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Pirna

Der fliegende Aussichtsturm

Vor zehn Jahren brachte ein Hubschrauber den Turm des Studenec in die böhmischen Lausitz zurück.

Der Aussichtsturm auf dem Studenec.
Der Aussichtsturm auf dem Studenec. © Foto: privat

„Ich wurde schon die verrückte Alte genannt, weil ich der Stadtführung wirklich auf die Nerven ging“, erzählt Jitka Tumova. Die Vorsitzende des kleinen Heimatvereins Spolek Pod Studencem (Verein unter dem Kaltenberg) hat dank ihrer „Verrücktheit“ kräftig dazu beigetragen, dass der Aussichtsturm auf dem Studenec (Kaltenberg) in der böhmischen Lausitz vor zehn Jahren restauriert und dank eines Hubschraubers an seinen Platz zurückkehrte. 

Der Stadt, deren Führung sie vor über zehn Jahren auf die Nerven ging, war Ceska Kamenice (Böhmisch Kamnitz). Diese war inzwischen Eigentümerin des Turms geworden und Frau Tumova ging zu langsam, wie sich die Stadt um die Rettung des schwer beschädigten Turms bemühte. Für Jitka Tumova hing dagegen ihr Herz daran. „Schon seit 1950 hat meine Familie in der Nähe ein Wochenendhaus. Ich liebe diese Region“, sagt sie.

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Der eiserne Aussichtsturm auf dem 736 Meter hohen Studenec ist ein Wahrzeichen der Region am Rande von Lausitz und Böhmischer Schweiz. Bei dem Turm handelt es sich um den zweitältesten Aussichtsturm aus Metall in Böhmen. Eröffnet im Juli 1888 zählte er noch im gleichen Jahr 5.000 Besucher. Der Eigentümer Graf Ferdinand Kinsky ließ deshalb einen mit Basaltsteinen gepflasterten Weg für einen bequemen Aufstieg anlegen. Da das Interesse an dem Turm nicht abriss, wurde fünf Jahre später das Gasthaus „Kinsky-Baude“ eröffnet. Bis 1945 war der Turm ein beliebtes Ausflugsziel. Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte zur Folge, dass Baude und Turm schnell verfielen. Die Baude wurde bald nach dem Krieg geschlossen. Der Turm blieb beliebtes Ziel, auch wenn es aufgrund des baulichen Zustands immer gewagter wurde, die 92 Stufen zur Spitze zu erklimmen. Erst mit der Samtenen Revolution 1989 keimte für den Turm wieder Hoffnung auf. Doch um ein Haar wäre der Turm vor 23 Jahren abgerissen worden. Nur ein Eilantrag auf Ernennung zum Kulturdenkmal konnte den Abriss verhindern. 1997 wurde der Turm tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt. Doch es dauerte noch einmal weitere zehn Jahre, ehe der Staatsforst als Eigentümer des Waldes auf dem Studenec einer Restaurierung zustimmte. Bedingung war, dass der Turm in drei Einzelteile zerlegt und per Hubschrauber vom Berg getragen wurde. Die Restaurierung erfolgte dann auf dem Gelände der Firma LANA in Litomerice (Leitmeritz).

Doch bevor es so weit war, musste noch das nötige Geld beschafft werden. Rund 120.000 Euro wurden gebraucht. Jetzt kam Frau Tumova ins Spiel. Sie initiierte den Verkauf der inzwischen 94 Stufen. Mehr als zehn Prozent der Summe kamen durch die Spendensammlung zustande, an der sich auch die Partnerstadt Bad Schandau beteiligte. Ihr Verein war es auch, der auch noch das „restliche Geld“ beim Kulturministerium organisierte. Eigentlich hatte sie gehofft, den 16,2 Meter hohen Turm im 120. Jahr seiner Eröffnung wieder zugänglich zu machen. Das verhinderte aber das Wetter. „Im Herbst 2008 war das Wetter zu instabil, dass der Hubschrauber nicht auf den Gipfel fliegen konnte.“ Dafür wurde die Aktion im März 2009 nachgeholt. Der Turm wurde wieder in drei Teilen auf den Berg geflogen und montiert. Die offizielle Eröffnung der Konstruktion mit einer Wendeltreppe und einer Aussichtsplattform fand am 21. Juni 2009 statt.

Auch zehn Jahre danach erinnert sich Jitka Tumova noch gern an die erfolgreiche Rettung. „Dabei konnten 80 Prozent der historischen Konstruktion gerettet werden“, sagt sie stolz. Zwar ist ein kleiner Teil der Aussicht von Eschen versperrt. „Aber das betrifft nur 40 Grad der Rundumsicht“, sagt Tumova, wohl wissend, dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und ein Kürzen der Bäume unwahrscheinlich ist.

An die bewegte Geschichte erinnert am Samstag ab 14 Uhr ein Fest auf dem Gipfel mit Imbiss, Getränken und Musik. Auf die ersten 100 Gäste wartet ein kleines Geschenk. Der Aufstieg auf den Turm ist kostenlos. Eine Parkmöglichkeit gibt es am oberen Ende von Liska (Hasel). Von dort bzw. von Studeny (Kaltenbach) erfolgt der Aufstieg über den rot markierten Weg.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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