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Der Forststraßenblitzer schlägt ein

Wie sich Corona auf das Verkehrsverhalten auswirkt und was neuerdings für viele im Kreis in Radebeul richtig böse wird.

Das ist der neue Blitzer an der Ecke Meißner Straße/Forststraße im Osten von Radebeul. Mittlerweile hat es hier einige Autofahrer, teils auch in der zweiten Spur, erwischt.
Das ist der neue Blitzer an der Ecke Meißner Straße/Forststraße im Osten von Radebeul. Mittlerweile hat es hier einige Autofahrer, teils auch in der zweiten Spur, erwischt. © Norbert Millauer

Radebeul. Die Zahl der Anhörungen wird in den nächsten Wochen zunehmen. Das sagt Ingolf Zill, Leiter der Radebeuler Verkehrsbehörde. Gerade sitzt im Nachbarzimmer jemand, der auf der Meißner Straße/Ecke Forststraße im Osten Radebeuls geblitzt wurde. Ergebnis auf dem Protokoll: mehr als 70 Kilometer pro Stunde über den erlaubten 50 Kilometer pro Stunde. Da sind die drei Kilometer pro Stunde Toleranz abgezogen.

Zur Anhörung ist der Fahrer gekommen, weil die Auswirkungen drastisch sind – 680 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot, sagt Zill. Seit 28. April gilt der neue bundesdeutsche Bußgeldkatalog für Sünden im Straßenverkehr. Radebeul hat so viele Blitzer aufgestellt wie keine Stadt im Kreis – insgesamt fünf, die teils in beide Richtungen fotografieren. Wer 21 Kilometer pro Stunde in geschlossenen Ortschaften drüber liegt, bekommt saftige Rechnungen zugeschickt.

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513 Fotos in der ersten Woche

„Das trifft die meisten – und nicht nur Einheimische, auch Fahrer aus dem ganzen Kreis Meißen – sehr hart“, sagt Ingolf Zill. Ist aber besonders an dieser Stelle an der Meißner Straße/Forststraße auch gerechtfertigt. Immer wieder gab es hier schwere und sogar tödliche Unfälle. Autofahrer waren zu schnell unterwegs, vor allem in der zweiten, der glatteren Spur auf den Straßenbahnschienen. Ganz Unvernünftige haben hier sogar die haltende Straßenbahn überholt. Wer da zugleich aus der Forststraße in die Meißner Straße einbiegen wollte, weil sie eigentlich frei ist, begab sich in Lebensgefahr.

Wiederholt hatten Bürger und Verkehrsbehörde an dieser Stelle einen Blitzer gefordert. Seit fast zwei Monaten steht er dort – und schlägt richtig ein. Gleich in der ersten Woche Ende März hat es dort 513 mal Bling gemacht. Die Spitzenzahl in den letzten Wochen war 731 Fotos. Darunter eine Reihe von Fahrern mit 23 bis 25 Kilometer pro Stunde drüber.

Zill: „Das Gerät ist eins der modernsten Generation. Es kann auch die Fahrzeuge in der sogenannten zweiten Reihe erfassen. Das ging vorher nicht, etwa beim mobilen Blitzen. Viele denken offenbar noch immer, dass sie bei der Fahrt auf den Schienen nicht erwischt werden.“

Maske im Auto verboten

Alle, die einen Brief vom Radebeuler Ordnungsamt bekommen haben, wissen somit: Das Blitzen fällt auch bei Corona nicht aus. Mit einer Ausnahme. Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos) hatte in Abstimmung mit der Verkehrsbehörde festgelegt, dass in der härtesten und für Corona kontrollintensiven Phase von Mitte März bis Mitte April kein mobiles Blitzen stattfindet. Die Mitarbeiter, so Zill, wurden einfach für andere Aufgaben gebraucht. Übrigens: Maske tragen im Auto ist verboten. Manche wollen so dem Erkennen auf dem Foto ausweichen.

Vorher hatten die beiden Skoda Roomster – silber und weinrot – teils mehr Fotos geschossen als die stationären Geräte. In der Radebeuler Blitzerstatistik ist deutlich abzulesen, dass mit den Ausgangsbeschränkungen auch der Verkehr auf den Straßen wortwörtlich runtergefahren ist. Selbst an den beiden Waldstraßenblitzern in Ost waren es in einer Woche im Minimum 38 Fotos auf einer Seite, im höchsten 100. Solche Zahlen gab es in früheren Zeiten manchmal an einem Tag.

Doch derzeit ist vieles in einer gewaltigen Veränderung. Einerseits, weil der Verkehr wieder nahezu wie vor den drastischen Corona-Beschränkungen rollt. Andererseits, weil die Festlegungen aus dem neuen Bußgeldkatalog, der seit 28. April gilt, gehörig dreinschlagen werden.

Übers Falschparken zum Fahrverbot

Der Chef der Verkehrsbehörde nennt nur einige Beispiele. Die absoluten Preis- und Strafenhammer sind die ab 21 km/h-drüber-Bescheide. Die große Masse der Fotos wird jedoch seit Jahren verschickt, weil jemand in der 30er-Zone oder bei erlaubten 50 Kilometer pro Stunde leicht drüber war. Etwa an der Kötzschenbrodaer Straße gegenüber vom Weißen Haus oder vor einer Schule oder in Neusörnewitz bergab an der Brücke über den Bahngleisen. Bisher ging das bei 40 Kilometer pro Stunde mit 15 Euro ab. Jetzt sind es 30 Euro, die viel mehr weh tun.

Zill nennt auch noch ein kurioses Beispiel. Wer auf dem Bürgersteig parkt, wie etwa beinahe jeden Tag an der Uferstraße in Kötzschenbroda, und damit die Bürger beim Gehen auf dem Fußweg behindert, der bekommt nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch einen Flensburg-Punkt. „Da könnte mancher mit acht Punkten ins Fahrverbot geraten, obwohl er nie zu schnell gefahren ist“, sagt Zill.

Hat sich was geändert seit dem 28. April? Fahren die Autolenker vorsichtiger? Der Leiter der Verkehrsbehörde hat die aktuellen Zahlen unmittelbar am Bildschirm vor sich. Daran ist abzulesen, dass die Zahl der Geblitzten nur ganz leicht zurückgegangen ist. Die wenigsten reagieren offenbar.

Mobil gibt es vor allem Unterschiede. Von den Fotoapparaten aus den Skodas wurden in Coswig nach wie vor viele erwischt – erste Maiwoche 126, zweite Maiwoche 124. Das ist fast so viel wie vorher. In Radebeul sind es in diesen Wochen 349 und 168. Die über 300 ist wie in Spitzenzeiten und wird jetzt teuer.

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