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Der katholische Protestant von Zittau

Ansgar Schmidt wird künftig in den Kirchen von St. Johannis predigen. Der Pfarrer ist erst seit Kurzem evangelisch.

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Von Gesine Schröter

Als hätten sie es vernommen, läuten die Glocken der Zittauer Johanniskirche zum evangelischen Pfarramt herüber. Hier spricht Ansgar Schmidt gerade über seine feierliche Einführung als evangelischer Pfarrer, während er das weinrote Programmbuch aus den Händen legt. „Die bisherigen Reaktionen auf meinen Antritt ermutigen mich sehr für meine zukünftige Arbeit in dieser schönen Stadt“, sagt Schmidt. Er freue sich schon auf seine erste Predigt beim Ordinationsgottesdienst in der Klosterkirche, ebenso wie auf den evangelischen Talar, den er dann zum ersten Mal öffentlich tragen werde.

Gelebte Ökumene

In der Tat wohnt Ansgar Schmidt noch nicht lange dauerhaft in Zittau. Noch Anfang Januar hat er in Mühlberg gearbeitet, einem kleinen Ort im südlichsten Zipfel Brandenburgs. Fast 13 Jahre hat er dort ein mittelalterliches Kloster  mit aufgebaut. „Der Abschied von den vielen gewachsenen Beziehungen dort ist mir sehr schwer gefallen“, erzählt Schmidt mit etwas Wehmut in der Stimme. „Besonders beeindruckt haben mich die Menschen von Mühlberg, die, katholisch oder evangelisch, wunderbar zusammengearbeitet haben“, sagt Schmidt. Sie waren ein Grund dafür, dass Ökumene ein wichtiger Inhalt in Schmidts Leben wurde.

Dann schaut Ansgar Schmidt wieder nach vorn. „Mit meiner Tätigkeit in der Gemeinde St. Johannis fange ich aber noch einmal ganz neu an.“ Denn Zittau ist nicht nur seine neue Heimatgemeinde, sondern sein erster Arbeitsort als evangelischer Pfarrer. Dass er sich selbst einmal zwischen den beiden Konfessionen entscheiden müsste, hätte der katholisch aufgewachsene Westfale und ehemalige Priester wohl nicht gedacht. Bis er sich verliebt hat – in eine Zittauerin. Er hat sie bei einem Ausbildungslehrgang zum Supervisor in Berlin kennengelernt. „Ab da wollte ich zwar unbedingt Seelsorger bleiben, aber meine Partnerschaft ohne Heimlichkeiten leben.“

Damit stand Ansgar Schmidt vor einer schwerwiegenden Lebensentscheidung. Sein ganzes bisheriges Leben, 56 Jahre lang, hat er im Geiste des Katholizismus geführt, gleich nach dem Abitur im Jahr 1975 ein Theologiestudium in Frankfurt am Main und Münster begonnen. Sieben Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Von da an führte ihn seine Tätigkeit als Seelsorger und Pfarrer für jeweils mehrere Jahre von Wien über Weißenhorn bei Ulm Richtung Norden nach Ostfriesland und schließlich nach Brandenburg.

„Ich wollte keine Konfession verletzen“ sagt der etwas schüchtern wirkende Geistliche. Daher hat er zunächst versucht, gemeinsam mit der katholischen Kirchenleitung einen Weg zu finden. Deren Angebot, zwar in einer Partnerschaft zu leben, dann aber kein Priester mehr zu sein, konnte er nicht zustimmen. Somit hat Schmidt schließlich doch den schweren Schritt gewagt und ist Anfang 2013 aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Ein Neustart wird möglich

Schon als er noch Pater Ansgar in Mühlberg war, hat Schmidt es geschätzt, mit der evangelischen Kirche im Zeichen der Ökumene zusammenzuarbeiten: „Ihre Freundlichkeit und Offenheit hat mich schon damals beeindruckt.“ Dass die Evangelische Landeskirche ihn aufgenommen und ihm mit der vakanten zweiten Pfarrstelle in Zittau einen Neustart ermöglicht hat, stimmt ihn mehr als zufrieden. Allerdings ist Schmidt bewusst, dass es nun eine Probe zu bestehen gilt. Nicht nur, dass er sich die Abläufe evangelischer Gottesdienste ein bisschen mehr verinnerlichen und sich allen Gruppen und Kreisen vorstellen muss. Am Ende des einjährigen Probedienstes wird noch einmal über seine Qualitäten als Seelsorger und Pfarrer entschieden.