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Der Großmarkt als Konkurrenz und Lockmittel

Im neuen Rewe-Supermarkt ist alles optimiert – vom Angebot an Waren bis zur Farbe der Werbung. Für Einzelhändler der Innenstadt ist das nicht gerade hilfreich.

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Von Wulf Stibenz

Aus Sicht der Einzelhändler ist der Rewe-Supermarkt Freud und Leid zugleich. Denn er lockt Kunden aus dem Umland in die Stadt – und damit erhöhen sich für Einzelhändler die Chancen, ihre Waren zu verkaufen. Es ist aber ein ganzes Stück Weg vom Gewerbegebiet Süd bis in die Innenstadt. Und das Angebot im Supermarkt geht nicht erst seit der baulichen Vergrößerung über die Nahrungs- und Genussmittel hinaus. Das ist vor dem Rewe-Umbau in Niesky heftig diskutiert worden – wenngleich Rewe sagt, dass der Umbau keine Veränderung im Sortiment nach sich zieht.

Manfred Bauer von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) bestätigt das indirekt, weil die Nahrungsmittelsupermärkte nur einen gewissen Prozentsatz ihrer Verkaufsfläche mit Waren gestalten können, die nicht unter Nahrung und Genussmittel zählen. Jedoch bestätigt der Wirtschaftsforscher auch, dass mit diesem Warenanteil natürlich gut Geld verdient wird. „Und man baut ja nicht aus, wenn man damit keinen Umsatz machen kann“, sagt Manfred Bauer bedeutungsschwanger mit Blick auf Rewe. Er hat auch für die Stadtverwaltung Niesky bei dieser in vielen Städten kritischen Frage einen wichtigen Tipp: „Sie brauchen im Zentrum eine Entwicklungsfläche“, sagt Manfred Bauer. Er sieht die am Nordende des Zinzendorfplatzes, einschließlich Poststraße. Würde also die Freifläche Schwesternhaus etwa als künftiges Gebiet für Handel ausgewiesen, hätte die Stadtverwaltung mehr Chancen, eine Großmarktansiedlung so zu lenken, dass die den Innenstadthändlern nutzt.

Denn genau dieses Gebiet zwischen Ödernitzer- und Horkaer Einkaufsstraße – hin zu Freizeitpark und Krankenhaus – ist derzeit handelstechnisch nicht erschlossen. Würde dort investiert, wäre die Innenstadt aufgewertet. In der Folge würden sich Kunden länger in der Innenstadt aufhalten, weil es hier mehr zu entdecken gibt. Das bringt mehr Vorteile, als die zurzeit sehr zerrissene Struktur im Ladenangebot. Zudem würde die Innenstadt gegenüber dem Gewerbegebiet Süd aufgewertet – ohne, dass dann bei Rewe die Kunden ausblieben.

Für Stadträtin Christine Lorenz ist der Vorschlag der Marktforscher ein Ansatz – jedoch warnt sie: „Wir können die Ecke am Zinzendorfplatz nicht einfach mit einem Discounter zubauen.“ Das widerspräche dem architektonisch einzigartigen Erbe Nieskys. Die Innenstadt hat ja gerade dadurch auch Attraktivität für Nieskyer und Touristen weil es eben keine Riesenverkaufsfläche, sondern Vielfalt gibt.