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Der große Kreisverkehr verschwindet wieder

Auch wenn er funktioniert, wird er Ende nächster Woche abgeschafft. Die Bahn zahlt nicht mehr für den Kreisverkehr an der Großenhainer Straße.

Von Harald Daßler

Statt großem Kreisverkehr große Kehrtwende! Aus dem erst vorige Woche verkündeten Vorhaben, die Verkehrsführung im Dreieck von Großenhainer, Niederauer und Karlstraße nach den Regeln eines Kreisverkehrs zu belassen, wird es nichts. Zumindest vorerst, wie Ordnungsamtschef Markus Renner gestern auf einer eilends im Rathaus einberufenen Pressekonferenz klarstellte. Der im Bauausschuss gefasste Beschluss ist demnach nur als Absichtserklärung zu verstehen. Aufgrund der überwiegenden Zustimmung vor allem von Autofahrern solle der Kreisverkehr langfristig installiert werden. Allerdings bedarf es dazu einiger Umbaumaßnahmen, um die angestrebte dauerhafte Verkehrsregelung sicher zu gestalten. Bis dahin aber werde an den Straßen der Zustand wiederhergestellt, wie er bis zur Einrichtung des provisorischen Kreisverkehrs geherrscht hatte, erklärte der Ordnungsamtschef.

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Das Provisorium war vor einem Jahr im Zuge der Straßensperrungen wegen der Bauarbeiten der Bahn auf der Fabrikstraße geschaffen worden. Mit der gestrigen Freigabe der Fabrikstraße entfällt nun der Grund für die Umleitungen und geänderten Verkehrsführungen auf zahlreichen Straßen. Deshalb müsse nun – voraussichtlich Ende nächster Woche – der Urzustand wieder hergestellt werden. Für die Großenhainer, Niederauer und Karlstraße bedeutet das: Hier gelten wieder die alten Fahrbahnspuren und Vorfahrtregelungen. Markierungen auf der Straße und Beschilderungen werden angepasst. Neben dem Umprogrammieren der Ampelanlage am Beyerlein-Platz ist auch die Wiederinbetriebnahme der seit einem Jahr ausgeschalteten Ampelanlage an Großenhainer und Niederauer Straße vorgesehen. Damit dürften bei hohem Verkehrsaufkommen Rückstauungen stadteinwärts vorprogrammiert sein.

Dass damit alle Vorteile der Interimslösung entfallen, sei der Verwaltung bewusst, so der Ordnungsamtschef. Aber letztlich geht es ums Geld. Während der Bauarbeiten war die Bahn als Bauherr und Auftraggeber der Umleitungen für den damit verbundenen Aufwand aufgekommen. Ab November ist dies nun Sache der Stadt. Auf etwa 700 Euro beziffert Markus Renner die im Monat anfallenden Kosten für die provisorische Verkehrslösung.

Einen weiteren Grund für die überraschende Ankündigung, die wohl wenig Sympathie finden wird, nannte Martin Schuster vom Bauamt: In der Niederauer Straße ist seit längerem schon vorgesehen, Straßenbelag und -beleuchtung zu erneuern. Das soll einher gehen mit Arbeiten im Untergrund, um Kanäle und Leitungen auszutauschen. Die Meißner Stadtwerke wollen damit im nächsten Jahr, sobald es das Wetter zulässt, beginnen. Durch den Bau bedingte Einengungen auf nur eine Fahrspur werde sich im Bereich zwischen Großenhainer und Karlstraße ein großer Kreisverkehr nicht mehr aufrechterhalten lassen, so Martin Schuster. Stattdessen werden wohl Baustellenampeln aufgestellt werden müssen, was die Staufallen hier noch verstärken dürfte.

Die Stadt wolle aber, dass die in Meißen beliebte Kreisel-Lösung an diesem Straßendreieck kommt, erklärte Markus Renner. Deshalb werde sie das Gespräch mit dem für Großenhainer und Niederauer Straße zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr suchen und sich dafür verwenden, dass Planungen rasch beginnen. Im Zuge des angestrebten Planfeststellungsverfahrens dürften außer Straßenprofilen und -radien oder künftigen Standorten von Bushaltestellen auch Probleme und Einwände von Anwohnern in den anliegenden Straßen erörtert werden. Vor allem in der Karlstraße sowie in der Gartenstraße hatte es Kritik an der Interimslösung gegeben. Neben der Lärmbelastung in der Karlstraße war das schwierige Überqueren von Großenhainer und Niederauer Straße für Fußgänger nach dem Abschalten der Ampel beklagt worden.

Die gestern von Ordnungs- und Bauamt verkündete Abkehr vom großen Kreisverkehr wirft die Frage auf, warum das nicht bereits im Bauausschuss in der vorigen Woche bekannt gemacht werden konnte. Die zur Sitzung erschienenen Anwohner hätten das bestimmt gern vernommen. Stattdessen kamen sie gar nicht erst zu Wort. Es sei nicht vorgesehen, Bürger in Ausschusssitzungen des Stadtrates anzuhören, hatte sie der OB abblitzen lassen.