merken
PLUS

Der geplatzte Brückenbau

Mit dem Bau der B 170 verschwand die Brücke an der Dippser Tankstelle. Der Neubau lässt seit Jahren auf sich warten.

Von Regine Schlesinger

Nur auf Stadtplänen findet man sie noch, die alte Steinbruchbrücke, über die Fußgänger und Radfahrer in Höhe der Aral-Tankstelle in Dippoldiswalde von der B 170 zur Eichleite gelangen konnten und von dort aus sicher in die Stadt.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße musste die Brücke vor etwa vier Jahren abgerissen werden. Ein Ersatzneubau war versprochen. Doch bis heute ist davon nichts zu sehen. Der mehrfach angekündigte Baubeginn verzögert sich Jahr für Jahr. Zunächst gab es unterschiedliche Auffassungen zwischen unterer Wasserbehörde und unterer Naturschutzbehörde zum Standort der Brücke. Am dafür ausgesuchten Platz, so hieß es, soll der besonders geschützte Eisvogel sein Jagdrevier haben. Also musste neu geplant werden. Doch der neue Plan stieß auf Kritik. Die Brücke sei zu steil geplant, hieß es. Auch 2013 rückten keine Bauleute an. Auf Nachfrage erfuhr die Stadt dieses Mal, dass beim Landesamt kein Personal zur Verfügung stehe, das die Planung übernehmen könnte. Die Mitarbeiterin, die sich bisher damit befasste, sei nur befristet eingestellt gewesen.

Immer noch auf Standortsuche

Eine Aussage, mit der sich die Stadtverwaltung aber nicht zufrieden geben wollte. Sie hakte noch mal nach. Doch auch für 2014 kann OB Ralf Kerndt in Sachen Brückenbau bislang keinen Fortschritt vermelden. Die Antwort des Bauherrn, dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr, fiel ernüchternd aus. Die Behörde versicherte zwar, dass sie am Ersatzneubau dranbleiben will, bislang aber noch keine Lösung für den Standort der Brücke gefunden sei – wegen des Eisvogels. Das Landesamt kündigte an, den Standort jetzt erst einmal über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten zu wollen. Eine Antwort, die niemanden zufriedenstellt. Auch OB Kerndt kündigte an, dass sich die Stadt damit nicht abfinden will. „Es kann nicht sein, dass wir noch Jahre warten sollen, obwohl der Brückenbau vertraglich zugesichert wurde“, sagt er.

Die Stadtverwaltung will daher jetzt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie die untere Naturschutzbehörde an einen Tisch holen, in der Hoffnung, dass im gemeinsamen Gespräch eine Lösung gefunden wird, für die nicht noch mehr Jahre ungenutzt verstreichen. Doch da offenbar noch nicht einmal der Standort für die Ersatzbrücke klar ist, gibt es wohl auch noch keine Planung. Daher wird in diesem Jahr sicher nicht mehr gebaut und ob im nächsten, scheint fraglich.

Rainer Bellmann, der Chef der Dippoldiswalder Ornithologen-Fachgruppe des Naturschutzbundes, dürfte sich darüber sehr wundern. Er hatte bereits vor zwei Jahren gegenüber der Sächsischen Zeitung erklärt, dass er eine Verschiebung des Brückenstandortes aufgrund des Eisvogel-Vorkommens für überflüssig hält.

Eisvogel brütet woanders

Seine Begründung: Der Eisvogel würde dort gar nicht brüten, sondern nur auf Nahrungssuche gehen. Das habe er schon vor dem Abriss der Steinbruchbrücke getan und dabei ließe er sich auch vom Verkehr auf der Bundesstraße nicht stören. Seine Bruthöhlen grabe sich der Eisvogel woanders, an ruhig gelegenen Böschungen und Steilhängen, so Bellmann. Vielleicht kommt auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zu dieser Erkenntnis, wenn die angekündigten, längeren Beobachtungen abgeschlossen sind. Gestern war von der Behörde dazu keine Stellungnahme zu bekommen.