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Der gute Rat aus der Nachbarschaft

Als Unternehmensberaterin Sachsen zu arbeitenerfordert Hartnäckigkeit.30 rücken deshalb von nun an enger zusammen.

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Von Georg Moeritz

Dresden. So ein Fabrikant in Ost- oder Mittelsachsen will sich einfach nichts sagen lassen. „Mittelständische Unternehmer sind oft überzeugt davon, so wie sie es machen, ist es richtig“, sagt Klaus Reiners, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater. Höchstens der Steuerberater dürfe dem Firmenchef Tipps geben. Erst in einer Krise werde dann der Ruf nach dem Spezialisten laut.

„In Südwestsachsen fragt man mehr nach, ist aufgeschlossener“, urteilt Johann Varga, Projektmanager der Unternehmensberatung RKW Sachsen GmbH in Dresden. Im Chemnitzer Raum finde RKW mit seinen 52 Beschäftigten daher die meisten Kunden. Doch jetzt hat sich das Unternehmen mit 18 Millionen Euro Jahresumsatz vorgenommen, „Nummer eins“ unter den Beratern für Sachsens Mittelständler zu werden.

Spezialität: Nachfolge regeln

Ein Bündnis mit 30 eigenständigen Experten soll dabei helfen. Der Leipziger „Effizienztrainer“ Reyk-Peter Klett mit seinen psychologischen Hilfen für den Vertrieb ist ebenso dabei wie die Dresdner Hotel-Konzept GmbH und mehrere spezialisierte Unternehmensberater aus der Region. Eine Marktlücke meint das RKW schon für sein Projekt gefunden zu haben: die Suche nach Nachfolgern für ältere Firmen-Inhaber in Sachsen.

„Die menschliche Seite“ sei besonders wichtig bei der Betreuung von Mittelständlern, sagt Burkhard Riegel, Chef der Dresdner Unternehmensberatung Riegel & Partner GmbH. Soziale Kompetenz werde eher angenommen als „tolle Werkzeuge und EDV“ aus dem Angebot der ganz großen Beratungsfirmen. Von denen hätten sich ohnehin einige aus den neuen Ländern zurückgezogen, nachdem die Treuhand-Aufträge nachgelassen haben. Dafür drängten nun mehr Versicherungsvertreter und entlassene Bank-Angestellte in den Markt.

Riegel beteiligt sich am Netz RKW-Expert, von dem er sich sowohl mehr Qualität als auch neue Kunden verspricht. Projektmanager Johann Varga hält die Fäden in der Hand: „Der Generalist stirbt aus“, sagt er. Heute eine Brauerei beraten und morgen ein Stapler-Unternehmen, das empfehle er nicht. Deshalb soll beispielsweise der Chemnitzer Unternehmensberater Jörg Schaller sich auf seine Stärke in der Metallproduktion konzentrieren und einzelne Hotelkunden lieber vom Experten Oliver Bugglé betreuen lassen. „Wir bündeln Kompetenzen“ wirbt Varga. Auch dem Bundesverband scheint dafür in den neuen Ländern noch Platz zu sein. Sprecher Reiners zufolge konzentrieren sich die großen Beratungsgesellschaften lieber auf Metropolen im Westen.