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Der Juwelenraub von Dresden – die Rekonstruktion

Ein perfekt geplantes Verbrechen; Vier Täter drangen in das Grüne Gewölbe ein und entkamen mit wertvollem Schmuck. Die 39 Minuten des Raubs in Wort und Bild.

© Illustration: P.M. Hoffmann

Noch immer sind die Räuber auf der Flucht, die am Montagmorgen aus einer Vitrine im Grünen Gewölbe Brillanten und anderen wertvollen Schmuck von enormem historischen Wert entwendet haben. Für den schlimmsten Kunstraub in der Geschichte Dresdens brauchten die Täter nur wenige Minuten. Aktuelle Nachrichten gibt es hier im Newsblog. Was nach dem Einbruch bisher klar ist und was wir immer noch nicht wissen.

© Illustration: P.M. Hoffmann

Gegen 4:30 Uhr; Augustusbrücke, Theaterplatz

Fakt ist: In einem Raum im Brückenkopf unter der Besucherplattform der Augustusbrücke setzen die Täter einen Elektroverteilerkasten in Brand. Sie nutzen laut Polizei eine brennbare Flüssigkeit. Ziel ist der Kabelverteilerschrank einer 1.000-Volt-Anlage. Der Brand führt zum Stromausfall. Am Theaterplatz und der Sophienstraße – dem späteren Tatort – gehen die Straßenlaternen aus. Ein Zeuge alarmiert die Feuerwehr um 5:05 Uhr, da war bereits die wegen des Einbruchs alarmierte erste Polizeistreife am Schloss eingetroffen.

Unklar ist: Wann wurde der Brand gelegt? Wann fiel der Strom aus? Hat wirklich niemand die Brandstifter gesehen?

© Illustration: P.M. Hoffmann

Vor 4:57 Uhr; Residenzschloss, Sophienstraße

Fakt ist: In der Dunkelheit durchtrennen die Einbrecher Gitterstreben vor dem Erdgeschossfenster des Pretiosensaals vom Historischen Grünen Gewölbe. Es ist das erste Fenster an der Fassade zur Elbe hin gegenüber der Schinkelwache. Eine kurze Grundstücksmauer bietet ihnen Sichtschutz zur Straße hin. Nach Angaben des Museums wurde dabei das gesamte Fenster aus der Verankerung gerissen.

Unklar ist: Wie haben sie das gemacht? Welche Technik haben sie dafür genutzt? Die Polizei sagt nicht, was sie davon schon weiß, es handele sich um „Täterwissen“.

© Illustration: P.M. Hoffmann

4:59 Uhr; Sicherheitszentrale, Residenzschloss

Fakt ist: In der Sicherheitszentrale, sie soll sich in einem Raum im dritten Obergeschoss befinden, läuft der Alarm ein, als die Täter das Fenster zerstören. Die Wachmänner sehen auf den Monitoren die Einbrecher. Sie sind angehalten, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Um keine Zeit zu verlieren, rufen sie über den Notruf 110 das Lagezentrum der Polizeidirektion Dresden an und teilen den Beamten mit, wo sich die Einbrecher befinden. Das Revier Mitte auf der Schießgasse wird alarmiert. Ein Streifenwagen rast los. Um 5:04 Uhr erreichen die Beamten das Schloss. Die Täter hatten es bereits über das zerstörte Fenster verlassen. Ein Wachmann empfängt die Beamten am Eingang des Museums.

Unklar ist: Wo stand das Fluchtauto?

© Illustration: P.M. Hoffmann

4:57 Uhr; Grünes Gewölbe, Juwelenzimmer

Fakt ist: Nach Angaben auf dem Überwachungsvideo betreten zwei vermummte Täter um 4:57:50 Uhr das Juwelenzimmer. Es ist vom Pretiosensaal aus der übernächste Raum. Einer geht gezielt zu einer Vitrine und schlägt mit einer Axt auf das Sicherheitsglas ein. Nach einer halben Minute ist die erste Scheibe geöffnet. Der zweite Täter verschwindet auf dem Video im Vordergrund. Anzunehmen ist, dass auch er Scheiben einschlägt. Dann stecken die Einbrecher ihre Beute ein. Viele Stücke bleiben liegen, weil alle Exponate mit der Unterlage vernäht sind. Ehe die Täter gehen, versprühen sie einen Feuerlöscher, um Spuren zu verwischen.

Unklar ist: Warum hält das Glas den Schlägen nicht länger stand?

© Illustration: P.M. Hoffmann

5:09 Uhr; Tiefgarage, Kötzschenbroder Straße 8, Dresden-Pieschen

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Fakt ist: Die Täter fahren in einem Audi A6 Avant vom Theaterplatz in eine Tiefgarage in der Kötzschenbroder Straße in Dresden-Pieschen, das sind 3,98 Kilometer. Sie stecken den Audi in Brand und flüchten. Um 5:09 Uhr geht bei der Berufsfeuerwehr ein automatischer Brandalarm aus der Tiefgarage ein. Die Leitstelle alarmiert zwei Löschzüge. Drei Autos brennen komplett, zwei weitere erheblich. Um 6:52 Uhr ist das Feuer gelöscht.

Unklar ist: Wie konnten die Täter so schnell nach Pieschen gelangen? Womit und wohin flüchteten sie von dort? Wo sind sie jetzt?

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