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Der gesunde Schluck für die Seele

Serie. Johanniskraut im Tee oder Saft – Apotheke und Reformhaus raten zuzugreifen. Man kann Heilpflanzen natürlich auch selbst sammeln.

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Von Gabriele Naß

Das Teetrinken soll helfen, gute Stimmung zu machen, wenn die Tage kürzer werden und die Sonne fehlt? Ja, sagen Apotheker, Reformhausbetreiber und überzeugte Kräutersammler. Und sie sprechen aus Erfahrung. Immer mehr Menschen würden bewusst zum schonenden Naturprodukt greifen – statt zur oder ergänzend zur Tablette. „Manche wissen sehr gut Bescheid und fragen beispielsweise gezielt nach bestimmten Kräutermischungen für Tees. Andere lassen sich beraten“, sagt Apothekerin Gunthild Hödt, angestellt in der Sonnenapotheke Bischofswerda.

Peggy Winter macht in ihrem Reformhaus an der Kirchstraße in Bischofswerda ähnliche Erfahrungen: Natursäfte und Tees werden gezielt nachgefragt. Über das Interesse ihrer Kunden freut sie sich nicht allein des Umsatzes wegen: „Ein Kunde meinte neulich, dass, wer wenig in Gesundheit investiert, später viel Zeit und Geld für Krankheiten haben muss. Ich finde, er hat recht.“

Johanniskraut gehört zu den Heilpflanzen, die wegen ihrer die Stimmung aufhellenden Wirkung dem Körper das ganze Jahr über gut tun. Jetzt, da die Tage kürzer werden, kann man sich damit gute Laune machen – der sogenannten Winterdepression entgegenwirken. Ob man zum Dragee, zum puren Saft oder zur getrockneten Heilpflanze greift, hängt vom Grad der Verstimmung ab. „Aber ein Tee kann zu einer ausgeglichenen Stimmungslage schon sehr viel beitragen“, sagt Gunthild Hödt.

Zum Pflücken und Trocknen allerdings ist es jetzt längst zu spät. „Das Johanniskraut sammelt man im Sommer“, sagt Regina Weinert aus Demitz-Thumitz, deren Fachkenntnis im Umgang mit Heilpflanzen viele schätzen – darum mit ihr auf Exkursion gehen oder sich in Kursen erklären lassen, woher man Kräuterpflanzen bekommt, wie man sie hegt, pflegt, trocknet und verarbeitet. Sie verwende vom Johanniskraut insbesondere die Blüten, um Tee zu bereiten, zum Teil in Mischungen unter anderem mit Melisse oder Kamille. „Vor allem steckt der aufhellende Wirkstoff des Johanniskrauts in den Blüten. Ich verwende aber auch Blätter und Stile“, sagt Regina Weinert. Doch Vorsicht: Pflanzen, von denen man sich bedient, sollten abseits befahrener Straßen und anderer die Umwelt schädigender Einflüsse stehen. „Denn waschen kann man sie nicht. Sie würden schimmeln ehe sie trocken sind“, sagt Regina Weinert. Deren Pflanzen hängen zum Trocknen auch schon mal überm Kleiderbügel in einem luftigen Zimmer, normalerweise aber im Freien, „jedoch nicht in der prallen Sonne, möglichst dort, „wo ein Wind geht“.

Zeit, um Kräuter in der Natur zu sammeln und aufzubereiten, hat allerdings nicht jeder. Und nicht jeder hat Platz für einen Kräutergarten. Wer dennoch nicht auf die Kraft der Natur verzichten möchte, wird in Apotheken und Reformhäusern gut beraten und versorgt. Hier gibt es das getrocknete Johanniskraut und andere Heilpflanzen abgepackt oder als reinen gepressten Saft – geliefert von Firmen, die die Heilpflanzen gezielt anbauen und dabei einer strengen Kontrolle unterliegen, bis hin zum Standort. Gunthild Hödt beweist das in der Sonnenapotheke anhand von Prüfprotokollen, die die Hersteller ihren Produkten beilegen müssen, und sie erklärt, wie in der Apotheke Heilkräuter vom Lieferanten unterm Mikroskop bzw. in chemischen Verfahren noch einmal einer Kontrolle unterzogen werden. In den Prüfprotokollen festgehalten ist beispielsweise der Gehalt des Wirkstoffes Hypericin im Johanniskraut. Bei Heilkräutern, die Apotheken an Kunden abgeben, darf diesen einen Grenzwert nicht unterschreiten. Was wiederum die Apothekerin veranlasst, auch zu sagen: „Heilpflanzen sind kein Lebens-, sondern ein Arzneimittel.“ Tees, die daraus bereitet werden, sollten darum kein Tagestee sein, auch sei es besonders für Frauen ratsam, das Zusammenspiel von Gesundheitstee und notwendig einzunehmenden Medikamenten zu hinterfragen. Mancher Tee möchte so nicht zeitgleich mit der Einnahme der Pille getrunken werden.

La-Pacho vergriffen

Soll jedoch das Heißgetränk seine heilende Wirkung entfalten, muss man es regelmäßig trinken. Zu vier Tassen am Tag rät die Sonnenapotheke bei ihrem „Tee gegen Depressionen“ – eine Mischung von Gunthild Hödt (die schon als Kind mit den Eltern Kräuter gesammelt und verarbeitet hat) aus Johanniskraut, Hopfenzapfen, Lavendelblüten, Dill-, Ehrenpreis- und Herzgespannkraut , angeboten übrigens in einer Tüte in Blau-Gelb mit Blick aufs Rathaus Bischofswerda.

Peggy Winters Geheimtipp aus dem Reformhaus ist Hafersaft – weil aufbauend und kräftigend. Beim Tee greift sie selbst zurzeit am liebsten zu Ginkgo vom Japanischen Tempelbaum. Vor allem junge Leute hielten sich dagegen besonders an Yogitees – wegen der Gewürze von Ingwer über Süßholz und Zimt bis Piment mit wärmender Wirkung. Der Tee „Abwehrfit“ mit der Rinde vom La-Pacho-Baum sei jedoch der absolute Renner, sagt Peggy Winter. Diese Teemischung war jetzt in ihrem Reformhaus sogar vergriffen, soll aber nächste Woche wieder zu haben sein.

Teil vier der Serie lesen Sie am kommenden Mittwoch. Dann geht’s ums gute Buch.