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Der Fischotter ist zurück

Das streng geschützte Tier fühlt sich in Bischofswerda wohl. Das freut allerdings nicht alle.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuß

Der Fischotter kommt im Schutz der Dunkelheit. Er steigt in den Horkaer Teich und holt sich pro Nacht mindestens einen Fisch. Einige Spaziergänger haben ihn bereits dabei beobachtet. Er soll auch nicht allein sein. Lutz Obschonka arbeitet für den Betrieb, der in dem Teich Speisefische füttert und aufzieht. „Der Jagdpächter geht davon aus, dass vier Otter durch das Gebiet streifen“, sagt der Teichwirt.

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Ein Fischotter braucht täglich 500 bis 1000 Gramm Fisch.
Ein Fischotter braucht täglich 500 bis 1000 Gramm Fisch. © dpa

Lutz Obschonka ist auf den Fischotter nicht gut zu sprechen. Denn das Tier hat dem Betrieb in diesem Jahr wahrscheinlich einen großen Teil der Fischernte weggefressen. Die Fachleute mussten für das großen Abfischen am vergangenen Wochenende sogar noch Fisch für den Verkauf zukaufen. „Das gab es vorher noch nie“, sagt der Fachmann, der den Teich schon seit der Wiedervereinigung bewirtschaftet.

Die Mitarbeiter des Betriebes holen normalerweise zwei Tonnen Karpfen, Hechte und Schleien aus dem Teich. Dieses Jahr waren es nur 350 Kilogramm, so wenig wie nie zuvor. Lutz Obschonka fährt viermal in der Woche auf Märkte und verkauft dort die geernteten Fische. „Dieses Jahr ist aber so gut wie alles verkauft, deshalb müssen wir zukaufen“, sagt er. Es gibt zwar für Fischotter-Schäden auf Antrag einen Härtefallausgleich. Doch der macht den Schaden eigentlich nicht wett. „Wenn wir die Brut nicht selbst produzieren würden, könnten wir es gleich sein lassen“, sagt Lutz Obschonka. Der Betrieb zieht die kleinen Fische in den Geißmannsdorfer Teichen groß, karrt sie dann nach Tröbigau und bringt sie schließlich zum abschließenden Wachsen in den Horkaer Teich. Drei Jahre Arbeit für den Otter.

Fischotter stört die Winterruhe

Die Schwierigkeiten mit den Tieren sind aber auch eine Frage der Teichgröße und der Menge an Fischen. Wolfgang Baudis von der Teichwirtschaft Paultheo von Zezschwitz hat weniger Probleme mit den Fischottern, obwohl er sie kennt und in der Teichlandschaft in Deutschbaselitz sogar tagsüber beobachten kann. „Im Sommer geht es noch. Aber wenn der Otter im Winter immer wieder die Winterruhe stört, sind die Fische irgendwann so gestresst, dass sie sterben und oben schwimmen“, sagt der Experte. Er hat auch schon Haufen von angefressenen Fischen entdeckt, weil der Otter die Fische nur getötet, aber nicht gefressen hat. Das sei dann immer besonders schmerzlich. Mehr Sorgen hat der Teichwirt aber mit den Kormoranen, die manchmal in einer Hundertschaft anrücken und sich satt fressen. Schwer macht es den Fischwirten auch der Koi-Herpes. Das ist ein Virus, der die Fische befällt und innerhalb kurzer Zeit tötet. Ganze Bestände wurden durch die Krankheit schon vernichtet. Dieses Jahr hat Wolfgang Baudis trotzdem noch eher eine durchschnittliche Fischernte eingefahren.

Der Ökologe Dr. Jan Peper beschäftigt sich im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft unter anderem mit dem Fischotter. Er weiß, dass das Tier als Fischdieb im vergangenen Jahrhundert in Deutschland fast ausgerottet wurde und erst in den 70er- und 80er-Jahren wieder ins Blickfeld rückte. „Seit der Wende gibt es verstärkt Artenschutzmaßnahmen“, sagt der Ökologe. Es wurden zum Beispiel Tunnel gegraben, damit die Tiere sicher Straßen queren können, und die Wasserqualität wurde merklich verbessert. In der Teichlausitz war der Fischotter zwar nie ganz ausgestorben, doch die Bestände erholten sich durch die Maßnahmen trotzdem merkbar. „In der Lausitz gibt es deutschlandweit eine der größten Populationen von Fischottern“, sagt Jan Peper. Die Tiere unterstehen dem Jagdrecht, doch die Fischotter werden ganzjährig geschont, ähnlich wie der Wolf. Sie dürfen damit weder gefangen noch geschossen werden. Es gibt aber dennoch Maßnahmen, die auch den Teichwirten helfen könnten. Elektrozäune zeigten zum Beispiel bei kleineren Teichen bereits gute Wirkung, es könnte auch zur Ablenkung ein benachbarter Teich mit Wildfischen bestückt werden, an dem sich die Otter dann bedienen können.

Lutz Obschonka helfen die Ratschläge nicht. Ein Elektrozaun um den Horkaer Teich ist kaum vorstellbar, schon allein wegen der Größe des Gewässers. Er wird sich wieder auf wenige Fische einstellen. Es sei denn, es kommt ein strenger Winter. „Dann wird die Gruppe der Otter vielleicht kleiner“, sagt der Teichwirt.