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Der Feuerwehrmann in Weißwassers Rathaus

Gerd Preußing leitet Einsätze fürs Retten, Bergen, Löschen. Und er führt das Technikreferat. Schafft das einer allein?

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© André Schulze

Von Thomas Staudt

Er sieht ein wenig geschafft aus. Als er „nur“ Stadtwehrleiter und Chef der Feuerwehr war, wirkte Gerd Preußing frischer. Aber der Eindruck kann trügen. Die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr steht unmittelbar bevor und beim Winterdienst ist auch dann viel zu tun, wenn kein Schnee liegt. Aber: Die letzten anderthalb Jahre seien für ihn tatsächlich nicht einfach gewesen, bestätigt Preußing.

Damals übernahm er die Verantwortung für das neu geschaffene Referat Technischer Service und hatte damit auf einen Schlag die Verantwortung für die meisten Mitarbeiter innerhalb der Stadtverwaltung Weißwasser. Abgesehen von den acht hauptamtlichen Feuerwehrleuten ist er auch für die zehn Hausmeister, die neun Mitarbeiter des Wirtschaftshofs und den Bereich Friedhof zuständig. Nicht nur eine Doppelbelastung, ein echter Knochenjob. „Ich musste mich in komplett neue Bereiche einarbeiten und das war richtig anstrengend“, erzählt Gerd Preußing.

Zusätzlich besucht er eine Fortbildung, die auf seine Führungsposition in der Verwaltung zugeschnitten ist. Gemeinsam mit drei weiteren Rathausmitarbeitern fährt er vier Tage im Monat nach Dresden. Zweieinhalb Jahre lang. „Das ist insgesamt eine sehr große Verantwortung“, sagt sein Dienstherr, Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. Er ist mit der Leistung seines nicht mehr ganz neuen Referatsleiters sehr zufrieden. Auch Pötzsch sieht, dass Preußing manchmal wirklich alles geben muss, um seiner Stelle gerecht zu werden. Trotzdem will er an der vor anderthalb Jahren eingeführten Verwaltungsstruktur im Rathaus nichts ändern. „Wir haben jetzt kleinere Einheiten und viele Mitarbeiter fühlen sich damit wohler als vorher“, sagt Pötzsch. Dazu trägt auch bei, dass einige der Kollegen Aufgaben übernahmen, die ihnen wirklich liegen. Außerdem wurde im Rahmen der Umstrukturierung die Möglichkeit geschaffen, sich innerhalb des Hauses auf freiwerdende Stellen zu bewerben. Eine echte Motivationshilfe. Insgesamt gesehen hat sich die Situation, nach dem personellen Überhang der vergangenen Jahre, inzwischen entspannt. „Momentan gibt es nur eine Stelle mehr als im Personalschlüssel ausgewiesen“, fasst Kämmerer Rico Jung zusammen. Doch muss niemand eine Kündigung befürchten. Die Korrektur soll über Ruhestandsregelungen erfolgen.

Gerd Preußing bleibt wegen der Doppelbelastung nur die Konzentration auf das Wesentliche. Und das ist das für ihn Neue. Das Sachgebiet Feuerwehr hat er an den stellvertretenden Wehrleiter, Frank Wolsch, abgegeben. Andere Bereiche kommen einfach zu kurz, sagt Preußing selbst. Wie die Projekte bei der Feuerwehr. Trotzdem bleibt immer noch Stress hoch drei. Zuviel davon ist etwa dem früheren Nieskyer Hauptamtsleiter zum Verhängnis geworden. Er war wegen Überarbeitung lange beurlaubt. Inzwischen wurde für ihn eine Vertretung eingestellt. Nur hinter vorgehaltener Hand ist von Burn-out die Rede. Der US-amerikanische Psychiater Herbert Freudenberger hat den Begriff 1974 geprägt. Hauptursachen sind für ihn zu viele Arbeitsstunden, begründet durch hohe Betreuungs- und Maximierungsansprüche von Verwaltungen oder Geschäftsführungen. Seit 2011 soll die Zahl der Krankheitstage wegen Stress bei Männern um 20 Prozent gestiegen sein, schreibt die nach eigenen Angaben auflagenstärkste Hochschulzeitschrift „Forschung & Lehre“ in ihrer Februarausgabe. Ein Warnsignal.

Was Preußing in seiner Situation immer wieder aufbaut, ist der Umstand, dass er sich auf fähige Mitarbeiter verlassen kann. „Ohne sie würde der Laden nicht laufen“, sagt er. Allen voran die Mitarbeiter des Wirtschaftshofs sind gewöhnt, weitgehend eigenständig zu arbeiten. Und das müssen sie oft auch. Gerd Preußing hat sich in seiner neuen Stellung mittlerweile eine Ausgangsposition erarbeitet, die ihn beruhigt nach vorn schauen lässt. „Langsam kommt die Routine“, meint er. Wenn es mal wieder stressig wird, beruhigt er sich mit dem Gedanken, dass es ihm wenigstens nie langweilig wird. „Die Doppelbelastung ist anstrengend. Daraus mache ich kein Geheimnis. Aber ich habe den Schritt noch nie bereut.“