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Der ideale Wohnstandort

Sven Ehrig kann sich noch gut daran erinnern, als die Straße „Zur Waldsiedlung“ nur ein Trampelpfad war. Mitte der 1990er Jahre hatte er seine spätere Ehefrau Sylvia kennengelernt, die aus Eichgraben stammt.

© SZ Thomas Eichler

Sven Ehrig kann sich noch gut daran erinnern, als die Straße „Zur Waldsiedlung“ nur ein Trampelpfad war. Mitte der 1990er Jahre hatte er seine spätere Ehefrau Sylvia kennengelernt, die aus Eichgraben stammt. Ihr Elternhaus steht direkt gegenüber dem Eigenheim der Ehrigs. Die Wohnsiedlung „Am Walde“ gab es allerdings 1995 noch nicht. Erst einige Jahre später beschloss der Zittauer Stadtrat den Bebauungsplan für den Eigenheimstandort. Familie Hentschel waren die Ersten, die sich hier ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichte. Im Dezember 2000 haben sie ihr Haus bezogen.

Danach folgten auch schon Ehrigs, deren Eigenheim genau am anderen Ende der Siedlung steht. Im Frühjahr 2002 begannen sie mit dem Bau, ein gutes halbes Jahr später war das Haus bezugsfertig. „Wir wollten nicht mittendrin, sondern am Rande bauen“, erklärt Sven Ehrig, der seit knapp eineinhalb Jahren auch Ortsbürgermeister von Eichgraben ist. Heute zeigt sich, dass diese Entscheidung ganz richtig war. Von den insgesamt 22 Grundstücken sind bislang nur sechs verkauft. Auf den freien Flächen steht im Moment das Gras meterhoch. „Die Stadt könnte öfter mal mähen kommen“, findet der 50-Jährige. Zweimal im Jahr wird das Gras von den städtischen Mitarbeitern gestutzt – meistens aber dann, wenn gerade keine Interessenten vorbeikommen.

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Die Stadt ist aber durchaus bemüht, für die freien Grundstücke Häuslebauer zu finden. Regelmäßig wird der Standort im Stadtanzeiger beworben. Und auch das riesige Hinweisschild an der Olbersdorfer Straße, das schon arg in die Jahre gekommen ist, soll erneuert werden, weiß Sven Ehrig. Hin und wieder schauen sich Interessenten den Eigenheimstandort am Rande von Eichgraben an, doch gebaut wurde schon länger kein Haus mehr. Das letzte ist vor zehn Jahren entstanden. „Manche schreckt der hohe Kaufpreis ab“, vermutet Ehrig. Mit 45 Euro pro Quadratmeter liegt er zwar im städtischen Durchschnitt, doch viele umliegende Gemeinden bieten interessierten Häuslebauer deutlich niedrigere Grundstückspreise.

Manche sind vielleicht auch wegen der Anbindung abgesprungen. Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen gibt es keine in Eichgraben. Ein eigenes Auto ist also unverzichtbar. Denn auch Busse fahren nach 19 Uhr nicht mehr. Ehrigs ließen sich davon nicht abschrecken. Für sie ist es der ideale Wohnstandort. „Bis zum Wald sind es nur ein paar Schritte“, begründet Sven Ehrig seine Begeisterung für den Eigenheimstandort. Er würde hier jederzeit wieder ein Haus bauen. Wohneigentum wollten sie schon immer haben, als mögliche Lage kamen für sie eigentlich nur die südlichen Ortsteile infrage. Ende der 1990er Jahre war es in Eichgraben aber gar nicht so einfach, ein eigenes Haus zu finden. In der Eigenheimsiedlung „Am Weidenwinkel“ gab es nur ein freies Baugrundstück, das ihnen allerdings nicht gefiel. „Wir hätten damals auch ein Haus gekauft“, sagt Ehrig. Doch leerstehende Häuser gab es zu diesem Zeitpunkt im Ort ebenfalls nicht. 15 Jahre später sieht das anders aus.

Und so erwarben sie 1999 erst einmal nur eine Eigentumswohnung. Für die größer werdende Familie – das zweite von heute drei Kindern war seinerzeit im Anmarsch – wurde die Wohnung schnell zu klein. Und so entschieden sich die Ehrigs, doch noch ein Eigenheim zu bauen. In ihre Eigentumswohnung zog Svens Vater, der 1984 die DDR in Richtung Sauerland verlassen hatte und wieder in die alte Heimat zurückkehren wollte.

Zugute kam den Ehrigs, dass die Auswahl nach Baugrundstücken inzwischen größer war. Die Stadt Zittau hatte die Fläche an der Olbersdorfer Straße erworben. Bis Ende der 1980er Jahre wurde sie vom Kombinat Baumschule Dresden und nach der Wende vom Gartenbau Möse genutzt.

Für die Errichtung der Eigenheime hat die Stadt bestimmte Regeln festgelegt. So müssen zehn Prozent der Grundstücksfläche mit mindestens zwei standortheimischen Laubbäumen oder zwei hochstämmigen Obstbäumen bepflanzt sein. Familie Ehrig entschied sich in diesem Fall für einen Apfel- und einen Kirschbaum. Auch die Grundstücksbegrenzung und deren maximale Höhe, die Form des Daches und die Ausrichtung des Giebels sind geregelt. Familie Ehrig fühlte sich dadurch nicht in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt. „Es sind vernünftige Regelungen, um das Ganze dem dörflichen Charakter anzupassen“, findet der 50-Jährige.

Die SZ-Serie „Unsere Siedlung“ ist am 31. Mai mit der Wohnsiedlung Johannes-R.-Becher-Straße in Oderwitz gestartet. Weitere Serienteile: 3. Juni: Eichgraben „Am Walde“; 7. Juni: Ebersbach-Schlechteberg; 10. Juni:

Olbersdorf-Hagelsburg; 14. Juni: Pethau Obere/Untere Bergstraße; 17. Juni: Jonsdorf; 21. Juni: Neugersdorf;

24. Juni: Oberseifersdorf-Siedlung; 28. Juni: Zittau-Weinau „An der Aue“ und „Weinauring“