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Der ewige Patient

Seit 2007 stehen die alten Krankenhaus-Gebäude in Pirna leer, große Pläne zerschlugen sich. Jetzt gibt es neue.

© Norbert Millauer

Von Christian Eissner

Es ist jetzt sieben Jahre her, dass die Pirnaer Klinik aus ihrem alten Komplex an der Schandauer Straße auszog, Vandalismus und Verfall haben den Gebäuden inzwischen arg zugesetzt. Wie geht es weiter in der bisher traurigen Geschichte, die 2008 mit der Aussicht auf eine Riesen-Investition begann?

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Die Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna hatte das Krankenhaus-Areal, bestehend aus mehreren Grundstücken mit einer Gesamtfläche von über 16 000 Quadratmetern, damals an eine private Grundstücksgesellschaft verkauft. Gegenstand des Vertrags war auch ein Investitionskonzept, das vorsah, innerhalb von drei Jahren ab Baugenehmigung ein Senioren- und Pflegeheim mit Pflegeschule zu errichten. Der Bauantrag sollte innerhalb von einem halben Jahr nach Kauf eingereicht werden.

Betreut wurde das Pflegeheim-Projekt von der Firma Goldenherz, die in Berlin ein Gesundheits- und Pflegezentrum betreibt. Geschäftsführer Boris Levin hatte sein Pirnaer Vorhaben persönlich vorgestellt, es klang vielversprechend: mindestens zwölf Millionen Euro Investitionssumme, mehr als 200 neue Arbeitsplätze. Levin hatte den damaligen Pirnaer Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) und den vormaligen Chef der Stadtentwicklungsgesellschaft, Matthias Armbruster, im Sommer 2009 sogar nach Israel eingeladen, wo er ebenfalls Seniorenzentren betreibt. Die Stadt-Oberen sahen keinen Grund, an der Ernsthaftigkeit des Projektes zu zweifeln.

Doch es begann zu wackeln. Zwar gab es bis 2012 immer wieder Beteuerungen, die Pläne für ein geriatrisches Zentrum in Pirna weiter zu verfolgen, doch offenbar erwies sich die Finanzierung des großangelegten Vorhabens als schwierig. Als Gründe wurden sowohl die Finanzkrise als auch ausbleibende Fördermittel-Zusagen genannt. Seit dem vergangenen Jahr nun ist keine Rede mehr von einem geriatrischen Zentrum. Reinhold Pulcher, der das Areal für Goldenherz betreut, schloss auf SZ-Nachfrage vor vier Wochen auch eine schrittweise Wiederbelebung nicht aus – mit unterschiedlichen Investoren.

Das ließ bei einigen Pirnaer Stadträten die Alarmglocken schrillen. Sie befürchten, dass das Gelände nun als Spekulationsobjekt herhalten muss. Denn Eigentümer sind nicht Goldenherz oder Boris Levin, sondern eine „Roudwass 2. Grundstücks-GmbH“, als deren Gesellschafter eine Roudwass Limited mit Sitz in Zypern auftauchte. Bereits als die Besitzverhältnisse im Jahr 2011 nach SZ-Recherchen bekanntwurden, sah der Stadtrat erheblichen Erklärungsbedarf. Für Spekulationen hatte die Stadtentwicklungsgesellschaft immer wieder selbst gesorgt, da sie sich weigerte, dem Stadtrat Einblick in den Kaufvertrag zu gewähren.

Der SZ vorliegende Unterlagen zeigen nun, dass Pirna den Einfluss auf das Grundstück nicht völlig verloren hat. Im Kaufvertrag von 2008 heißt es, dass der Käufer „den Kaufgegenstand nicht ohne die Realisierung der vorgenannten Investitionen weiterveräußern“ werde. Einem Weiterverkauf des Anwesens ohne das versprochene Seniorenzentrum müsste die Pirnaer Stadtentwicklungsgesellschaft also ausdrücklich zustimmen. Ein Rückübertragungsanspruch, falls die Investitionszusage nicht eingehalten wird, findet sich Vertrag allerdings nicht. Das heißt, um irgendetwas zu bewegen, müsste sich die Stadt mit dem Grundstückseigentümer einigen. Zur „Roudwass“ hat die Stadtentwicklungsgesellschaft nach SZ-Informationen aber überhaupt keinen direkten Kontakt. Den gibt es nur zum Goldenherz-Beauftragten Reinhold Pulcher, der die Stadt auch über den aktuellen Sachstand informierte.

In einer Mitteilung der Stadtverwaltung an die Stadträte vom 2. September heißt es, dass „derzeit ein möglicher Verkauf im Vordergrund der Bemühungen“ um die Entwicklung des Areals stehe. Es habe sowohl bei der Goldenherz GmbH als auch bei der Stadtentwicklungsgesellschaft mehrere unverbindliche Anfragen zum Grundstück gegeben, teilt Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke dem Stadtrat in der Informationsvorlage vom 2. September mit. Die Anfragen reichten von der Nutzung für einen Discounter über Behördennutzung bis zum altengerechten Wohnen und hätten sich „in der Regel auf Teilflächen des Grundstückes“ bezogen. Alle seien an den Goldenherz-Beauftragten Pulcher weitergeleitet worden. Spruchreif ist laut Reinhold Pulcher bisher nichts.

Pirna kann also weiter nur hoffen, dass sich auf dem Krankenhausgelände etwas tut. Im Moment scheint es jedenfalls nicht so, als ob das schnell gehen würde. Das wird vor allem die Nachbarn ärgern, denn immer wieder treiben sich Neugierige und Metalldiebe auf dem Gelände herum. Vorerst soll ein weiterer Bauzaun, der im Sommer aufgestellt wurde, ungebetene Gäste fernhalten.