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Leben und Stil

Der grüne Knopf kommt - und welche Firmen mitmachen

Das Siegel soll zeigen, welche Textilien unter fairen Arbeitsbedingungen  produziert werden. Doch die Kriterien dafür reichen vielen nicht.

Faire Kleidung: Der Anstecker zeigt das Symbol für das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf.
Faire Kleidung: Der Anstecker zeigt das Symbol für das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf. © Britta Pedersen/dpa

Von Hannes Koch

Fair und ökologisch produzierte Kleidung zu kaufen, ist nicht ganz einfach. Aber Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) macht einen Anfang. Seine Socken, gekauft bei der Firma Hans Natur, tragen den Grünen Knopf. Dieses staatliche Textil-Siegel stellte Müller am Montag offiziell vor. Er hat es ins Leben gerufen, um besonders ökologische und sozial faire Produkte auszuzeichnen.

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Die kleine Firma Hans Natur ist eines von 27 Unternehmen, die am Start des Grünen Knopfes teilnehmen. Dabei sind weitere Mini-Händler wie Melawear, Spezialanbieter wie Dibella (Hotelwäsche), größere Textilunternehmen wie Tchibo und Vaude, Konzerne wie Otto und Rewe, aber auch Discounter wie Aldi und Lidl. Weitere 26 Unternehmen seien derzeit im Prüfprozess, ob sie die Anforderungen erfüllen.

Das neue Siegel findet sich ab sofort an einzelnen Produkten in Geschäften und Onlineshops. Um es zu erhalten, müssen die Firmen 26 Prüfkriterien für den jeweiligen Artikel erfüllen. In den asiatischen Zulieferfabriken sollen zum Beispiel genug Feuerlöscher hängen, bestimmte gesundheitsschädliche Chemikalien werden verboten, Gewerkschaftsfreiheit, gesetzmäßige Arbeitszeiten und Mindestlöhne sind zu gewährleisten. Die Produktkriterien können die Textilverkäufer auch dadurch nachweisen, dass sie bereits über anerkannte private Siegel wie Gots (Bio-Rohstoffe), Fairtrade oder Fair Wear verfügen.

Kritik an Freiwilligkeit

Zusätzlich müssen die Händler jeweils 20 Kriterien auf der Ebene des ganzen Unternehmens einhalten. Eine in Deutschland ansässige Firma ist beispielsweise verpflichtet, einen Beschwerdemechanismus nachweisen, damit auch die Arbeiterinnen und Arbeiter der Zulieferfabriken in Kambodscha ihre Sorgen vorbringen können. Und zwar so, dass die Zentrale sie wahrnimmt. Durch die Kombination der Produkt- und Unternehmenskriterien geht der Grüne Knopf über die bisherigen Siegel hinaus und soll damit den Verbrauchern insgesamt eine bessere ökologische und soziale Qualität garantieren.

Das Zertifikat gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch andere Textilprodukte wie Handtücher, Tischdecken, Bettwäsche. Es bezieht sich zunächst allerdings nur auf die Produktionsstufen des Nähens und Färbens der Textilien. Das Spinnen und Weben sowie die Produktion von Rohstoffen wie Baumwolle sollen erst zwei Jahre später hinzu kommen. Prüfstellen wie der TÜV kontrollieren die Firmen. Die Deutsche Akkreditierungstelle überwacht die Prüfer.

Die Marke Grüner Knopf ist beim Patentamt in München eingetragen. Sie soll sich zu einem internationalen Standard entwickeln, dem Konzerne aus anderen Ländern beitreten. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, bezeichnete das Zertifikat als „sehr konkreten Schritt“. Bisher sei es nicht möglich, in einer Stadt wie München einen fair produzierten Anzug zu kaufen. Das werde sich hoffentlich bald ändern.

„Der Grüne Knopf kann dazu beitragen, ökologische und sozial faire Produkte aus der Nische in den Massenmarkt zu bringen“, sagte Melawear-Chef Henning Siedentopp. „Für Kunden ist er eine Orientierungshilfe.“

Gehälter sollen angehoben werden

Die Kampagne für Saubere Kleidung sieht dagegen „erhebliche Schwächen“. „Die Zahlung eines existenzsichernden Lohns ist nicht integriert“, erklärte Ingeborg Mehser vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Anfangs müssen die Firmen nur versprechen, dass ihre Lieferanten die staatlich festgesetzten Mindestlöhne der Produktionsländer einhalten.

Existenzsichernde Gehälter, die den Beschäftigten einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen, liegen meist beim Doppelten oder Dreifachen des Mindestlohns. Das Entwicklungsministerium betonte, dass heute quasi nirgendwo in der Textilbranche Existenzlöhne gezahlt würden. Die Firmen, die den Grünen Knopf bekommen und später auch behalten wollten, müssen sich laut Ministerium dem Existenzlohn aber allmählich annähern. Ob das klappt und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken durch das Siegel besser werden, muss sich so erst noch erweisen.

Einer der drei indischen Hersteller, von denen Melawear seine Kleidung bezieht, hat sich Firmenchef Siedentopp zufolge inzwischen verpflichtet, innerhalb der nächsten sechs Jahre die Gehälter von Mindest- auf Existenzlohnniveau anzuheben. Das würde etwa eine Verdoppelung des niedrigsten Lohns von ungefähr 120 auf 250 Euro monatlich bedeuten.

Am 24. April 2013 stützte in Bangladesch eine Textilfabrik ein
Am 24. April 2013 stützte in Bangladesch eine Textilfabrik ein © dpa

Zahlreiche Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften, sowie der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisierten zudem, dass die Teilnahme am Müller-Siegel für die Firmen freiwillig ist. Stattdessen fordern sie ein Lieferkettengesetz, das nicht nur für die Textilbranche verbindlich wäre. Minister Müller und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) drohen zwar mit einem solchen Gesetz – aber nur für den Fall, dass eine freiwillige Umfrage bei Unternehmen auf die mangelnde Beachtung der Menschenrechte in den Zulieferfabriken hindeuten sollte. Das Ergebnis wird nächstes Jahr erwartet.

Ablehnend äußerte sich auch der Branchenverband Textil und Mode. „Wir können das neue Siegel nicht empfehlen“, sagte Verbandspräsidentin Ingeborg Neumann. Das vorgestellte Konzept werfe mehr Fragen auf als es Antworten gebe, beispielsweise was die Zulassungskriterien und die staatliche Kontrolle angehe.

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Hintergrund des Siegels ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem vor sechs Jahren mehr als 1.100 Menschen ums Leben gekommen waren. Als Reaktion war 2014 in Deutschland das Textilbündnis gegründet worden, in dem sich Modefirmen wie Esprit und Handelsketten wie H&M zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und mehr Umweltschutz bekennen. Dem Bündnis haben sich allerdings nur 50 Prozent der Branche angeschlossen. Darüber hinaus gibt es bereits heute zahlreiche Siegel wie „Fairtrade“ oder das EU-“Ecolabel“, die jedoch nur einzelne soziale oder ökologische Aspekte abdecken. Müller spricht beim „Grünen Knopf“ deshalb von einem übergreifenden „Meta-Siegel“.

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