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Der Heilandaltar stellt die Vorbilder des Franziskaner-Ordens dar

Die St. Annen-Kirche mit ihren Schnitzaltären wird Kunstmuseum. Die SZ stellt in sakralen Kunstwerke in einer Serie näher vor. (4)

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Von Dr. Dieter Thor

Das Heillandaltar-Retabel in der Kamenzer Klosterkirche St. Anna ist bestimmend im Konvent der Franziskanerobservanten – sichtlich geprägt und dominierend im Leitmotiv der Erneuerung der Gründungsregeln des Ordens und dem Anliegen der Eucharistie. Alle Heiligen, die sich in schönen Schnitzfiguren präsentieren, stehen in engster Beziehung zu diesem Orden. Im Zentrum des Schreins steht Christus glorifiziert als „Salvator mundi“ (Retter der Welt) mit Herrscherinsignien, links daneben der heilige Franziskus stigmatisiert. Die andere Seite besetzt der eigentliche Gründungsvater der Observanten, der heilige Bernardino von Siena als Generalvikar. Er ist der zweite Patron der Klosterkirche neben Anna.

Eine Jahreszahl (1513) hinter den Figuren zeigt das Schnitzjahr an, vermutet wird ein Künstler bei Pankreatius Grueber in Zeitz mit schlesischen Verbindungen. Die Seitenflügel geben Heilige auf der Festtagsseite frei, die teilweise unterschiedlich identifiziert werden. Dr. Walter ist der Meinung, dass Ludwig II., König von Böhmen, Mähren, Schlesien und Ungarn, der als Stifter für den Annenaltar feststeht und dem das Patronat des Konvents oblag in Verbundenheit, mit den Franziskanern bei Auswahl folgender Heiliger für eben diesen Altar entscheidend mitwirkte. In der oberen Reihe von links: heiliger Ludwig IX. (König von Frankreich), Ludwig von Toulouse (Bischof), Ladislaus (ungarischer Nationalheiliger), heilige Bonaventura (Ordensgeneral); unteren Reihe: heiliger Antonius von Padua (Kirchenlehrer), heilige Klara von Assisi (Gründerin des Klarissenordens). Die Turmmonstranz als Attribut ist ein Hinweis auf den legendären Sieg über die Sarazenen vor Assisi. Der dritte Orden, die Tertiärer ist der Laienorden ohne Gelübde, mit den franziskanischen Ideen verbunden, mit Besitz für beide Geschlechter.

Das vierte geschnitzte Halbbild präsentiert die fünf Franziskaner, die in Marokko vom Sultan hingerichtet wurden. Diese Märtyrer stehen auf ihm und haben Kopfwunden, namentlich sind es: Accursius, Adjutus, Berardus, Otto und Petrus. Die äußeren Seiten der Innenflügel zeigen gemalt auf vier Bildern acht Apostel. Die Predella bietet schön geschnitzt die Geburt Christi mit Maria und Joseph im Vordergrund. Die andere Seite bringt die „Heiligen drei Könige“ ins Bild. Ursprünglich spricht man von drei Weisen aus dem Morgenland, die dem neuen König mit Geschenken huldigen wollten. Die Zahl drei wird erst später fixiert und mit den drei Namen Melchior, Balthasar und Caspar in übernommen. Dann kommen Kronen hinzu und fortan sind es die „Heiligen drei Könige“. Cornelius Gurlitt berichtet in seinem Werk über die Kunstdenkmäler von 1912 noch über Einzelfiguren und mindestens zwei weiteren Altären aus der alten Kloster- bestückung.(Schluss)