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Der Geisterbaum von Adelsdorf

An einer Straße im Landkreis Meißen hat dieser Straßenbaum seit Tagen ein ganz ungewöhnliches Kleid. Das ist aber gar nicht gefährlich.

Über und über mit feinen Netzen ist dieser Straßenbaum bedeckt. Er leuchtet schon von Weitem in weiß.
Über und über mit feinen Netzen ist dieser Straßenbaum bedeckt. Er leuchtet schon von Weitem in weiß. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Adelsdorf.  Ja, ist denn schon Halloween? Dieser Straßenbaum an der Kreisstraße zwischen Skaup und Adelsdorf scheint sich in der Zeit geirrt zu haben. Seit etwa 14 Tagen, so berichten Anwohner, steht er voller feiner Netze und sieht gespenstisch aus. Die ganze Krone ist davon bedeckt, und auch der Stamm ist eingesponnen. Schon von Weitem leuchtet der Baum weiß - grüne Blätter hat er längst nicht mehr. 

Vorbeifahrende vermuten, dass der Prozessionsspinner hier sein Werk getan hat. Berichten zufolge ist er immer häufiger auf Bäumen als Schädling anzutreffen. Grund ist wohl die zunehmende Trockenheit. Die Berührung mit den Gifthaaren der Raupe kann bei Menschen starke Hautreaktionen und Schleimhautreizungen verursachen. Bei Allergikern kann es zu Atembeschwerden kommen. Bei sehr heftigen Reaktionen oder Reizungen von Mund- und Nasenschleimhaut durch das Einatmen der Haare des Insektes sollte man sich keine Zeit mit einem Arztbesuch lassen.

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Das Weiß dieses Baumes könnten die von den Raupen zurückgelassenen Häutungsgespinste sein, wird vermutet. Sie befinden sich nicht nur in den Baumkronen, sondern eben auch am Stamm. Im Frühjahr ist Schlupfzeit beim Prozessionsspinner.

Auch der Stamm ist voll eingesponnen.
Auch der Stamm ist voll eingesponnen. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Hier müssen Schädlingsbekämpfer ran, denkt man. Beauftragt vom Landkreis, denn der ist Baulastträger der Kreisstraße. Wird die Entfernung der Nester große Technik erfordern? Oder die chemische Keule? SZ fragte beim Landkreis nach. Ob bei diesem stark befallenen Baum ein Entfernen allein sinnvoll ist, fragen sich viele.  

Die Straßenaufsicht der Straßenmeisterei Großenhain hat die ersten Fraßspuren und Gespinste bereits Mitte Mai festgestellt und dokumentiert. "Anschließend erfolgte die Artenbestimmung", so Kreissprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. Es handelt sich in diesem Fall allerdings um eine Gespinstmotte, von der es rund 70 Arten in Mitteleuropa gibt, und nicht um den Eichenprozessionsspinner, so die Antwort.

Zwar sieht der massive Befall des Pflaumenbaumes mit der Pflaumengespinstmotte sehr ungewöhnlich aus. "Allerdings entsteht kein Handlungsbedarf, da keine Gesundheitsgefährdung für Verkehrsteilnehmer besteht, und der Baum sich vom Kahlfraß erholen wird", sagt Anja Schmiedgen-Pietsch.

Der Einsatz von Spritzmitteln zur Schädlingsbekämpfung sei aus diesen Gründen nicht erforderlich und wäre auch nicht wirkungsvoll. Durch die Gespinste kann das Spritzmittel bei normaler Anwendung/Vernebelung nicht zu den Raupen vordringen und die Gefahr, andere Nutzinsekten zu schädigen, ist größer als der mögliche Nutzen. 

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2016 trat der Prozessionsspinner allerdings zwischen Lenz und Großdobritz in Erscheinung, vier Jahre vorher gab es Fälle in Schönfeld. Anfang des Vorjahres waren es Nesselraupen, die es sich auf den Bäumen entlang des Radweges parallel zu Kronospan bequem gemacht hatten.

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