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Der Herr des Herrenhauses

Viele historische Gebäude im Landkreis verfallen. Dem Rittergut Niederjahna bleibt dieses Schicksal erspart.

Denkmalschützer Dr. Matthias Donath im Herrenhaus Niederjahna, wo er mit seiner Frau Dr. Romy Petrick und den beiden Kindern lebt. Die Decken sind original, die Einrichtungsgegenstände nicht. Sie wurden nach und nach dazu gekauft.
Denkmalschützer Dr. Matthias Donath im Herrenhaus Niederjahna, wo er mit seiner Frau Dr. Romy Petrick und den beiden Kindern lebt. Die Decken sind original, die Einrichtungsgegenstände nicht. Sie wurden nach und nach dazu gekauft. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Es ist frisch im größten Raum des ehemaligen Rittergutes in Niederjahna, obwohl draußen die Frühlingssonne scheint. Doch die dicken Mauern des Herrenhauses lassen die Wärme nicht hinein. 600 Quadratmeter Wohnfläche in dem Anwesen wollen beheizt werden. An der Wand hängt ein großes Bild, darunter auf dem Fußboden sind noch Umrisse zu sehen. „Hier war mal ein großer Kachelofen. Ein solcher soll auch einmal wieder hin“, sagt Matthias Donath, der Herr des Herrenhauses. „In der kalten Jahreszeit nutzen wir die meisten Räume nicht. Unser ganzes Leben spielt sich dann in der 60 Quadratmeter großen Wohnküche ab“, sagt seine Frau Romy Petrick fast entschuldigend. 

Der Historiker und die Musikwissenschaftlerin und Sopransängerin haben das Niederjahnaer Herrenhaus vor neun Jahren gekauft, sind 2013 eingezogen. Das war die Rettung für das Herrenhaus, das Hans von Schleinitz um 1580 errichten ließ. Der turmlose Flügelbau wurde noch nach spätgotischer Tradition errichtet.

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„Schon seit Langem hatten wir nach einem alten, denkmalgeschützten Haus gesucht. Bereits 2004 waren wir hier, unterhielten uns mit dem damaligen Besitzer“, sagt Matthias Donath. Doch erst 2010 kam es zum Kauf aus einer Zwangsversteigerung heraus. Der Preis war relativ günstig. „In die Sanierung haben wir aber mittlerweile das 20-fache des Kaufpreises gesteckt“, sagt der 44-Jährige.

Die Begeisterung seiner Frau hingegen hielt sich anfangs in engen Grenzen. „Ich hatte immer von einem kleinen Barockschloss mit Park geträumt. Und dann dieser kleine, dunkle, graue Kasten hier“, sagt sie. Inzwischen hat sie sich längst arrangiert. Aus dem dunklen, grauen Kasten ist ein helles, freundliches Haus geworden. Dabei war das Haus tatsächlich völlig heruntergekommen. 

Zu DDR-Zeiten wurde jeder Zentimeter genutzt. Der Konsum befand sich hier, nebenan eine Fleischerei und außerdem ein Kindergarten und eine Kinderkrippe. Der Saal wurde als Dorfkino genutzt und auch als Turnhalle. Auch eine Nähstube war untergebracht. Bis 1996 saß hier noch die Gemeindeverwaltung. Der Kindergarten wurde schon 1979 in einen Neubau verlegt.

Das Inventar geplündert

Drei Jahre lang wurde das Haus saniert, das Dach neu gedeckt, Elektro- und Sanitäranlagen erneuert, Fußböden und Türen aufgearbeitet. „Alles sollte so alt und authentisch wie früher, aber keineswegs prunkvoll sein. Schließlich hat hier früher einfacher Landadel gelebt“, sagt Matthias Donath. 

Eines schmerzt ihn besonders. Von der früheren Einrichtung ist nichts mehr vorhanden. Nach dem Krieg stand das Haus offen, wurden hier Flüchtlinge untergebracht, das Inventar nach und nach geplündert. „Wo das Inventar hin ist, weiß man nicht. Es wurde zunächst ins Schloss Siebeneichen gebracht. Was danach damit wurde, ist unbekannt“, sagt der Denkmalschützer. Gemälde aus Niederjahna allerdings befinden sich laut Donath im Kunstarchiv der Porzellanmanufaktur und dienen dieser zur Gewinnung von Motiven. Diese Kunstsammlung werde aber unter Verschluss gehalten, nicht öffentlich gezeigt.

Romy Petrick hat viele Einrichtungsgegenstände bei Auktionen ersteigert, Vitrinen, Möbel, ein Tafelklavier, eine Ritterrüstung. Die bemalten Decken wurden alle freigelegt, dort sind die Porträts aller römisch-deutschen Kaiser zu finden. Vor zwei Jahren fertig geworden ist die Kapelle, in der sich einst der Konsum befand. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen wie Gottesdienste oder die Niederjahnaer Gespräche statt.

Längst hat sich auch Romy Petrick mit dem Haus arrangiert. „Es war richtig, damals das Herrenhaus zu kaufen, wir fühlen uns sehr wohl hier. Jetzt hat Niederjahna wieder ein Dorfzentrum“, sagt sie. Die Größe des Hauses sei auch für eine Familie finanziell beherrschbar, ergänzt ihr Mann. Schön hätte er es gefunden, wenn er auch den Platz vor dem Herrenhaus hätte erwerben können. „Dann hätten wir hier ein Ortszentrum ähnlich wie in Staucha aufbauen können“, sagt er. Doch die Grundstücke wurden getrennt, der Platz war schon verkauft.

Nicht so viel Glück hatte das Römerhaus in Löthain. Die Erben des früheren Rittergutsbesitzers hatten sich nach der Wende bemüht, eine Nutzung für das Haus zu finden. Zurückkaufen wollte er die Immobilie jedoch nicht. Weil die Gemeinde selbst keine Verwendung für das denkmalgeschützte Haus hatte und schon der Abbruch von Nebengebäuden und Scheune eine Menge Geld gekostet hätte, entschied der Gemeinderat, die Immobilie zu verkaufen. 

Doch es fand sich kein Interessent, das Grundstück ging schließlich in die Versteigerung. Ein Berliner Architekt bekam den Zuschlag für damals 20.000 Mark. Er hat das Gebäude notgesichert. Inzwischen wird das Haus im Internet angeboten für 99.000 Euro. Würde er es für diesen Preis verkaufen, wäre das ein Gewinn von fast 800 Prozent.

Ein Ärgernis und Schandfleck ist auch das Rittergut in Schletta. Das einst herrschaftliche Anwesen ist in einem erbärmlichen Zustand. „Wenn hier nicht bald etwas passiert, ist das denkmalgeschützte Rittergut endgültig dem Verfall preisgegeben, geht ein Stück Geschichte der Region unwiederbringlich verloren“, sagte 2007 Petra Rauschenbach, eine der Eigentümerinnen. Sie hatte vor, das Ensemble zu sichern, wollte es sogar für 1,7 Millionen Euro sanieren. Das sei nur möglich, wenn es Fördermittel gibt.

Doch jetzt, zwölf Jahre später, ist nicht allzu viel passiert. Auch dieses Haus wurde notgesichert, das Dach geflickt. In dem Gebäude befindet sich der Bauhof einer Firma. Von Sanierung ist schon lange keine Rede mehr. „Dafür sind wir jetzt zu alt“, sagt Petra Rauschenbach.

Wohnungen sollen entstehen

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Nicht zu alt sind Romy Petrick und Matthias Donath. Sie planen schon die nächsten Arbeiten im Herrenhaus Niederjahna. Das Seitengebäude, in dem sich bis 1980 eine Kinderkrippe befand, soll komplett ausgebaut werden. Der Verfall ist schon weit fortgeschritten. Entstehen sollen dort Wohnungen oder Ferienwohnungen. Denn Romy Petrick und Matthias Donath denken schon weiter. „Wir überlegen, das Haus später mal in eine Stiftung zu überführen. Die Wohnungen könnten der Stiftung dann Kapitaleinnahmen bringen. So wäre sichergestellt, dass das Herrenhaus in Niederjahna auch in 30, 40 Jahren noch erhalten werden kann“, sagt Donath.

Kein dunkler, grauer Block mehr: das Herrenhaus in Niederjahna.
Kein dunkler, grauer Block mehr: das Herrenhaus in Niederjahna. © Claudia Hübschmann
Seit zwei Jahren ist die Kapelle im Herrenhaus Niederjahna fertig.
Seit zwei Jahren ist die Kapelle im Herrenhaus Niederjahna fertig. © Claudia Hübschmann
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Ein trauriger Anblick: das 500 Jahre alte Rittergut in Schletta. © Claudia Hübschmann

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