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Der Kerzenmacher

Jeden Adventssonnabend stellt die SZ Menschen vor, die für Weihnachtsstimmung sorgen. Heute: Der Kerzenmacher.

Von Romy Kühr

Breite Schultern, kräftige Hände – Thomas Jeschke sieht aus, wie ein Mann, der anpacken kann. Das kann er auch. In seinem Beruf als Service-Techniker in der Halbleiterindustrie ist neben Technikverständnis manchmal auch Kraft gefragt. Der Beiersdorfer hat aber einen zweiten Beruf. Er ist Kerzenmacher. Seit 2006 stellt er in der Garage hinter dem Einfamilienhaus Kerzen her, in allen Größen, Farben und Formen. Die Idee dazu entstand im Ostseeurlaub auf dem Campingplatz. „Da gab es ein Ehepaar, das für die Kinder Kerzenziehen abgeboten hat“, erzählt Thomas Jeschke. „Das hat uns gut gefallen“, berichten er und seine Frau Simone, die genau wie er Feuer und Flamme fürs Kerzenmachen ist. Das wollten sie unbedingt selbst ausprobieren. „Wir haben in der Küche angefangen“, erzählt Thomas Jeschke. Die ersten selbst gezogenen und gegossenen Kerzen wurden in der Familie verschenkt. Das kam so gut an, dass der Beiersdorfer auf die Idee kam, seine Kunstwerke aus Wachs zu verkaufen. Er meldete ein Nebengewerbe an, räumte die Garage frei und nannte seine Werkstatt „Kerzenmanufaktur Wunderdocht“. Dieser originelle Name sorgt manchmal für Überraschungen. So hat Jeschke schon mal einen Anruf von einem Cottbuser Reisebüro bekommen. Das wollte mit zwei Bussen voll Touristen seine Manufaktur besichtigen, erzählt der 39-Jährige und lacht dabei rau und herzlich. Beim Blick in die „Manufaktur“ wird klar, warum. Auf wenigen Quadratmetern stapeln sich Kisten mit Kerzen, die noch auf ihre Verzierung warten und bunte Wachsplatten. Zwei Personen können sich hier bewegen, mehr nicht. Mit einem Campingkocher auf einer Werkbank macht Jeschke das Wachs flüssig. Als Behälter für den heißen Rohstoff dient ein alter Topf mit Blumenmuster. Darüber hängt eine Dunstabzugshaube Marke Eigenbau. Bis zu 500 Kilogramm Wachs verarbeitet er pro Jahr, daraus entstehen etwa 300 Kerzen. Expandieren kann Jeschke auf so kleinem Raum nicht. Will er auch nicht. „Das soll keine Massenware werden.“ Auch leben kann die fünfköpfige Familie vom Kerzenherstellen nicht. Die Kerzen, sagen sie, sind ein Hobby mit Zuverdienst.

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Seit dem Start der Kerzenmanufaktur vor mittlerweile sieben Jahren haben sie sich allerhand Wissen selbst angeeignet. So kennen sie die verschiedenen Techniken. Beim Kerzengießen zum Beispiel wird das flüssige Wachs in eine Form gegossen. Die Formen baut Jeschke oft selbst, zum Beispiel aus Metall oder Kunststoff. Dabei kommt sein technischer Beruf zum Tragen. Mit Perfektion tüftelt er so lange, bis die Form passt. So leicht bringt den stämmigen Kerl nichts aus der Ruhe. Nur einmal kam er ganz schön ins Schwitzen. Da bestellte ein Kunde Montagabend 50 Kerzen, die am Mittwoch fertig sein sollten. „Ich hatte aber nur drei Formen“, erinnert sich Jeschke. In zwei Nachtschichten hieß es für ihn und seine Frau am laufenden Band: drei Kerzen gießen, ab in den Kühlschrank zum Auskühlen, drei neue gießen. Daraus hat er gelernt. „Mittlerweile habe ich gängige Formen mehrmals da.“ Gelernt hat er zum Beispiel auch, dass der Docht ausschlaggebend dafür ist, wie gut oder lange eine Kerze brennt. „Wir testen alle unsere Kerzen selbst“, erzählt Thomas Jeschke. Das macht besonders den Kindern der Familie Spaß.

Die Produktion in der heimischen Garage liegt jetzt erst einmal auf Eis. Nun geht es an den Verkauf. An den Adventswochenenden sind Thomas Jeschke und seine Frau auf Weihnachtsmärkten unterwegs. Auch über die Sommermonate sind Jeschkes auf regionalen Märkten zu Gast, bieten unter anderem das Kerzenziehen für Kinder an.

Immer wieder probieren sie neue Ideen und Formen selbst aus, zum Beispiel Blüten aus Wachs oder Wachslaternen, in die man ein Teelicht stellt. Nur eines gibt es bei Thomas Jeschke nicht: Figurenkerzen. „Dem Weihnachtsmann den Kopf abbrennen, sowas machen wir nicht“, sagt er – und lacht sein herzliches, raues Lachen.