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Der Grauammer Freud – der Kreuzkröte Leid

Auf dem Terrain des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland entwickelt sich die Tierwelt ganz unterschiedlich.

Grauammern brauchen zum Leben offene Landschaften mit einzelnen Bäumen und Sträuchern. Weil sie das auf dem Gebiet des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland ausreichend vorfinden, geht es der Art hier sehr gut.
Grauammern brauchen zum Leben offene Landschaften mit einzelnen Bäumen und Sträuchern. Weil sie das auf dem Gebiet des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland ausreichend vorfinden, geht es der Art hier sehr gut. © Foto: pixabay

Lausitzer Seenland. Waldumbau heißt das Fachwort, wenn beispielsweise in Kiefern-Monokulturen Eichen oder Linden gepflanzt werden. Aus Nadelwald wird so Mischwald. Über Jahre hat man es auch auf den Flächen des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland an Neuwieser See, Bergener See und Erikasee so gehalten. Momentan ist daran nicht zu denken, berichtet Dr. Alexander Harter. Er ist der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, die sich um die dem Naturschutz gerechte Bewirtschaftung der rund tausend Hektar kümmert.

Grund für die Strategieänderung ist nicht etwa, dass ein Großteil der Flächen früheres Bergbau-Kippengelände ist, welches nach den Rutschungen in der Spreetaler Innenkippe vor einem Jahrzehnt gesperrt wurde. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Waldbesitzer auch in der Lausitz derzeit einen Sisyphos-Kampf gegen kleine, hungrige Lebewesen namens Borkenkäfer führen. Die Trockenheit insbesondere der letzten zwei Jahre hat die Bäume so geschwächt, dass sie den Insekten kaum etwas entgegensetzen können.

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Dort, wo der Waldumbau gelungen ist, sagt Harter, seien die Schäden bisher nicht so groß. Die Borkenkäfer mögen vor allem Kiefern. Aber statt neue Laubbäume pflanzen zu können, kümmert man sich im Naturschutzgroßprojekt nun wie überall um eine Eingrenzung der Schäden. Manchmal können die Kiefern einfach liegenbleiben. Über die Zeit wird die Sandböden überdeckender Humus daraus. Das geht aber nur dort, wo die kleinen Schädlinge keine Nachbarbestände befallen können. Ansonsten muss das Holz aus dem Wald. Die Sperrungen erschweren das freilich.

Laichgewässer ausgetrocknet

Die Kiefern sind aber nicht die einzige Art, der die Trockenheit so zugesetzt hat. Neben der Flora ist auch die Fauna betroffen. „Am meisten zu leiden haben die Amphibien“, sagt Dr. Harter. Sie fänden keine Laichgewässer mehr. Gut ein Dutzend durch Regen gespeiste Tümpel und Wasserlöcher sind ausgetrocknet. Und das Wasser der Bergbaufolgeseen ist für die Vermehrung derzeit noch viel zu sauer. Die Folge ist ein starker Rückgang der Bestände etwa an Kreuzkröten und Wechselkröten. Alexander Harter hat gezählt. “Ich war entsetzt“, sagt der gGmbH-Geschäftsführer.

Dass die Amphibien-Populationen in Teilen zusammengebrochen sind, hat auch Auswirkungen auf andere Tiere, denn diversen Reptilien und Vögeln dienen sie als Futter. Man kann das natürlich die Nahrungskette hinauf weiter durchdeklinieren. Es gibt freilich nach wie vor Arten, die auf dem Gebiet des Naturschutzgroßprojektes prächtig gedeihen. „Die haben kein Problem mit der Trockenheit“, sagt Alexander Harter etwa über die Grauammern. Die Vögel profitieren vom Halboffenland, das sie in den Projekt-Gebieten vorfinden. Und viele Reviere bedeuten viele Brutpaare. Auch jene Vögel, von denen ein stilisiertes Exemplar als Logo des Naturschutzgroßprojektes dient, machen dessen Chef Freude. Im vorigen Jahr ist ein Rekordbestand an Ziegenmelkern gezählt worden. Die registrierten fast 40 Brutpaare der sogenannten Nachtschwalben stellen ein Zehntel aller Ziegenmelker in Sachsen dar.

Ein kleines Mysterium ist hingegen das Verschwinden der Wiedehopfe. Über die letzten drei Jahre sind starke Bestandsrückgänge beobachtet worden. „Wir können uns das bisher nicht erklären“, sagt Alexander Harter. Es gebe eigentlich genügend Heuschrecken und Grillen als Nahrungsgrundlage. Und Steinmarder oder Waschbären haben mit dem Ganzen wohl auch nichts zu tun. Zufriedenstellend ist die Sache jedenfalls nicht. Die Art ist schließlich als gefährdet eingestuft

Unschöne Finanz-Auswirkungen

„Ich bin stolz darauf, dass es uns unter den extremen Bedingungen der Sperrungen gelungen ist, bis 2019 einen ausgeglichenen Haushalt zu haben“, erklärt Harter. Dem Jahresende 2020 blicke er dagegen mit gewisser Spannung entgegen. Denn Trockenheit und Borkenkäferplage machen sich auch wirtschaftlich bemerkbar. Zu den kostspieligen Auflagen für Arbeiten im Sperrgebiet kämen nun noch hohe Mehraufwendungen für die Schadholz-Aufarbeitung. Und weil man den Verkauf des Holzes vergessen kann, fallen zudem Einnahmen weg. Andererseits ist es im Forst eben immer so, dass er nur langfristig betrachtet Sinn ergibt. Geduld, sagt Alexander Harter, sei eine Tugend, die in diesem Zusammenhang wesentlich ist.

So sah 2015 eine vitale Kreuzkröte im Projektgebiet aus.
So sah 2015 eine vitale Kreuzkröte im Projektgebiet aus. © Foto: Naturschutzgroßprojekt
Geschwächt und farblos geriet dieses Tier voriges Jahr vor die Linse.
Geschwächt und farblos geriet dieses Tier voriges Jahr vor die Linse. © Foto: Naturschutzgroßprojekt

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