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Löbau

Der Geschmack der Kindheit

Es gibt kaum ein Volksfest ohne Menschel-Limo aus dem Faß. Das hat sich seit DDR-Zeiten nicht geändert. Wie schafft der Familienbetrieb aus Hainewalde das?

Hier steht der Chef selbst am Fließband: Seit Jahrzehnten produziert Peter Zabel in Hainewalde die Menschel-Limo.
Hier steht der Chef selbst am Fließband: Seit Jahrzehnten produziert Peter Zabel in Hainewalde die Menschel-Limo. © Matthias Weber

Peter Zabel steht am Fließband. Konzentriert verfolgt er den Weg der Flaschen, die von der einen Seite der kleinen Produktionshalle über das Förderband auf die andere Seite fahren. Er achtet darauf, dass in jeder Flasche die gleiche Menge Limonaden-Wasser-Gemisch landet.

Gerade wird die berühmte rote Himbeer-Brause abgefüllt - der Klassiker unter den Menschel-Limos. Der Raum ist so klein, dass man problemlos den ganzen Produktionsablauf von der Waschanlage für die Flaschen bis zur fertig abgefüllten Limonade auf einen Blick sehen kann. Seit Jahrzehnten produzieren Peter Zabel und seine Mitarbeiter in der kleinen Produktionshalle auf dem Hof der Familie in Hainewalde. Zabel ist der Urenkel von Firmengründer Ernst Menschel. 1899 fing Ernst Menschel an, Brause und andere Getränke herzustellen und im Dorf zu verteilen. Seitdem stellt die Familie auf dem Anwesen am Waldrand Limonade her, inzwischen in der vierten Generation. Das heißt aber auch: Die Firma hat schwierige Zeiten überstanden - zwei Kriege, Wirtschaftskrisen, die DDR-Epoche, die Wendezeit und den Übergang in den Kapitalismus.

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Heute gibt es Menschel-Limo nicht mehr nur in Hainewalde und Umgebung - wie zu Ernst Menschels Zeiten. "In Ostsachsen sind wir flächendeckend im Handel vertreten", erklärt Stefan Kubitz, der zweite Geschäftsführer neben Peter Zabel. Er stieg vor einigen Jahren mit ins Geschäft ein. Er kümmert sich darum, dass die Limonade unter die Leute kommt, während Peter Zabel die Produktion leitet. Diese neue Aufteilung hat schon Früchte getragen. Auch Gastronomen im Dresdner Raum, sogar in Leipzig und Brandenburg ordern Menschel-Limo und bieten sie in ihren Lokalen an. "Von der Produktionsmenge her sind wir jetzt wieder auf dem Stand von Ende der 80er Jahre", so Kubitz. Noch vor fünf, sechs Jahren ging nur etwa ein Drittel davon in Hainewalde vom Band, beschreibt er die einst angespannte Situation.

Sortenwechsel in der Produktionshalle: Peter Zabel spült die Kolben, aus denen der Sirup als Grundstoff für die Limo in die Flaschen gespritzt wird, gründlich aus. Dann stöpselt er den Schlauch um, der den süßen Saft befördert. Als nächstes ist eine Ladung Waldmeister-Limo dran.

Dieses Geheimnis macht den Geschmack aus

Eine Etage höher stehen die Bottiche mit dem bunten Sirup, der unten zur Limonade verarbeitet und abgefüllt wird. Ein besonderes Geheimnis der Limo aus Hainewalde: Für den Grund-Sirup, der zum Beispiel nach Himbeere oder Waldmeister schmeckt, wird Kristallzucker aufgelöst. Das macht unter anderem den Geschmack aus. "So kennen es die Leute aus ihren Kinderzeiten", sagt Stefan Kubitz. Der Geschmack der Kindheit - genau das sei es, was die Menschel-Limo bis heute so beliebt macht, dass sie auf keinem Volksfest in der Region fehlen darf. "Und das schmeckt auch den heutigen Kindern", so Kubitz. Himbeere und Waldmeister - also die rote und die grüne Limo - sind nach wie vor die beliebtesten Sorten. 30 bis 40 Prozent der Produktion macht die Faßabfüllung für Volksfeste aus.

An den großen Sirup-Bottichen arbeitet bereits die fünfte Generation der Limo-Familie. Andreas Hänsch ist der Neffe von Peter Zabel und eigentlich gelernter Gärtner. „Früher wollte ich damit nichts zu tun haben – außer die Limo zu trinken“, sagt er lachend. Später entschied er sich dann doch um. In der Firma ist er nun sozusagen der Alchimist und überwacht, dass das farbige Gebräu im Sirup-Bottich die richtige Mischung hat.

Jede Zeit in der langen Geschichte von Menschel-Limo hatte ihre Herausforderungen. Aktuell bringt zum Beispiel die Klimaschutzdiskussion Herausforderungen mit sich. In diesem Sommer wurde das Leergut knapp. Denn Plastik ist immer mehr verpönt. Menschel füllte schon immer in Glasflaschen ab. Die Flaschen werden immer wieder gründlich gereinigt, so kann man sie über Jahre verwenden. "Es kommen sogar immer noch DDR-Flaschen zurück", erzählt Geschäftsführer Stefan Kubitz. So hat eine Flasche, die mindestens 30 Jahre alt sein muss, erst kürzlich den Weg zurück in die Hainewalder Manufaktur gefunden. Kubitz erkennt das an der Form der Flasche. Bauchig wie die heutigen waren die Menschel-Flaschen schon immer. Früher hatten sie zusätzlich noch Rillen im oberen Bereich.

Glasflaschen sind gefragt

Im Zuge der Klimaschutzdebatte kommen nun auch viele andere Getränkehersteller auf die Idee, ihre Getränke in Glas- statt Plasteflaschen abzufüllen. Glasflaschen sind gefragt, die Hersteller kommen kaum hinterher. Bestellt man neue Flaschen dauert es bis zu einem Jahr bis sie geliefert werden können, beschreibt Stefan Kubitz eines der aktuellen Probleme.

"In der DDR waren die Rohstoffe Mangelware", erzählt Stefan Kubitz aus der Firmengeschichte. "Da konnte eben nur das abgefüllt werden, was es gab." Jetzt stellt sich der Familienbetrieb der Herausforderung, dass es nahezu alles gibt und die Konkurrenz entsprechend groß ist. Deshalb muss man sich abheben von der Konkurrenz, das ist in jeder Branche so. Menschel versucht das mit kreativen Limo-Sorten. 16 gibt es insgesamt. Hinzu kommen individuelle Sonderabfüllungen, etwa die Querxenlimo für das Seifhennersdorfer Kinder-Erholungszentrum. Die neueste Kreation ist eine Zittau-Limo. Menschel profitiert dabei auch von der kleinen Betriebsgröße mit gerade einmal dreizehn Mitarbeitern. "Durch den Manufakturcharakter können wir auch kleinere Mengen herstellen", sagt Kubitz - eben auch Sondereditionen. Und auch spezielle Trends lassen sich leichter umsetzen. Schokobrause etwa hat sonst niemand, sagt Stefan Kubitz. "Wir können Nischen füllen."

Deshalb soll sich am Charakter des Betriebes als Manufaktur auch nichts ändern. Erweitern will sich das Unternehmen zwar und eine neue Halle bauen. Die soll aber vorrangig dafür gedacht sein, die produzierte Limo zu lagern. Denn bisher sind die Lagerkapazitäten auf dem Gelände sehr begrenzt. "Wir können nur so viel herstellen, wie wir sofort ausliefern können", erklärt Kubitz. Bestellt jemand eine größere Menge Limonade, kann das den Betrieb vor ein Problem stellen. Das soll sich mit einer neuen Halle klären. Und auch die Arbeitsabläufe für die Mitarbeiter sollen dann effektiver sein.

Manufaktur auf dem Menschel-Hof bleibt bestehen

Es ist ein Spagat, den das Familienunternehmen wagt. Der Spagat zwischen Tradition und Authentizität und der Herausforderung, zwischen vielen Konkurrenten am Markt zu bestehen. Trotz neuer Maschinen und großer Bauvorhaben sind die Limo-Macher aus Hainewalde stolz darauf, dass sie genauso arbeiten, wie sie es seit Jahrzehnten tun. Daran soll sich auch dann nichts ändern, wenn die Baupläne umgesetzt werden. Die Manufaktur in dem alten Gebäude auf dem Menschel-Hof bleibt bestehen, versichert Kubitz. Chef Peter Zabel wird also auch weiterhin selbst am Förderband stehen und die Limo in die Flaschen bringen. Handarbeit eben. Auch das macht ihn aus, den Geschmack der Kindheit.

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