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Der Holzflüsterer

Herbert Kohl erzählt mit seinem Schnitzmesser Geschichten – nicht nur weihnachtliche.

Von Rikarda Groß

Seit über 30 Jahren sind Schnitz- und Drechselarbeiten von Herbert Kohl aus Schmiedeberg in der Dippoldiswalder Weihnachtsausstellung zu sehen. Sie bestechen durch ihre exakte Verarbeitung und den sicheren Einsatz der verschiedenen Holzarten. Der gelernte Tischler hat von Jugend an damit Erfahrung. Zu seinem umfangreichen volkskünstlerischen Werk gehören unter anderen Nussknacker, Räuchermänner, Kurrenden, Schwibbögen, Bergmänner, Engel – das gesamte weihnachtliche Programm. Aber auch kunsthandwerklicher Raumschmuck wie Schalen, Kerzenständer oder Etageren.

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Besonders bekannt ist Herbert Kohl für seine Pyramiden. Sie finden sich in vielen Wohnungen des Osterzgebirges. Das Lohgerbermuseum Dippoldiswalde besitzt allein fünf davon, drei drehen sich in diesem Jahr in der Weihnachtsausstellung, eine schmückt den größten Ausstellungsraum im Museum Osterzgebirgsgalerie. Die bekannteste Pyramide von Herbert Kohl ist die fast zwei Meter hohe und zwei Quadratmeter große, elektrisch betriebene Märchenpyramide. Mit über 100 Figuren werden auf ihr 25 Märchen der Gebrüder Grimm dargestellt. Herbert Kohl verwendete für die Landschaft viel Naturmaterial wie Wurzeln, Steine, Sand, Moos, ja sogar ganze Baumstümpfe. Im Jahr 2000 wurde dieses kleine Wunderwerk erstmals in der Dippoldiswalder Weihnachtsausstellung gezeigt. Immer wieder kann man sich daran erfreuen. Eltern und Großeltern versuchen immer wieder, zusammen mit ihren Kindern oder Enkeln, alle Märchen zu erraten.

Herbert Kohl widmet sich in seinen Arbeiten auch Themen aus dem Alltagsleben und der Geschichte. So drechselte er eine historische Freiberger Berg- und Hüttenparade aus dem Jahr 1830. Die 177 Figuren umfassende Parade ist jetzt im Besitz des Bergbaumuseums Altenberg.

Er schnitzte den Hofnarr Fröhlich und Till Eulenspiegel und nach Abbildungen aus der bildenden Kunst Figuren von Carl Spitzweg und Otto Quante. Herbert Kohl fertigte Schwibbögen mit Motiven der Kirchen von Altenberg, Schmiedeberg, Kipsdorf und Oberbärenburg. Mit Hilfe seines Schnitzmessers „schrieb“ er auch ein Stück Chronik von Schmiedeberg Naundorf. Detailgetreu stellte er Handwerker, die hier ansässig waren und Szenen aus dem Alltagsleben dar. Auf den circa 20 mal 20 Zentimeter großen Schnitzwerken ist Max Steinigen in seiner Stellmacherwerkstatt zu sehen, Bruno Kerndt beim Röhrenbohren, der Schmied Otto Rühle in seiner Werkstatt und Schuhmacher Max Greif beim Besohlen von Schuhen. Marianne Kempe zieht mit dem Hundegespann von Haus zu Haus und bietet Milch an, Kurt Kohl, Vater des Volkskünstlers, fährt auf seinem Traktor mit Anhänger das Heu nach Hause, eine Bäuerin steht am Butterfass oder der Häusler Paul Liebscher schiebt auf dem Schubkarren das Jauchenfass. Man kann einen Blick in den Kolonialwarenladen von Emma Schwarz werfen und dann wird natürlich für den Winter, wie es sich im Erzgebirge gehört, kräftig Holz gehackt.

Die meisten dieser Schnitzereien stellen Szenen aus der Zeit zwischen 1940 und 1950 dar. Es ist ein Stück Vergangenheit, die der Volkskünstler mit seinem Schnitzmesser wieder lebendig gemacht hat. Herbert Kohl, der im kommenden Jahr 80 Jahre wird, verbrachte seine Kindheit in Naundorf.

Zu besichtigen sind diese Arbeiten noch bis zum 2. März 2014 in der Dippoldiswalder Weihnachtsausstellung.