedenen Orten gearbeitet: Dresden, Wilthen und vor etwa fünf Jahren auch schon im Osterzgebirge. Zuletzt war er bis Ende Mai Bezirksschornsteinfegermeister in Kodersdorf bei Niesky. Dorthin ist er täglich gependelt, was er jetzt beenden will. „Das ist doch jeden Tag verlorene Zeit, die kann man besser nützen“, sagt er.

Glashütte gefällt ihm als Wohnort. „Ich brauche einen Garten mit Südlage, damit ich dort meine Karnickel halten kann, und eine Scheune, um meine Oldtimer unterzustellen“, sagt er. Beides hofft er in Glashütte und Umgebung zu finden. Deutsche Riesen ist die Kaninchenrasse, die Gretschel züchtet. Und Oldtimer besitzt er mehrere. Stolz zeigt er auf dem Handy Fotos von seinem Skoda Cabrio, aber er hat auch alte Mopeds, mit denen er sogar zum Kehren der Essen fährt, wenn es sich anbietet.

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