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Der gute Deutsche in Polen

Steffen Möller gibt auch bei der Vergabe des Brückepreises als Entertainer sein Bestes.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Sebastian Beutler

Anfangs sah es noch nicht so aus, als ob Steffen Möller bei der Verleihung des Brückepreises am Freitagabend im Görlitzer Theater ein Heimspiel bestreiten würde. Willi Xylander, Chef des Görlitzer Naturkundemuseums und Präsident der verleihenden Brückepreisgesellschaft, hatte dem Kabarettisten und Schauspieler sogar ein doppeltes Heimspiel vorausgesagt: Zum einen ein geografisches, weil in Görlitz sein Einsatz für ein deutsch-polnisches Miteinander durch die Grenznähe besonders gut ankomme. Und zum anderen, weil die Stadt in Möllers Familiengeschichte eine besondere Bedeutung spiele.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Zwei Stunden und sieben Reden später sollte sich Xylanders Wort aber bewahrheiten. Das Theater stand fast kopf, nachdem Möller auf seine eigene, witzig humorvolle Sicht seinen Weg nach Polen skizziert hatte. Die Besucher hatten die kürzeste Laudatio auf den Preisträger und die längste Dankesrede des Preisträgers in der Geschichte des Brückepreises erlebt. Und doch verging die Zeit dabei so schnell wie selten zuvor. Die oftmals getragene Würde der feierlichen Preisvergabe machte Möller im Handumdrehen weg. Natürlich ehrte die Brückepreisgesellschaft mit ihm einen Kabarettisten, Schauspieler. Buchautor. Aber vor allem ist Möller ein Entertainer, der auch gleich mal zur Preisverleihung das tragbare Mikro in der Innentasche des Jackets auf die Bühne mitbrachte. Denn er ist viel zu sehr in Bewegung, als dass er vor einem feststehenden Mikro reden könnte.

Wer wissen will, warum der 44-jährige Wuppertaler, der seit fast 20 Jahren abwechselnd in Warschau und in Berlin lebt, so gut beim Publikum ankommt, der bekam an diesem Abend Anschauungsunterricht aus erster Hand. Möller bestätigte alles, was seine Lobredner zuvor an ihm hervorgehoben hatten: den unverkrampften Umgang mit den Schrulligkeiten der beiden Nachbarnationen, das Lächeln und das genaue Beobachten, den Humor, den guten Deutschen, den Deutschen in Polen, die Sprachkünste in den beiden Sprachen bis hin zur Interpretation eines der bekanntesten polnischen Kindergedichte, in dem es um eine Dampflokomotive geht. Am Ende meinten die jubelenden Gäste, sogar das Schnaufen der Maschine zu vernehmen. Das alles hat Möller zu einem der bekanntesten Comedians in Polen gemacht, der nicht davor zurückschreckte jahrelang in einer polnischen TV-Soap einen deutschen Bauern zu spielen. Die Reihe ist so berühmt wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Und doch bedeutete dieser Tag und dieser Preis für Möller mehr. Das schimmerte immer durch, wenn er auf die familiären Bezüge nach Görlitz zu sprechen kam. Sein Großvater predigte 24 Jahre lang an der Kreuzkirche. Sein Vater wurde hier geboren, verlebte die ersten zehn Jahre in Görlitz, ehe er an ein Westberliner Gymnasium ging. Und auch in Görlitz gibt es noch viele, die sich an die Möllers von damals erinnerten. Eine Dame zeigte Steffen Möller ihr Konfirmationsbuch, in dem 1954 sein Großvater unterzeichnet hatte. Nun musste er sein Autogramm danebensetzen. Steffen Möller selbst war 1983 und 2003 schon mal in Görlitz, und als Zehnjähriger schenkte er seinem Vater eine Darstellung des Görlitzer Wappens. Ihm war aufgefallen, dass seine Heimatstadt Wuppertal und Görlitz etwas teilten: nämlich den Löwen im Wappen. „Wuppertal ist eben das halbe Görlitz“, sagte nun Möller.

Doch der Preisträger wäre eben nicht er selbst, wenn er auch diesen Brückepreis nicht auf sympathische Weise kleingeredet hätte. Als er die Begleiterin des Zgorzelecer Bürgermeisters Rafal Gronicz irrtümlicherweise zu dessen Frau erklärte, fand er daran nichts Schlimmes: „Ich baue ja jetzt Brücken.“ Wer weiß, wozu das noch gut ist.