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Der Faust muss raus!

„Kinder spielen Klassik“ geht in die heiße Probenphase. Nächsten Dienstag feiert „Gretchens Liebe, Leid und Tod“ Premiere.

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© es gelten meine agb.

Von Ina Förster

Sehr schön. Es entsteht langsam der gute Eindruck einer echten Vorstellung!“ Regisseur Reinhardt Schuchart ist zufrieden mit diesem Vormittag. Nach dem Mittag wird es trotzdem weitergehen für die neun jungen Schauspieler. Gretchen, Mephisto, Faust und die Bürger müssen alle noch einmal ran an diesem Mittwoch. Acht Mädchen und ein Junge sind im aktuellen „Kinder spielen Klassik“-Projekt in Kamenz dabei. An normalen Tagen würden sie jetzt in ihren Schulen sitzen und lernen. Sie kommen aus der 1. Oberschule, vom Lessing-Gymnasium sowie aus dem Berufsschulzentrum. So kurz vor der Premiere ticken die Uhren aber anders. Statt Mathe und Physik steht „Gretchens Liebe, Leid und Tod“ auf dem Stundenplan. „Wir haben eine Schulbefreiung“, nicken sie irgendwie alle begeistert. Man kann es nachvollziehen.

Das hier sind schließlich die Bretter, auf die sie wollen. Auch, wenn diese vorerst nur zum Kamenzer Stadttheater gehören. Die neun sind mimisch begabt, bekommen hier eine besondere Förderung ihres Talentes. Einige zum ersten Mal, andere sind alte Hasen. Noch wenige Tage, dann muss alles sitzen – jeder Schritt, jede Geste, jeder Abgang auf der Bühne. Mephisto ist eben wieder falsch gelaufen. „Wenn du nicht nach rechts gehst, verlierst du den Faust“, weist Schuchart an. „Dann sieht das aus, als ob ihr euch trennt!“ Jede kleine Nuance wird in den letzten Proben noch einmal beleuchtet. Zur Premiere soll alles selbstverständlich erscheinen.

Vor allem der Text. „Wir proben erst seit diesem Dienstag auf der Bühne des Stadttheaters. Seitdem ist auch die Kulisse aufgebaut. Und seitdem tragen die Schauspieler erstmals ihre Kostüme“, sagt Silke Führich. Sie und Reinhard Schuchart sind ein eingespieltes Team und auf vielen Bühnen der Republik unterwegs. Vor allem widmen sie sich der Nachwuchsförderung. „Klassik bei Kindern und Jugendlichen funktioniert absolut. In Kamenz bereits zum vierten Mal. Die Inszenierungen der letzten Jahre von „Die Hexen von Birnham“, „Hamlet“ oder „Emilia Galotti“ zogen immer zahlreiche Zuschauer in ihren Bann. Auch diesmal wird das Stück gut unterhalten. Der Stoff von Goethes „Urfaust“ ist verständlich heruntergebrochen, die Fassung auf 70 Minuten gekürzt. Die Stadt Kamenz, die Ewag und das Toyota-Autohaus Förster haben ihr Scherflein dazugetan, dass man unbekümmert an die Inszenierung gehen konnte. 10 000 Euro kostet so etwas immerhin. Am Schluss wird es aber wieder jeden Cent wert sein.