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Weißwasser

Der Faustschlag auf den Škoda

Aus dem Gerichtssaal: Ein Nachbarschaftszwist geriet in Bad Muskau außer Kontrolle. Endstation war das Amtsgericht – wo das Verfahren aber eingestellt wurde.

© Symbolfoto: SZ Archiv

Von Jost Schmidtchen

Weißwasser/Bad Muskau. Bernd K.* (31) aus Bad Muskau schlug am 23. April 2018 um 16.40 Uhr auf dem Grundstück Bahnhofstraße 4 in Bad Muskau mit der Faust auf die Motorhaube eines Škoda, der der Nachbarin gehörte. An der Motorhaube entstand ein Sachschaden in Höhe von 1377 Euro laut Kostenvoranschlag der Werkstatt. Wegen Sachbeschädigung musste sich Bernd K. nun vor dem Amtsrichter Weißwasser verantworten. Sein Rechtsanwalt gab zunächst ein Statement ab, in dem er behauptete, der Tatvorwurf habe keinen Sinn, es habe kein Vorsatz vorgelegen.

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Ähnliches war aus der persönlichen Einlassung des Angeklagten zu hören. Es gab keinen vorsätzlichen Schaden am Škoda. Die Kinder spielten auf dem Hof und sein Hund lief herum. Als der vor den Škoda lief, wollte Bernd K. den Nachbarn zum Anhalten bringen, der habe das aber übersehen und deshalb habe er auf die Motorhaube geklopft.

Unübersehbare Delle

Dennoch, die Delle war anschließend nicht zu übersehen. Die Nachbarsfamilie war mit dem Wegzug aus Bad Muskau beschäftigt. Bernd K. gab an, das nachbarschaftliche Verhältnis sei immer gut gewesen, zuletzt habe es aber Zwistigkeiten gegeben, Auffälligkeiten und skurrile Situationen.

Kein sachliches Gespräch

Der Nachbar sagte als Zeuge allerdings etwas anderes: Als er losfahren wollte vom Hof, stellte sich der Angeklagte in die Ausfahrt und ließ ihn nicht auf die Straße. Er „kasperte“ vor dem Škoda herum und schlug schließlich mit Schwung auf das Auto ein. Ein sachliches Gespräch kam darauf nicht zustande und so kam es zur Anzeige bei der Polizei.

Amtsrichter Ralph Rehm stellte an dieser Stelle dem Zeugen die Frage, welches Motiv Bernd K. zu seinem Verhalten hätte haben können. Der Zeuge antwortete, das lag an seinem aggressiven Verhalten, welches er als Nachbar an den Tag legte. Bernd K. habe auch Unstimmigkeiten mit den anderen Mietern des Wohnhauses. Der Amtsrichter resümierte, dass mit dem Faustschlag auf das Auto die Streitereien aus dem Ruder liefen. Er kam zu der Auffassung, dass er dem Zeugen eher Glauben schenkt als dem Angeklagten. Dagegen steuerte der Rechtsanwalt mit einem Kreuzverhör des Zeugen und bezeichnete den Kostenvoranschlag als völlig überhöht: „Der stinkt zum Himmel!“ Den Zeugen als nachbarschaftlichen Stänkerer zu identifizieren gelang ihm allerdings nicht.

Angesichts dieser Konstellation regte Ralph Rehm an, das Verfahren mit einer Geldauflage von 500 Euro zugunsten der Škodabesitzerin einzustellen. Im Strafbefehl waren 1 000 Euro verhängt worden. Die Verfahrensbeteiligten stimmten zu. Bernd K. wurde auf den Weg gegeben, sich zukünftig in der Öffentlichkeit besonnener zu verhalten.

* Name geändert