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Der heimliche Stammgast

Anneliese Wolf kommt oft in den Bischofswerdaer Tierpark. Nun überraschte sie hier mit einem besonderen Dankeschön.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

Anneliese Wolf fällt nicht auf, wenn sie durch den Tierpark schlendert, Tiere anguckt und interessiert die Schilder liest. Gerade staunt Anneliese Wolf darüber, dass sich die Schnee-Eulen so wohlfühlen bei sommerlichen Temperaturen. Wo sie doch eigentlich aus dem kalten Alaska stammen. Wie so oft bleibt sie ein paar Minuten stehen und schaut den Eulen zu. Sie ist ein Gast wie jeder andere. Und wieder nicht. Anneliese Wolf ist heimlicher Stammgast im Bischofswerdaer Tierpark. Viele Tiere kennt sie von klein auf. In einer eigenen Chronik hat sie ihre Eindrücke und die Entwicklung des Zoos festgehalten. Eine völlig überraschte Zoo-Chefin Silvia Berger hat die Chronik jetzt geschenkt bekommen, quasi als Dankeschön, dass es diesen Tierpark gibt. Anneliese Wolf ist der unbekannte rasende Reporter im Tierpark. Auf buntem Papier hat sie Bilder von Tieren und Zeitungstexte aufgeklebt. Vor allem ihre eigenen Schnappschüsse machen die kleine Chronik liebenswert. Jedes Tier holte sie vor die Linse. Erst mit der analogen Kamera und seit drei Jahren mit der digitalen. Die Seniorin hat sich vertraut gemacht mit der neuen Technik. Fotos machen, sammeln, auswählen und aufkleben ist ihr großes Hobby – und das nicht nur für den Zoo. Sie verfolgt auf diese Weise auch die Schiebocker Tage seit 1995. Auch an diesem Wochenende ist sie im Festtrubel.

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Seit 1970 lebt sie in Schiebock. Mindestens einmal im Monat besucht Anneliese Wolf den Zoo. Heute im Alter und nach dem Tod ihres Mannes natürlich mehr als früher. Da waren Familie und Arbeit der Mittelpunkt in Anneliese Wolfs Leben. Mit 14 schon arbeitete sie in einer Ziegelfabrik, in den 1960er-Jahren war sie gemeinsam mit ihrem Mann für 1 000 Schweine der Mastanlage in Großharthau verantwortlich, später waren sie zehn Jahre lang das Hausmeisterpaar fürs Bischofswerdaer Rathaus. Heute lebt sie in einer altersgerechten Wohnung am Neumarkt und geht von hier jeden Weg zu Fuß. Nur ein paar Meter entfernt ist der Tierpark. Anneliese Wolf schaut bei jedem Wetter vorbei, sah die Bären schon Schlittschuh laufen im Gehege und die Polarfüchse schwitzen bei Affenhitze. Anneliese Wolf kommt aber schon mal bei Regen, wie sie sagt. „Vor allem die Bären haben mich immer beeindruckt.“

Anneliese Wolf verfolgte den Bau des neuen Geheges 2006 bis 2007, war traurig über den Tod Olympias im Januar 2013 und freut sich darüber, dass ihre Nachfolgerin Grizzlydame Jane so gut passt zum Braunbär Balu. „Aber auch die vielen Vögel und die Totenkopfäffchen mag ich sehr“, sagt Anneliese Wolf. Oft sitzt sie auf einer Bank und beobachtet. Nicht nur die Tiere. Auch die Menschen, die vorbeigehen.

In ihrer Chronik sollen bald alle blättern dürfen. Silvia Berger plant sie im neuen Begegnungszentrum auszulegen, sagt sie. Anneliese Wolf würde es freuen.

Der Bischofswerdaer Tierpark hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Erwachsene zahlen 3, Kinder 2 Euro Eintritt.