SZ +
Merken

Der Film „Der Vorleser“ empört und rührt zu Tränen

Der amerikanische Streifen, zum Teil in der Sächsischen Schweiz gedreht, feierte in den USA bereits Premiere.

Teilen
Folgen

Von Dominique Lellek, USA

Im Juni 2008 stand unsere Region nahezu Kopf, als bekannt wurde, dass das Filmteam mit Kate Winslet und Ralph Fiennes für die Hollywood-Produktion „Der Vorleser“ in der Sächsischen Schweiz drehen wird. Der Dreh ist längst beendet, und nun war es soweit: Der Film feierte am 3. Dezember 2008 im „Ziegfeld Theater“ in New York Premiere.

Angelehnt an das gleichnamige Buch von Rechtsprofessor und Novellist Bernhard Schlink, spielt der Film im Nachkriegsdeutschland in den 1950er-Jahren und handelt von einer unmoralischen Affäre, dem Dritten Reich und der Judenverfolgung, Analphabetismus und der Streitfrage, wie man Mitglieder des Nazi-Regimes bestrafen und verurteilen sollte.

Dieser Film spaltet das amerikanische Publikum und die Presse in zwei Lager. Während der Aufführung hat so mancher Zuschauer empört gemurmelt, als man einmal mehr Kate Winslet komplett nackt mit David Kross gesehen hat.

Zeitschriften, wie der Rolling Stone, preisen: Kate Winslets „leidenschaftliches, treffsicheres Porträt wächst über bloße Schauspielerei heraus, zu einer Provokation, die einem den Schlaf raubt“. Andere, wie das Fachblatt „Variety“, kritisieren den Film als ein „im Wesentlichen durchs Gehirn geprägtes Erlebnis ohne Bauchgefühl“ .

Trotz alledem ist es schon verrückt, in einem amerikanischen Kino zu sitzen und die Kulissen der eigenen Heimat, der Sächsischen Schweiz mit dem Kirnitzschtal in voller Pracht im Film vorbeirauschen zu sehen. Weitere Drehorte des Streifens waren Görlitz, Berlin und Lublin in Polen. Die historische Kirnitzschtalbahn wird in alte Zeiten zurückversetzt. Auch radelt Kate Winslet in einer Szene durchs romantische Kirnitzschtal.

Es war unglaublich, wie heftig diskutierend die Kinozuschauer den Saal verlassen hatten, zurecht, da der Film viele Streitthemen und moralische Zwickmühlen aufgreift wie selten ein anderer. Die Mischung aus Erotik, Schuld und Vergangenheit macht das Ganze erst interessant.

„Der Vorleser“ wird in den USA schon als heißer Oscar-Anwärter gehandelt und könnte dem Filmteam um dem britischen Regisseur Stephen Daldry (47) den Filmpreis in allen Top-Kategorien einbringen.

Dieser Film ist auf jeden Fall empfehlenswert, er berieselt uns nicht nur, er regt zum Nachdenken an, empört und rührt zu Tränen.