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Der Fußball rollt nicht mehr

Die Hirschfelder Männermannschaft wird aufgelöst. Der Ballsport wird dennoch eine Zukunft haben.

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Von Jan Lange

Der letzte Sieg liegt schon einige Zeit zurück: Am 14. März gewannen die Hirschfelder Fußballer gegen die TSG Hainewalde. Seitdem folgte eine Niederlage auf die nächste, mittlerweile sind es neun hintereinander. Selbst gegen den Tabellenvorletzten der Kreisliga, die Spielvereinigung Ebersbach, konnten die Kicker aus Hirschfelde keine Punkte holen. Und so steht die Mannschaft einen Spieltag vor Saisonende auf dem letzten Platz.

In die Kreisklasse werden die Hirschfelder dennoch nicht absteigen. Denn in der nächsten Saison wird es keine Männermannschaft beim Hirschfelder Sportverein (HSV) mehr geben. Der Verein hat die Auflösung der Fußballtruppe beschlossen. „Wir haben große personelle Probleme“, begründet Vereinschef Holger Pohl den drastischen Schritt. Viele Spieler mussten aus beruflichen Gründen die Oberlausitz in Richtung Dresden oder München verlassen. Es sei immer schwerer geworden, eine komplette Mannschaft zusammenzubekommen. Einmal konnten die Hirschfelder nicht antreten, weil sie das Minimum an Spielern nicht erreichten. Oder sie liefen mit weniger als elf Mann auf dem Spielfeld auf. „Das ist auch keine Motivation für die anderen“, meint HSV-Pressesprecher Rene Stiewert. Einige Fußballer kündigten laut Pohl an, dass sie in der neuen Saison nicht mehr für den Verein spielen können. Sie könnten nicht so oft nach Hirschfelde kommen. Der Verein habe aus diesem Grund für die nächste Spielzeit beim Fußballverband Oberlausitz (FVO) keine Männermannschaft mehr angemeldet. „Einige der früheren Spieler finden das natürlich schade“, sagt Pohl. Denn so breche ein Stück Fußballgeschichte in Hirschfelde weg. Aber mit der Auflösung vermeiden die Fußballer mögliche Strafen, die anfallen, wenn Spiele abgesagt oder das Schiedsrichtersoll nicht erfüllt wird. Und genügend Schiris können die Hirschfelder auch nicht mehr aufbieten. Die beiden Referees sind nach München umgezogen.

Der Schönbacher Fußballverein, einer der Konkurrenten in der Kreisliga, hat im vierten Jahr in Folge das Schiedsrichtersoll nicht erfüllt. Nachdem er in der Saison 2013/14 drei Punkte abgesprochen bekam, ahndete das FVO-Sportgericht die erneute Nichterfüllung in dieser Saison mit dem Abzug von fünf Punkten und einer Geldstrafe. Ähnliches will der HSV vermeiden. „Solche Strafen würden uns finanziell sehr schaden“, sagt Pohl.

Bereits nach dem Hochwasser 2010 war die Männermannschaft in Hirschfelde weggebrochen. Mit viel Glück konnte der Verein in wenigen Monaten ein neues Team auf die Beine stellen. Damals hatte sich gerade die Fußballtruppe des Zittauer Sportvereins aufgelöst, einige Spieler wechselten an die Neiße. Nun folgt die Gegenbewegung: Die Hirschfelder Kicker schließen sich jetzt anderen Mannschaften wie beispielsweise der aus Oberseifersdorf an.

Einige Leute will Holger Pohl aber halten. Sie sollen beim Training des Nachwuchses helfen. Auch wenn es keine Männermannschaft mehr gibt, auf Dauer soll das nicht so bleiben. Der HSV hat derzeit eine starke D-Jugend mit gut 30 kleinen Kickern. Die jungen Ballkünstler kommen alle aus den nördlichen Zittauer Ortsteilen. Laut Pohl habe der HSV die Kinderquote seit 2012 um 200 Prozent erhöht.

Die heutigen Nachwuchsspieler könnten in einigen Jahren wieder für Erfolge auf dem Fußballplatz sorgen. Bis sie in der Erwachsenenliga antreten dürfen, werde es aber noch mindestens sechs Jahre dauern, sagt Pohl. Der größte Teil ist jetzt elf oder zwölf Jahre alt. Mit 18 Jahren können sie in der Erwachsenenliga spielen, möglich ist auch ein Einsatz bereits mit 17, dann aber nur mit Sondergenehmigung.

Selbst wenn der eine oder andere junge Kicker den Verein verlässt, gebe es noch genügend Spieler, um wieder eine Männermannschaft auf die Beine zu stellen. Das muss nach Pohls Worten aber nicht bedeuten, dass es sechs Jahre keine Männermannschaft gibt. „Falls sich jemand findet, der ein neues Team aufbauen will, ist er jederzeit bei uns willkommen“, sagt Pohl.