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Der große Sachsenschwund

Noch hat der Freistaat mehr als vier Millionen Einwohner. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern.

© dpa

Von Thilo Alexe

Sachsen ohne Sachsen? Trotz Zuzügen und eines Geburtenbooms in Großstädten verliert das Bundesland an Bevölkerung. Mehrere statistische Modellrechnungen beschreiben einen lang anhaltenden Rückgang. Treffen die Grundannahmen zu, fällt der Schwund drastisch aus. In etwa 40 Jahren wird der Freistaat sogar die Marke von drei Millionen Einwohnern unterschreiten.

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Abwanderung und Geburtendefizit sind der Hauptgrund

In Sachsen leben mehr als vier Millionen Menschen. Noch. Zum Ende des vergangenen Jahres waren es nach Daten des statistischen Landesamtes exakt 4.050.204. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren tummelten sich auf dem Gebiet des heutigen Freistaates noch rund 5,5 Millionen Einwohner. Seit 1990 hat sich deren Anzahl um 15 Prozent verringert. Die Analyse der Kamenzer Statistiker: „Hauptursache für den Bevölkerungsrückgang ist das seit Langem bestehende Geburtendefizit. Die Wanderungsverluste verstärken diese Entwicklung.“

Bis 2020 wird die Marke von vier Millionen Einwohnern unterschritten

Setzt sich der Trend fort? Ja, sagen Bevölkerungsforscher. Sowohl das Landesamt in Kamenz als auch das statistische Bundesamt haben dazu Prognosen vorgelegt. Die pessimistische: Bereits 2015, also in zwei Jahren, wird die Vier-Millionen-Marke unterschritten sein. Die optimistische Variante geht von einer Frist bis 2020 aus.

Bevölkerungsentwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich

Dünnt Sachsen also flächendeckend aus? Keineswegs. Denn die Bevölkerungsentwicklung verläuft regional differenziert. Während die zehn sächsischen Landkreise bis 2025 teils kräftig an Bevölkerung verlieren, zeigt sich in Dresden und womöglich Leipzig ein gegensätzlicher Trend.

Die Landeshauptstadt, die zur Jahresmitte nach eigenen Angaben knapp 526.000 Einwohner hatte, könnte sich auf mehr als 550.000 Dresdner vergrößern. Ein allerdings schwächeres Wachstum halten die Statistiker auch in Leipzig für möglich. Neben dem Geburtenplus macht sich vor allem die Zuwanderung aus dem Umland bemerkbar. Anders gesagt: Vor allem Dresden wächst auch auf Kosten der ostsächsischen Regionen.

Der Durchschnittssachse ist 2030 älter als 50 Jahre

Ende 2011 lag das Durchschnittsalter der Einwohner des Freistaates bei etwas mehr als 46 Jahren. Bis 2030 wird es sich auf über 50 Jahre erhöhen. Und der Bevölkerungsrückgang setzt sich fort. Nach Berechnungen des statistischen Bundesamtes werden 2040 noch rund 3,4 Millionen Menschen in Sachsen leben. 15 Jahre später dürfte dann die Drei-Millionen-Schwelle erreicht sein. Sachsen liegt damit im Trend. Auch für Gesamtdeutschland errechnen die Statistiker einen deutlichen Bevölkerungsrückgang.

Die Modelle basieren auf Daten von 2010

Ob alles so kommt? Die komplexen Modelle basieren großteils auf Daten, die vor dem 2013 veröffentlichten Mikrozensus erhoben wurden. Die Volkszählung brachte das überraschende Ergebnis, dass Deutschland wie auch Sachsen weniger Einwohner als bislang angenommen haben. Unklar ist zudem auch, wie sich Geburten und die Zuwanderung aus dem Ausland entwickeln. Die Prognosen werden fortgeschrieben.