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Der Freistaat will den Hafenausbau

Trotz häufiger Ebbe auf der Elbe soll Riesa auch 2030 noch eine wichtige Rolle für Sachsens Güterverkehr spielen.

Von Christoph Scharf
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Im Umschlag von Containern soll sich die Kapazität des Riesaer Hafens verdoppeln. So sehen es die Planungen des Freistaates vor.
Im Umschlag von Containern soll sich die Kapazität des Riesaer Hafens verdoppeln. So sehen es die Planungen des Freistaates vor. © Sebatian Schultz

Riesa. Monatelang war kein Schiff auf der Elbe unterwegs. Jetzt steht der Pegel in Riesa knapp unter der Hochwasserstufe eins – und täglich sind wieder Frachtschiffe mit Schüttgütern und Containern zwischen Riesa und Strehla zu entdecken. Geht es nach dem Freistaat, soll das auch so bleiben: Im derzeit öffentlich ausliegenden Entwurf des Landesverkehrsplans 2030 taucht der geplante Ausbau des Riesaer Hafens mehrfach an prominenter Stelle auf.

Das Thema Bahn – mit dem RE Saxonia und dem ICE-Halt Riesa – spielt in dem 90-seitigen Papier für die Stadt nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Die SZ stellt die wichtigsten Punkte aus dem auf einem Kabinettsbeschluss beruhenden Entwurf vor.

Elbe soll Wasserstraße bleiben

Kritiker monieren, dass die Binnenschifffahrt auf der Elbe wegen häufiger Trockenperioden keine Zukunft habe. So war die Elbe 2018 sieben Monate lang nicht schiffbar. Der Freistaat bewertet das im Landesverkehrsplan-Entwurf komplett anders: Das Bund-Länder-Gesamtkonzept Elbe verheiße der Elbschifffahrt eine „langfristige Entwicklungsperspektive“, deshalb soll die Fahrrinnentiefe mit Rücksicht auf die Natur verbessert werden – ohne den Bau von Staustufen. Ohnehin habe der Freistaat in die Modernisierung der wichtigsten Elbhäfen Dresden, Riesa und Torgau seit 1995 mehr als 100 Millionen Euro investiert. Der Hafenbetreiber SBO habe die Häfen damit zu „leistungsfähigen trimodalen Schnittstellen zwischen Straße, Schiene und Wasserstraße“ ausgebaut. Riesa habe sich auf den Service rund um Seecontainer spezialisiert – wichtig für die maritime Wirtschaft.

Mehr Kapazität in Riesa gefordert

Laut Angaben des Freistaats werden in Riesa schon jetzt jährlich mehr Güter umgeschlagen, als eigentlich mit der Technik möglich wären: 2017 waren es mehr als 40 000 Zwanzig-Fuß-Standardcontainer. „Eine Kapazitätserweiterung am Standort ist daher notwendig.“ Weil das Terminal am Nordufer nicht weiter erweitert werden könne, sei am Südufer „zügig“ ein neues, trimodales Terminal zu bauen. Die Kapazität soll sich dabei auf 100 000 Container mehr als verdoppeln. Gleichzeitig seien die Gleisanlagen zu ertüchtigen, um den wachsenden Bedarf zu gewährleisten.

Riesa für ganz Sachsen wichtig

Laut Landesverkehrsplan spielt der Riesaer Hafen nicht nur für die regionale Wirtschaft eine Rolle. Das Papier ordnet ihn bei den überregional bedeutenden Güterverkehrszentren ein, die es sonst im Freistaat nur noch in Dresden, Leipzig und Glauchau gibt. In diesen vier Städten sei es möglich, Ladungen zusammenzustellen und zwischen Lkw und Bahn umzuladen. In diesen vier Terminals ließen sich Güterverkehrsströme bündeln und entflechten.

Wichtig seien solche Zentren, um den Güterfernverkehr vom Lkw auf Schiene und Wasser zu verlagern. Der Hafen Riesa sei dabei besonders gut an den überregionalen Güterverkehr angebunden und verfüge über „stabile Verbindungen“ zu den Seehäfen an der Nord- und Ostsee. Das Papier nennt dabei den Güterzug und die Elbe-Container-Linie, die Riesa regelmäßig mit dem Seehafen Hamburg verbindet.

Am Ende würde von Güterverkehrszentren auch der Arbeitsmarkt profitieren: Diese seien ein Standortfaktor mit Effekten auf Wirtschaft und Beschäftigung ringsum. Nicht umsonst fungiere das Unternehmen SBO nicht nur als Hafenbetreiber, sondern sei auch ein Bestandteil der Wirtschaftsförderung Sachsen.

Gemischte Umweltbilanz

Der Landesverkehrsplan bezeichnet die Güterverkehrszentren samt dem Hafen Riesa als „umweltfreundlich“ für den Gütertransport. Insgesamt mache der geplante Ausbau der sächsischen Häfen sie wettbewerbsfähiger, sodass für 2030 mit einem Gesamtgüterumschlag von mehr als drei Millionen Tonnen zu rechnen sei.

Studiert man auch den zum Landesverkehrsplan gehörenden Umweltbericht, findet man dort allerdings eine zwiespältige Bilanz des geplanten Terminalbaus in Riesa. So sei mit zusätzlichem Lärm durch Lkws in der Stadt zu rechnen. Die Schadstoffbelastung würde sich am Terminal und an den Zufahrtswegen erhöhen, aber wohl keinen Grenzwert überschreiten. Gleichzeitig sei jedoch eine Entlastung durch die Verlagerung des Verkehrs von Straße auf Schiene und Wasser möglich. Durch den Bau des Terminals gingen Habitat-Strukturen von Mehlschwalbe, Rauhautfledermaus und Zauneidechse verloren. Die überregionale Schadstoffbelastung würde sich durch die Verkehrsverlagerung auf Schiene und Wasser sogar verbessern. Die Verlagerung verhindere auch, dass zusätzliche Treibhausgase ausgestoßen werden, die beim Lkw-Verkehr anfielen.

Am Mittwoch verzeichnete das Online-Portal des Verkehrsplans 39 eingegangene Stellungnahmen, weitere sind noch bis zum 23. April möglich.

Noch bis zum Donnerstag, 21. März, steht der Entwurf des Landesverkehrsplans Sachsen 2030 online