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PLUS Pirna

Der flotte Diagnose-Lieferant

Das Pirnaer Klinikum hat viel Geld in ein neues CT-Gerät investiert. Es bringt viele Vorteile – für die Mediziner und die Patienten.

Dr. Sebastian Gotthardt, Chefarzt der Radiologie im Pirnaer Klinikum, Patientin bei einer Untersuchung im neuen Computertomographen: Wir sparen wertvolle Zeit.
Dr. Sebastian Gotthardt, Chefarzt der Radiologie im Pirnaer Klinikum, Patientin bei einer Untersuchung im neuen Computertomographen: Wir sparen wertvolle Zeit. © Daniel Schäfer

Wenn es darum geht, zu diagnostizieren, wie schwer ein Unfallopfer verletzt ist, kommt es vor allem auf eines an: Zeit. Die Mediziner müssen rasch wissen, was zu behandeln ist, oft geht es um Leben und Tod. Ein Computertomograph (CT) ist beispielsweise so ein flotter Diagnose-Lieferant, binnen Minuten lassen sich verletzte Regionen im ganzen Körper orten. Weil die Geräte der neuesten Generation noch schneller Bilder liefern als ältere, ließ jetzt das Klinikum Pirna auf dem Sonnenstein weiter die Moderne einziehen: Die Radiologie-Abteilung verfügt nun über einen nagelneuen Computertomographen. Die SZ stellt die Vorzüge der neuen Technik vor.

Warum hat die Klinik ein neues CT-Gerät installieren lassen?

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Das bisherige CT-Gerät war inzwischen über zehn Jahre alt. Zwar lieferte es zuverlässig und flott Bilder, doch in puncto Schnelligkeit und Bildqualität hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. „Vor allem bei der Rechner- und Softwaretechnik gab es einen riesigen Sprung“, sagt Dr. Sebastian Gotthardt, Chefarzt der Radiologie. Das neue Gerät bringt sowohl für die Mediziner als auch für die Patienten mehrere Vorzüge mit sich. Dieses System ist bereits dreimal in der Berliner Charité installiert. „Pirna hat jetzt sozusagen Charité-Standard“, sagt Michael Lange, Vertriebsingenieur bei der Firma „Canon Medical Systems“, die die Technik gebaut und installiert hat.

Welche Vorteile hat der neue Computertomograph?

Das neue CT-Gerät ist wesentlich schneller als das vorhergehende. „Die Rekonstruktionszeiten haben sich im Vergleich enorm verkürzt. Das ist für uns im Arbeitsalltag, gerade bei der Diagnostik von schwer verletzten Patienten wichtig“, sagt Gotthardt. Eine Untersuchung dauert wenige Sekunden. Um die aufgezeichneten Bilder zu rekonstruieren, benötigt der Computer je nach Untersuchungsumfang bis zu 20 Minuten, ehe der Radiologe die Bilder auswerten kann. Dank der Schnelligkeit – das Gerät liefert 70 Bilder je Sekunde – wird hier wertvolle Zeit gespart.

Für die Patienten sind die Untersuchungen zudem schonender als bisher, da dank der ausgeklügelten Rechentechnik eine geringere Strahlendosis nötig ist, um hochauflösende Bilder zu erzeugen. Die Technik ist sogar so weit fortgeschritten, dass das Gerät selbst die Strahlendosis auf Basis des Körperquerschnitts reguliert. Sensible Organe werden auf diese Weise einer so gering wie möglichen Strahlung ausgesetzt.

Auch bei der Schlaganfall-Diagnostik gibt es ein Novum: Mit dem neuen CT-Gerät lässt sich jetzt auch die Durchblutung des Gehirns darstellen. So lassen sich vom Schlaganfall betroffene Areale genau lokalisieren. Überdies sind mit dem neuen Gerät Ganzkörper-Scans möglich, die Scan-Länge beträgt bis zu zwei Meter – zu untersuchende Patienten müssen daher nicht mehr aufwendig umgelagert werden.

Auch ist das CT-Gerät mit einer Schwerlastliege ausgestattet, die Liege trägt Lasten bis zu 315 Kilogramm. Und eines gibt es nur bei diesem CT-Modell: Die Liege, auf der die Patienten liegen, lässt sich nicht nur nach oben und unten verstellen, sondern auch nach links und rechts. So kann das medizinische Personal den Patienten vom Computer aus so positionieren, dass die zu untersuchende Körperregion in der Mitte des Scanfeldes liegt. Zudem hat die Röhre jetzt eine größere Öffnung, sie misst 78 Zentimeter im Durchmesser.

Bei welchen Erkrankungen wird die Computertomographie angewendet?

Der CT kommt häufig zum Einsatz, um den Kopf zu untersuchen, zum Beispiel, um Schlaganfall-Regionen oder Erkrankungen der Nasennebenhöhle aufzuspüren. Auch bei Verdacht auf eine Krebserkrankung greifen Mediziner oft auf einen CT-Scan zurück. „Mit ihm lassen sich Lage und Größe von Tumoren genau feststellen“, sagt Gotthardt. Auch Schwerverletzte werden in den meisten Fällen zunächst im CT untersucht, so lassen sich unter anderem Knochenbrüche einfach orten, und der Chirurg weiß sofort, wo er eingreifen muss. „Generell“, sagt der Chefarzt, „lassen sich am CT alle Körperbereiche untersuchen.“

Wie funktioniert die Computertomographie?

Die Computertomographie ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem Körpergewebe mittels Röntgenstrahlung visualisiert wird. Dafür rotiert eine Röntgenröhre um den liegenden Patienten. Die Strahlen werden auf der gegenüberliegenden Seite von Detektoren erfasst und mithilfe eines Rechners in Bilddaten umgewandelt. Je nach Dichte des Gewebes werden die Strahlen unterschiedlich abgeschwächt. Dadurch werden Knochen als Gewebe mit hoher Dichte hell, und Gewebe mit niedriger Dichte, wie beispielsweise Lungengewebe, eher dunkel dargestellt. Der Vorteil zum herkömmlichen Röntgen: Das normale Röntgen ist nur eine zweidimensionale Projektionstechnik, beim CT hingegen lassen sich dreidimensionale Bilder erzeugen.

Wie lange dauerte der Umbau und wie viel kostete das neue Gerät?

Der Umbau dauerte etwa einen Monat. Zunächst musste das alte Gerät demontiert und eine Interimslösung installiert werden, damit die Untersuchungen weiterlaufen konnten. „Die Umbauphase hat uns vor eine organisatorische Herausforderung gestellt, die das gesamte Team sehr gut gemeistert hat“, sagt Gotthardt. Mitte Juli wurde das neue Geräte geliefert, der Einbau erwies sich tatsächlich als schweres Unterfangen: Allein die Gantry – die CT-Röhre – wiegt 1,8 Tonnen. Danach wurde der neue CT angeschlossen und die Software programmiert. Das Klinikum investierte über 660.000 Euro in das neue Gerät.

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