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Flagge zeigen gegen Gewalt

Häuslicher Gewalt kann nur mit gut vernetzten Hilfsangeboten entgegengewirkt werden. Die fehlen im Weißeritzkreis.

Von Maria Trixa

Etwa jede vierte Frau in Deutschland wird misshandelt. Auch Männer sind vor häuslicher Gewalt nicht gefeit. Gewalt meint dabei nicht nur die offensichtliche, körperliche Ausübung. Auch psychische Unterdrückung wie das Untersagen von Kontakten oder ökonomische Gewaltausübung durch die Zuteilung von Geld fallen in den Bereich häuslicher Gewalt.

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Gestern fand dazu eine Fachtagung im Landratsamt in Pirna statt. Über 300 Einladungen hatte Teresa Schubert im Vorfeld verschickt. Lediglich 25 Personen folgten Einladung der Gleichstellungsbeauftragten im Landratsamt. Dennoch zeigten sich die Veranstalter zufrieden. „Wir haben die Fahne am Tag der Gewalt an Frauen auch schon zu sechst gehisst“, sagt Sandra Schröter, die Leiterin des Pirnaer Frauenhauses. Denn häusliche Gewalt bleibt ein Tabuthema.

Und so widmeten sich die Teilnehmer vor allem der Frage nach dem Umgang mit Verdachtsfällen. Wie komme ich an die Familien ran? Was muss ich tun und wen kann ich um Hilfe bitten? Ein eingangs gezeigter Film diente in der nachfolgenden Diskussion als Grundlage. Hierbei teilten sich die Teilnehmer in Gruppen auf, die sich jeweils mit einer der drei Perspektiven von Opfer, Kinder und Täter befassten. Nur unter der Berücksichtigung all dieser Perspektiven kann die Gewaltspirale durchbrochen werden.

In jedem Fall beginnt die Hilfe bei einem ersten Gespräch mit den Betroffenen. „Anschließend muss jeder in seiner Funktion das Beste tun, um Hilfestellung zu leisten“, zieht Gerlinde Hetmank ein Fazit aus ihrer Arbeit als Referatsleiterin beim Jugendamt. Insofern bot das Aufeinandertreffen verschiedener Professionen zur gestrigen Tagung einen guten Ausgangspunkt. Neben der Polizei waren Erzieher, Vertreter von Beratungsstellen und sogar eine Rechtsanwältin anwesend. Die Teilnehmer kamen aus dem ganzen Landkreis. Doch Anlaufstellen finden Betroffene bisher nur in Pirna oder Dresden. Das führe dazu, dass kaum jemand aus dem ehemaligen Weißeritzkreis seinen Weg zu einer Beratungsstelle findet, erklärte Sandra Schröter.

Daher erscheint zeitgleich die neu aufbereitete Broschüre „Leben ohne Gewalt“, die zur Aufklärung beitragen soll. Zusätzlich können Notfallkärtchen mit Telefonnummern für die Erste Hilfe beim Landratsamt bestellt werden.

„Diese Kärtchen sind relativ unverfänglich, da hier auch allgemeine Notrufnummern aufgeführt sind“, sagt Teresa Schubert. Die Teilnehmer der Tagung griffen diese gerne auf. Ein erster Schritt für die Wiederbelebung des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt wurde damit gestern getan.

Ansprechpartner sind die Polizei 110, die Beratungs- und Interventionsstelle 0351 79 55 22 05, das Pirnaer Frauen- und Kinderschutzhaus 03501 54 71 60 und die Täterberatung Escape in Dresden 0351 81 04 34  3.