SZ +
Merken

Der Käpt’n ist immer mit an Bord

Seit zehn Jahren ist Carsten Poost Reiseunternehmer. Seine drei Busse fahren heute 100 000 Kilometer im Jahr. Dabei war der Anfang für den Sohländer voller Risiken.

Teilen
Folgen

Constanze Junghanß

Wie viele Gäste Carsten Poost schon im kleinen Reisebus kutschierte, hat er nicht gezählt. Seit zehn Jahren betreibt der Sohländer seine Reiseagentur mit dem einprägsamen Namen „Po(o)stkutsche“. Soviel steht aber fest: Den Sprung in die Selbstständigkeit hat der dreifache Vater nicht bereut.

Mittlerweile blicken sein Team und er auf eine Stammkundschaft von 2 500 Reisenden, die immer wieder bei Carsten Poost buchen. „Meine drei Busse mit Platz für jeweils acht Personen rollen jährlich rund 100 000 Kilometer. Dabei geht es nicht in die südlichen Gefilde“, sagt der Unternehmer. Vielmehr hat er sich die Region im Dreiländereck als Ziel gesucht. Genau dieses Konzept etablierte sich. „Viele Gäste kommen, um ihre alte Heimat im Schlesischen zu besuchen, durch das Riesengebirge zu wandern und die Sehenswürdigkeiten der Region kennenzulernen“, ist die Erfahrung des Sohländers.

Dabei lief es anfangs nicht ideal für ihn: „Der ursprünglich geplante ,Herholtourismus’ kam nur dürftig an.“ Als Vertragspartner einer Handvoll Busunternehmer begann die Po(o)stkutsche zu rollen. „Zum Leben hat das aber nicht gereicht“, erinnert sich der 48-Jährige. Und so stand die Entscheidung, die Selbstständigkeit ganz aufzugeben oder einen Neustart in Eigeninitiative zu starten. „Wir haben in Görlitz und dem Umland im wahrsten Sinne des Wortes Klinken geputzt“, erinnert er sich zurück. Damit meint Carsten Poost sich und seine Frau Anja. Zusammen erarbeiteten sie Handzettel, verteilten diese in tausende Briefkästen. Die Resonanz war überwältigend. „Noch waren gar nicht alle Zettel verteilt, da klingelte schon das Telefon“, erzählt der Unternehmer.

Die erste so organisierte Fahrt wird er nicht vergessen: Fünf Gäste traten die Reise nach Breslau als Tagesfahrt an. Die Autobahn war damals noch die reinste Katastrophe und statt dem fest eingeplanten Parkplatz unweit des Breslauer Rathauses klaffte plötzlich eine Baugrube. „Die Tiefgarage, die wir dann nach langer Suche fanden, nutzen wir noch heute“, sagt Carsten Poost. Bis Anfang 2005 trat der ehemalige Technische Leiter des Markersdorfer Dorfmuseums die Reiserouten als Einzelkämpfer an. Jetzt beschäftigt er drei Mietfahrer auf selbstständiger Basis.

Die Auftragslage wird von Jahr zu Jahr besser. „Das liegt auch daran, dass unser Unternehmen einerseits das erste seiner Art sei, das das Abholen von der eigenen Haustür anbietet. Andererseits arbeiten wir mittlerweile mit 65 Reisebüros und Tourismusinformationen zusammen“, begründet Carsten Poost die geschäftlichen Erfolge. Dabei ist der Reiseunternehmer zur Erkenntnis gekommen, dass man als Einzelkämpfer auf dem Gebiet des Tourismus weitaus geringere Erfolgsaussichten hat, als in der Gemeinschaft. Deshalb trat Carsten Poost dem Fremdenverkehrsverein Schlesische Oberlausitz bei. Ein Verein, in dem sich rund 40 Tourismusanbieter, die meisten sind Familienbetriebe, zusammengeschlossen haben. Mit gemeinsamen Aktionen wollen sie auf sich und die Ferienregion aufmerksam machen. Carsten Poost wirkt im Vorstand mit und weiß, wie seine Außenwerbung auf den Bussen Eindruck macht. Denn nicht nur für sein Unternehmen wirbt er, sondern auch für die Ferienregion Oberlausitz. Für diese Region hat der umtriebige Geschäftsmann vor zwei Jahren mit dem Kameramann Lutz Lehmann eine Film-DVD aufgenommen. Diese lädt zu einer 26-minütigen Entdeckertour vom Zittauer Gebirge bis in den Fürst-Pückler-Park ein. Seine Reisekunden bekommen sie als Geschenk. „Zur Erinnerung und zum Neugierigmachen auf unsere Oberlausitz.“

Manchmal geht es bei ihm auch sehr international zu. Erst kürzlich buchten zwei Kanadier, die in Ostritz zu Besuch waren, einen ganzen Bus für eine Tagesfahrt. Und ein Holländer wollte allein mit individueller Führung die Stadt Prag besuchen. Die beste Stammkundin ist aber eine Einheimische. „Unsere Dame aus Görlitz hat bisher schon 120 Reisen mitgemacht und uns schon auf schöne Ideen für neue Reiseziele gebracht“, erzählt der Unternehmer. (mit SZ/sg)