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Der größte Schwelbrand des Jahres wird gelöscht

Schwarze Kunst. Bald gibt der Tharandter Meiler seine Innereien preis.

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Von Jörg Stock

„Was macht ihr denn hier?“ Die walzenden Wandergesellen lassen ihre Knotenstöcke ruhen und gucken auf den qualmenden Hügel und auf Bernd Papperitz in seiner schwarzen Kluft. „Holzkohle“, sagt der kleine Tharandter knapp. Und weil die Burschen ungläubige Miene machen, schiebt er nach: „Traditionspflege. Genau wie ihr.“

Wie viele Meiler er schon schwelen ließ? Darauf hat Bernd Papperitz keine Antwort. Er hat sie nicht gezählt, sagt er. Auf jeden Fall ist er seit 25 Jahren im Geschäft. Aber Geschäft ist die Meilerei im Tharandter Breiten Grund natürlich nicht. Für die Tharandter Feuerwehr, die hier jedes Jahr den Buchenholzkegel schichtet, bedeutet die Aktion gute 2 000 Stunden Arbeit. Ihr Chef und Köhlermeister Bernd Papperitz wohnte seit Pfingsten praktisch neben dem räuchernden Koloss. Nach der Zündung zum Meilerfest wachte er über den Schwelvorgang, stellte sich sogar nächtens den Wecker, um nach dem Rechten zu sehen.

Auch jetzt gibt’s wieder was zu tun. Die irdene Decke des braunschwarzen Buckels hat am Rand ein Loch, drunter knistert hellrot die Glut. „Risse müssen sofort zugemacht werden“, erklärt Bernd Papperitz und greift sich eine Schaufel. „Sonst zieht der Meiler falsch Luft und brennt ab.“ Alle Mühe wäre dann umsonst gewesen.

Doch bis jetzt ging alles glatt. Die hundert Kubikmeter Buchenholz, gewachsen im Tharandter Wald, haben sich schon zum Großteil in Holzkohle verwandelt. „Zu zwei Dritteln ist der Meiler fertig“, schätzt der Experte. Was sich unter dem Erdmantel tut, das erkundet Bernd Papperitz mit seiner eisernen Köhlerstange. Trifft der Spieß auf Widerstand im Haufen, ist noch Holz enthalten, das zu Kohle werden muss. Der Schwelprozess lässt sich mit Luftlöchern steuern, die der Köhler in den dampfenden Buckel piekt. Wo, wann, wie viele – das sind Erfahrungswerte. Ein Patentrezept gibt es nicht in der Köhlerei. „Jeder Meiler ist anders.“

Rasensprenger bringt Kühlung

Seine ersten Kenntnisse im Metier sammelte Bernd Papperitz Ende der Siebziger bei einem Köhler aus Ottendorf-Okrilla. Heute kann der Tharandter selbst Erfahrungen an andere weiterreichen. Zum Fachsimpeln fährt er regelmäßig zu den Treffen des Europäischen Köhlervereins, wo die Stadt Tharandt Mitglied ist. Papperitzens Traum wäre es, die Euroköhler auch mal nach Tharandt einzuladen. Doch nun will er erstmals abwarten, was der neue Bürgermeister dazu sagt.

Viel wichtiger ist jetzt ohnehin die Bergung der jüngsten Kohleproduktion. Das Vorspiel soll schon dieses Wochenende starten. Dann löscht Papperitz mit seinen Gesellen den mächtigen Schwelbrand. Die Meilerdecke wird mit Wasser abgekühlt. Hilft der Himmel nicht, tut’s auch ein Rasensprenger. Später werden Erde und Kohle mittels Sieb getrennt und der begehrte Brennstoff eingesackt. In einer Woche darf ihn der Grillfreund abholen. Werbung fürs Produkt macht Bernd Papperitz nicht. Er verweist auf die Fakten. „Wer einmal hier gekauft hat, kommt immer wieder.“

Die schwitzenden Wandergesellen indes können mit Kohle nichts anfangen. Sie lechzen nach Erfrischung. Doch auch da kann der Köhler helfen und rettet den Burschen mit fünf Bier den Tag.

Holzkohleverkauf: Sonnabend, 1. Juli,

ab 8 Uhr, Meilerplatz im Breiten Grund

Tharandt. 15 Kilo kosten 13 Euro.