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Großenhain

Der Herr Ingenieur prellt die Zeche

Die Gastwirtin der Parkschänke hat schon vieles erlebt – so etwas allerdings nicht.

Dorothee Koitzsch bringt ein Frühstücksgedeck auf die Terrasse.
Dorothee Koitzsch bringt ein Frühstücksgedeck auf die Terrasse. © Archiv

Zabeltitz. Gastwirtin Dorothee Koitzsch sitzt allein vor Richterin Ingeborg Schäfer. Der Angeklagte ist nicht erschienen. Die Richterin zuckt mit den Schultern: „Wir schicken in solchen Fällen einen Strafbefehl. Akzeptiert der Angeklagte die Strafe, wird es keinen Gerichtstermin mehr geben.

Falls nicht, bekommt die Wirtin der Zabeltitzer Parkschänke erneut eine Vorladung, um vor Gericht auszusagen. Allerdings macht ihr die Richterin wenig Hoffnung, dass sie ihre eingebüßten 700 Euro wiedersieht. Das sei wohl unwahrscheinlich. Dorothee Koitzsch schüttelt den Kopf. Den Mann, um den es geht, haben Bekannte seit Mai dreimal in Gröditz gesehen, und auch angerufen hat er – er wolle bezahlen, versicherte er da. Doch er kam nie.

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Die Spielchen vom Mai dieses Jahres setzen sich fort. Da erschien der knapp 60-jährige Gröditzer Diplom-Ingenieur und nahm Quartier in der Parkschänke. Schon als er groß erzählte, das Schwimmbad könne er Frau Koitzsch kostenlos umbauen, war Dorothee Koitzsch vorgewarnt. Als der Gröditzer seinen Aufenthalt dann verlängerte, versuchte die Wirtin, Zwischenrechnung zu stellen. 

Doch der Ingenieur meinte, seine Papiere seien weg und er könne heute neue holen in Dresden. Das war am Freitag. Irgendwie mogelte er sich noch übers Wochenende, und Montagmorgen war er zunächst weg, hatte ein Hemd, ein paar CD und eine Hose dagelassen, aber seine Rechnung nicht bezahlt. Stattdessen kam er darauf mit einem anderen Herrn und zwei Frauen zurück, die für ihn bezahlen sollten. Eine der Frauen knallte dem Zechpreller eine vor der Gaststätte. Das war die letzte Szene an jenem Tag. 

Koitzschens erstatteten Anzeige, und das Gericht rief den Fall sogar recht zügig auf. Warum der Gröditzer, der tatsächlich Ingenieur und namentlich bekannt ist, so eine Geschichte durchgezogen hat, kann sich die Zabeltitzerin beim besten Willen nicht erklären. Betrügereien wie diese sind seltener geworden, erzählt die Seniorchefin. 

In den 1990ern war das an der Tagesordnung, erinnert sie sich. Damals war sie auch bei einem Prozess als Zeugin geladen und hatte sich wegen der vielen Arbeit schriftlich entschuldigt. Da habe ihr Richter Herbert Zapf aber eine Standpauke am Telefon gehalten, erinnert sie sich lächelnd. Tja, und diesmal ist eben der Angeklagte bei Gericht nicht erschienen.

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