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Der Hammer fällt bei 65 000 Euro

Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste zieht die Hallen-WM in Leipzig der Versteigerung in die indische Profiliga vor.

© picture alliance / dpa

Von Maik Schwert

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Leipzig ist eine Hockey-Stadt mit Tradition. Seit gut 100 Jahren ist das Spiel mit dem Schläger an der Pleiße zu Hause. In den Vitrinen der ortsansässigen Klubs stehen deutsche und DDR-Meistertitel. 2003 richtete der ATV in der damals neuen Arena die erste Hallen-Weltmeisterschaft aus. Von heute bis Sonntag folgt deren vierte Auflage. Die deutschen Männer gewannen bisher alle drei Titel. Ihr Kapitän Moritz Fürste plaudert im SZ-Gespräch über kurze Auszeiten in Ägypten, lange Zwangspausen durch Kreuzbandrisse und einen Titel, der ihm in seiner Sammlung noch fehlt.

Herr Fürste, Sie waren eine Woche vor der Hallen-WM im Urlaub in Ägypten. War das die richtige Vorbereitung?

Für mich schon. Ich habe mich aktiv erholt, am Strand gelegen, die Sonne genossen, ein bisschen Fitness- und Krafttraining gemacht, bin beispielsweise mal Fahrrad gefahren – Urlaub mit Bewegung eben.

Wie wichtig ist es, seinem Körper auch mal eine Auszeit zu geben?

Total wichtig. Im Normalfall wären wir ja am Wochenende bei der Endrunde um die deutsche Hallen-Meisterschaft in Berlin gewesen. Wir hätten sie als Klub auch gern erlebt. Meine Auswahlkollegen, die mit ihren Vereinen dabei waren, müssen sich jetzt gleich wieder auf den nächsten Höhepunkt konzentrieren. Das fällt schwer. Der Kalender ist voll. Daher nutzte ich die ungewollte Pause spontan so gut wie möglich.

Apropos Auszeit: 2014 fehlten Sie aufgrund eines Kreuzbandrisses im rechten Knie bei der Feld-WM. Es war die zweite Verletzung dieser Art bei Ihnen. Wie gingen Sie damit um?

Etwas routinierter und vorsichtiger als beim ersten Mal. Ich kannte die Abläufe bei der Rehabilitation. Einfacher machte es die Sache nicht. Es war eine harte Zeit. Mit großen Saisonzielen vor Augen schleppte ich mich zu meinen Terminen und motivierte mich. Das funktionierte gut. Es war nicht die Wunde von 2011. Damals betraf es das vordere, beim zweiten Mal das hintere Kreuzband. Das war Pech, ein doofer Sturz.

Parallel zur Hallen-WM läuft in Indien erneut die Profiliga, in der Sie auch schon mitspielten, erstmals 2013. Warum verzichten Sie diesmal drauf?

Einerseits bin ich mit der Liga an sich nicht 100-prozentig zufrieden. Zum anderen möchte ich in dieser Zeit privat auch gern daheim sein, und die WM in Leipzig ist das i-Tüpfelchen. Sie machte mir die Entscheidung gegen den Indien-Aufenthalt leichter.

Wie kamen Sie damals in die indische Profiliga?

Durch eine Auktion, bei der ich aber nicht anwesend war. Ich verfolgte die Versteigerung im Internet in Madrid, der Stadt meines damaligen Stammvereins. Das dauerte elf Stunden. Die indischen Klubs ersteigerten die weltbesten Hockeyspieler. Ich gehörte dazu und fand das sehr interessant – ein spannendes System, um Mannschaften zusammenzustellen. Alle Vereine besaßen die gleiche Chance, die stärksten Leute zu bekommen. Jeder Klub verfügte über dasselbe Budget. Ich empfand den Auswahlprozess als sehr fair für einen gleichberechtigten Wettbewerb in Indien.

War das die erste Versteigerung von Spielern in Indien?

Nein, die indische Cricket-Liga diente als Vorbild. Sie macht das seit acht Jahren genauso. Attraktivität und Qualität stiegen seitdem deutlich. Andere Sportarten wie Badminton, Fußball und Tennis ziehen inzwischen auch nach. Für uns Hockeyspieler war das ein großes Abenteuer. Mein Engagement in Indien zählte nicht mal als Vereinswechsel. Die indische Profiliga nutzte für ihre Meisterschaft die Winterpause der bedeutendsten Ligen.

Für wieviel Geld kamen Sie damals unter den Hammer?

Ich gehörte zu den vor der Auktion benannten Kapitänen für einen der indischen Vereine, kam erst am Ende dran und war letztlich mit umgerechnet 65 000 Euro der zweitteuerste Spieler – im Hockey unfassbar viel Geld für einen Monat. Dafür müsste ich in Europa extrem lange spielen. Die Versteigerung kam für mich aber auch zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt als Olympiasieger und Welthockeyspieler von 2012. Die Inder ticken so. Sie bauen auf Fakten, Namen und Zahlen, nehmen lieber berühmte als unbekannte Spieler.

Was bringt so eine Liga?

Alle profitieren davon. Wir erlebten die Gemeinschaft unterschiedlicher Nationalitäten. Die Spieler meiner Mannschaft kamen aus neun Ländern. Wir lernten in diesen Wochen, wie andere täglich arbeiten. Die Inder spielten und trainierten mit den Weltbesten. Das können sie sonst bloß bei Länderspielen. Das Gleiche gilt für uns. Wir konzentrierten uns lediglich auf Hockey. Ich empfand das wie einen Intensivkurs. Zudem existierte eine Quote: Mindestens sechs von elf Spielern auf dem Feld mussten Inder sein. Sie sind technisch stark, besitzen aber zu wenig Taktikverständnis.

Womit waren Sie nicht zufrieden?

Mit Details. Ich konnte mich organisatorisch auf wenig verlassen. Kleinigkeiten in den Abläufen funktionierten nicht. Das kannte ich bisher nicht. Die Inder halten sich nicht immer an ihre Ansagen und Verträge. Bei ihnen ist es heute so und morgen so. Plötzlich flogen wir schon 6.40 statt 14 Uhr, wie es am Abend davor noch hieß. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Das erschwerte mir die Dinge. Das möchte ich so auch nicht noch einmal erleben.

Was war anders als daheim?

Wir spielten vor durchschnittlich 10 000 sehr enthusiastischen Fans. Das war Wahnsinn. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Fans machten einen Lärm, dass ich auf dem Platz mein eigenes Wort nicht verstand. Das Finale, das wir gewannen, verfolgten außerdem 40 000 Fans im Stadion nebenan auf Videotafeln. Als wir anschließend den Titel feierten, blockierten jubelnde Fans den Mannschaftsbus. Das kenne ich in Deutschland bloß vom Fußball.

In der Bundesliga spielen Sie vor deutlich weniger Publikum. Ärgert Sie das?

Nein. Die Bundesliga ist unser tägliches Brot und der Alltag in Deutschland weniger spannend. Wenn ich in Indien oder Leipzig in leeren Arenen spielen müsste, dann wäre es für mich demotivierend, aber so sage ich mir: Für diese Höhepunkte trainiere ich jedes Jahr auf diesem Niveau, und wow, wie geil ist das denn, das mal mitnehmen zu dürfen. Ich war auch mit der Nationalauswahl häufig in Indien und jedes Spiel genauso genial. Die Inder sind verrückt nach Hockey. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder Weltmacht zu sein.

Noch mal zur Bundesliga: Im Feld-Hockey sind Sie Olympiasieger, Europa-, waren Welt- und indischer, aber noch nie deutscher Meister. Wurmt Sie das?

Wurmen ist das falsche Wort. Mit meinem Hamburger Klub setze ich mir den Titel beinahe jede Saison als Ziel – immer dann, wenn es der Kader hergibt. Ich bin nicht nur glücklich, wenn ich Titel gewinne, sondern auch zufrieden, wenn wir eine Saison mit viel Verletzungspech auf einem Champions-League-Platz abschließen. Wir verloren viermal das Finale. Angesichts meiner Erfolge ist es witzig, zeigt aber auch das hohe Niveau. Wir sind Spitzenreiter und haben den Titel als Ziel. Er ist prestigeträchtig. Ich bin aber kein Fan davon, irgendwelche Titel miteinander zu vergleichen.

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